„Es wird unseren Büchermarkt nicht mehr geben. Es werden keine Bücherspenden mehr angenommen.“ Mit diesen Sätzen haben sich Tina Reuther und Isabelle Feix, die Macherinnen hinter dem Büchermarkt in Gilching, gestern per Pressemitteilung verabschiedet. Erst am Wochenende hatte ihr Markt tausende Menschen nach Gilching gelockt.
Gilching - Rund 1300 Bananenkisten mit rund 50 000 Büchern – alles in allem etwa 26 Tonnen an Medien. Auf allen Etagen des Gilchinger Rathauses fand am Wochenende zum vierten Mal der große Büchermarkt statt, den Tina Reuther und Isabelle Feix seit vielen Jahren organisieren. Der Erlös kommt ausschließlich sozialen Zwecken zugute. Und doch steht das Projekt vor dem Aus. Im Vorfeld und beim Aufbau hatte es schon Querelen gegeben, im Rathaus lief dann auch nicht alles glatt. „Vielleicht waren das Vorzeichen“, sagt Tina Reuther im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Das Projekt ist für uns zwei Frauen zu groß geworden.“
Dabei war es für große und kleine Bücherwürmer wieder ein Dorado. Nicht nur Altlandrat Karl Roth lief mit Tüten bepackt durch die Gänge, um sich einzudecken. „Ich war schon einmal am Auto“, sagte er. Die Auswahl war wieder fantastisch. Aber es wurde schon gemunkelt, dass es Ärger gab.
Der begann wohl schon früher, weil die Organisatorinnen wünschten, dass der Bauhof die Bücher von den Lagern ins Rathaus bringt. Auf das Nein von Bürgermeister Manfred Walter folgten E-Mails und Anrufe. Die Gemeinde stellte das Rathaus kostenfrei zur Verfügung, inklusive Hausmeister und Reinigung. „Ich muss gegenüber anderen Vereine fair bleiben. Und wenn der Bauhof Überstunden macht, fehlt er an anderer Stelle“, sagt Walter. Dann blieb der Aufzug – überlastet mit Bücherkisten – stecken, die Feuerwehr rückte an. Schließlich ging im Foyer noch ein Bildschirm zu Bruch.
Walter bekümmert auch die Art des Umgangs an einigen Stellen. Sein Fazit: „Das Rathaus mit den Treppen ist ungeeignet. Eine Turnhalle wäre besser.“ Daher habe er bereits den Kontakt zum Zweckverband weiterführende Schulen vermittelt. Erst vor wenigen Monaten hatte der Gemeinderat die Renovierung des einstigen Brotbäck an der Münchner Straße in Argelsried genehmigt. Dort dürfte der Büchermarkt, der heuer erstmals unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt firmierte, Bücher lagern und annehmen, so Walter.
Tina Reuther will über die Kümmernisse und Missverständnisse im Nachgang nicht mehr viel sprechen, denn trotz allem wuppten die rund 125 Helferinnen und Helfer die Veranstaltung, tausende Leseratten waren glücklich und schleppten kistenweise Bücher nach Hause. „Über die großen Einnahmen des Büchermarktes freuen sich in diesem Jahr das Mutter-Kind-Haus Gilching, die Integrationshilfe Gilching, die Namaste-Stiftung, die Indienhilfe Herrsching, die Montessorischule Gilching, die Gilchinger Tafel und die Eichhörnchenstation in Gilching“, teilen Reuther und Feix mit – und dass es keinen weiteren Büchermarkt mit ihnen mehr geben wird. Denn sie hätten deutlich gespürt „dass es zu viel und zu groß ist für uns“.
Die restlichen 650 Kartons will Tina Reuther an andere Büchermärkte weitergeben. Dabei nennt sie den Markt in Gröbenzell als gutes Beispiel: „Er wird seit 30 Jahren von vier Vereinen mit 100 ehrenamtlichen Helfern gestemmt. Diese tragen die Kosten und teilen sich die Einnahmen.“ Diese lägen im sechsstelligen Bereich. „Aber wir hier sind raus.“