Ackerwildkraut-Wettbewerb: mehrere Preise für Landwirte im Landkreis Starnberg

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Landwirt Michael Friedinger ist stolzer Preisträger: Er belegt den ersten Platz beim diesjährigen Ackerwildkraut-Wettbewerb. Derzeit ist sein Acker ein Stoppelacker. © Andrea Jaksch

Ackerwildkräuter sind besonders wichtig, um die Artenvielfalt zu erhalten. Nun haben mehrere Verbände und Institutionen Preise im Rahmen des Ackerwildkraut-Wettbewerbs verliehen. Ein erster und ein dritter Platz gingen an zwei Landwirte aus dem Landkreis.

Landkreis – Dass auf vielen Äckern heutzutage keine Wildkräuter mehr wachsen, ist ein Problem. Denn die Ackerwildkrautflora ist zum Beispiel eine Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Tierarten, etwa von Insekten und Feldvögeln. Aber viele Wildkräuter, die neben Kulturpflanzen auf Feldern wachsen, sind gefährdet. Der Bund Naturschutz (BN) schreibt hierzu auf seiner Internetseite, dass zwei Drittel dieser Kräuter in Bayern gefährdet oder gar ausgestorben seien. Die Gründe sind vielfältig, unter anderem kann der Einsatz von Spritzmitteln dazu beitragen. Aber es gibt Menschen, die gegen das Aussterben dieser Pflanzen vorgehen. So haben 23 Landwirte am Ackerwildkraut-Wettbewerb teilgenommen, davon 18 Bio- und fünf konventionelle Höfe.

Heuer wurde dieser Wettbewerb zum sechsten Mal ausgerichtet, zum ersten Mal in Oberbayern. Veranstalter sind der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), der Biolandverband und der BN. Der Wettbewerb ziele darauf ab, „das öffentliche Interesse auf die besonders gefährdete Ackerwildkrautflora zu lenken“, schreiben die Veranstalter in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Dieser Tage verliehen sie in Olching die Preise.

Acht gefährdete Ackerwildkräuter in Berg gefunden

Dabei haben es zwei Bewerber auf den ersten Platz geschafft: Michael Friedinger aus Farchach mit seinem Sommergersten-Acker und Jakob Bösl aus dem Landkreis Eichstätt. Friedinger ist unter anderem Kreisvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter sowie Gemeinderat in Berg. Er hat den Löfflerhof 1991 von seinem Vater übernommen und betreibt diesen gemeinsam mit seiner Frau Elke. Seit 1993 bewirtschaften die beiden den Hof biologisch.

Bei den Friedingers wird der Acker hauptsächlich für Futtergetreide für die Tiere bewirtschaftet. Auf dem Hof leben 25 Milchkühe und 500 Legehennen. „Wir nutzen nur Mist als Düngung, keinen Handelsdünger“, sagt der Landwirt im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Die Kräuter würden hauptsächlich kommen, weil keine Spritzmittel verwendet würden. „So hat es sich mit der Zeit entwickelt, dass da heute viele Ackerwildkräuter wachsen“, berichtet der 63-Jährige.

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„Bei mir wurden insgesamt 80 verschiedene Kräuter und Gräser gefunden“, sagt der Landwirt. In der Pressemitteilung heißt es dazu: „Diese farbenfrohen Pflanzenarten, die teils in großen Populationen spontan neben der angebauten Sommergerste gedeihen, sicherten ihm einen von zwei ersten Preisen.“

Unter den gefundene Kräutern befanden sich acht gefährdete Arten: Acker-Lichtnelke, Ackerröte, Dreilappen-Ehrenpreis, Finkensame, Frühlings-Ackerzahntrost, Gewöhnlicher Frauenspiegel, Gezähnter Feldsalat und Zottiger Klappertopf. Sein Acker sei der einzige im Landkreis gewesen, auf dem die Finkensame ausfindig gemacht worden sei, sagt der Landwirt. Das Kraut kann bis zu 80 Zentimeter hoch wachsen und zeichnet sich durch seine goldgelben Kronblätter aus. Derzeit sei der Acker allerdings Stoppelacker, als Winterbegrünung.

Patenschaft für Ackerwildkräuter in Unterbrunn

Ein weiterer Landwirt aus dem Landkreis hat einen dritten Platz belegt: Roland Koböck aus Unterbrunn. Er teilt sich die Platzierung mit Thomas Hoyler aus Oberschleißheim. Koböck führt gemeinsam mit seiner Partnerin Annika Friedl einen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb. Auf einer circa 25 000 Quadratmeter großen Blühfläche für Ackerwildkräuter wurden 72 verschiedene Arten gefunden. „Zwölf davon stehen auf der roten Liste“, sagt Koböck auf Anfrage.

Die Ackerwildkräuter bräuchten Getreide, in dem sie wachsen können, und Bodenbearbeitung. Begonnen haben Koböck und Friedl damit, Hafer in einem weiten Reihenabstand auszusäen, damit die Kräuter Licht bekommen und sich entwickeln können, erklären sie auf ihrer Internetseite. Und: „Es wird nicht mehr gespritzt und nur mäßig mit Festmist gedüngt. Damit bekommen die Kräuter, die noch vorhanden sind, die Möglichkeit sich auszubreiten.“

Bei dem Hof können Interessierte sowohl Pate einer Blühfläche als auch von einer Ackerwildkrautfläche werden. „Diese Rückkehr zu den blühenden Äckern, wie sie früher gang und gäbe waren, verstehen wir unter Artenvielfalt auf dem Acker, und dabei können Sie uns mit Ihrer Patenschaft unterstützen“, schreiben die beiden weiter. Vierte und fünfte Preise gingen an Norbert und Philipp Grenzebach aus Hochstadt und Stefan Graf aus Andechs.

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