Intelligente Stromzähler für bestimmte Haushalte verpflichtend - So läuft der Smart-Meter-Ausbau im Landkreis

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Smart Meter ermitteln den Stromverbrauch und können die erhobenen Daten direkt etwa an den Stromversorger oder den Netzbetreiber versenden. © Markus Scholz/dpa

Intelligente Stromzähler gelten als wichtiger Baustein für die Energiewende. Seit diesem Jahr ist der Einbau von Smart Metern für bestimmte Haushalte Pflicht.

Sie wissen nicht, was ein Smartmeter ist? Keine Sorge, damit sind Sie nicht allein. Laut einer aktuellen Umfrage von YouGov können 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland mit dem Begriff nichts anfangen. Kein Wunder: Während in vielen anderen europäischen Ländern wie Spanien oder Frankreich über 80 Prozent der Haushalte über einen intelligenten Stromzähler verfügen, fristen die Geräte hierzulande noch immer ein Nischendasein.

Doch das soll sich nun ändern. Seit Anfang des Jahres schreibt das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende den Einbau von Smart Metern für Haushalte verpflichtend vor, deren Stromverbrauch über 6000 kWh liegt oder die eine PV-Anlage mit einer Leistung von mehr als 7 KW betreiben. Ebenfalls betroffen sind Haushalte, die seit 2024 über eine steuerbare Verbrauchseinrichtung wie Wallboxen oder Wärmepumpen verfügen.

Smart Meter kurz erklärt

Ein Smart Meter besteht aus einem digitalen Stromzähler („moderne Messeinrichtung“) sowie einer Kommunikationseinheit (dem „Smart-Meter-Gateway“). Erstere werden bereits seit einigen Jahren anstelle der alten analogen „Ferrari-Zähler“ von den Netzbetreibern eingebaut. Bis 2032 soll jeder Haushalt mit einem solchen digitalen Zähler ausgestattet sein. Erst in Verbindung mit dem Gateway spricht man von einem intelligenten Messsystem. Wer es einsetzt, profitiert laut Bundeswirtschaftsministerium von einer Reihe von Vorteilen. So werden Verbrauchsdaten automatisch an den Netzbetreiber übermittelt und müssen nicht mehr abgelesen werden. Der eigene Stromverbrauch lässt sich genauer und transparenter nachverfolgen als bisher, indem etwa die momentan bezogene Leistung abgelesen und nachgeschaut werden kann, wie viel Strom beispielsweise am Vortag, in der vergangenen Woche, im letzten Monat oder im ganzen Jahr bezogen wurde. Erst diese genaue Übermittlung ermöglicht die Nutzung von dynamischen Stromtarifen, die sich bei großen Verbrauchern wie Elektroautos lohnen können, indem das Laden in Zeiten verlegt wird, in denen der Strom günstiger ist.

Gesetzliche Frist läuft bis Ende 2030

Für die Umsetzung verantwortlich sind die Netzbetreiber, und die haben eine durchaus große Aufgabe vor sich. Aktuell seien im Netzgebiet 18 Prozent der rund 700 000 relevanten Messstellen mit intelligenten Messsystemen ausgestattet, teilt ein Sprecher der Bayernwerke mit, die gemeinsam mit den Lechwerken einer der beiden großen Netzbetreiber in der Region sind. Von den rund 125 000 verbauten Geräten entfallen rund 2000 auf den Landkreis Weilheim-Schongau. Wie viele Haushalte im Netzgebiet hierzulande insgesamt von der Pflicht betroffen seien, könne man ohne größeren Aufwand nicht sagen, so der Sprecher.

Auch bei der LEW Verteilnetz (LVN) kann man keine genauen Zahlen für den Landkreis liefern. Im gesamten Netzgebiet seien rund 25 Prozent der Zähler von der Pflicht betroffen, teilt ein LVN-Sprecher mit. Bislang seien seit 2021 knapp 20 000 intelligente Messsysteme installiert worden.

Noch kein einziges Smart Meter außer Geräten zu Testzwecken haben bislang die Gemeindewerke Peißenberg verbaut. 1250 Zähler sind in ihrem Netzgebiet vom verpflichtenden Rollout betroffen, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit.

Sicher ist: Bis jeder betroffene Haushalt im Landkreis einen intelligenten Stromzähler erhält, wird es dauern. Bis Ende des Jahres müssen laut Gesetz mindestens 20 Prozent, bis Ende 2028 mindestens 50 Prozent und Ende 2030 mindestens 95 Prozent dieser Fälle mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet sein. 

Einbau von Smart Metern ist kostenlos

Gerade für kleinere Netzbetreiber wie die Gemeindewerke eine Herausforderung. Man arbeite aktuell an einem technischen Konzept, wie man den Rollout der Geräte sicherstellen könne. „Wir werden alles tun, um die gesetzlichen Fristen einhalten zu können.“ Dabei sei man allerdings auch von den Herstellern der notwendigen Smartmeter-Gateways abhängig, so das Unternehmen.

Für die Betroffenen ist der Einbau kostenlos, widersprechen kann man ihm nicht. Jährlich fallen anschließend je nach Stromverbrauch und Anlagengröße allerdings Kosten für den Betrieb an. Diese hat der Bundestag Ende Januar mit dem Solarspitzengesetz neu festgelegt, sie sollen künftig zwischen 40 und 140 Euro liegen. Zusätzlicher finanzieller Aufwand droht freilich, wenn der Zählerschrank für den Einbau umgerüstet werden muss.

Haushalte können Einbau von Smart Metern fordern

Doch auch Haushalte, die nicht unter die Pflicht fallen, können seit diesem Jahr den Einbau eines Smart Meters fordern. Ursprünglich sollte der Netzbetreiber in dem Fall maximal einmalig 30 Euro und 20 Euro jährlich in Rechnung stellen dürfen. Im neuen Gesetz wurden die Kosten auf 100 Euro bzw. 30 Euro angehoben.

Noch hält sich das Interesse an dieser Möglichkeit in Grenzen. Eine vermehrte Nachfrage nach Smart Metern hat man weder bei den Bayernwerken noch bei der LVN oder den Gemeindewerken bislang registriert, heißt es vonseiten der Unternehmen.

Dass der Ausbau intelligenter Stromzähler auch in ihrem Sinn ist, daran lassen die beiden großen Netzbetreiber keinen Zweifel. Smart Meter würden die Einbindung dezentraler Erzeuger und Speicher ins Netz erleichtern und helfen, Verbrauch und Erzeugung intelligent und flexibel zu verknüpfen. Die Geräte seien damit „ein wichtiger Baustein für die Stromnetze der Zukunft.“

Bei den Gemeindewerken sieht man ebenfalls die Vorteile der Verbrauchsdaten für die Netzstabilität und die Steuerung von Erzeugungsanlagen, E-Mobilität und Heizsystemen. „Allerdings macht dies aus unserer Sicht nur Sinn, wenn eine große Anzahl von Smart Metern verbaut wird – über den gesetzlich vorgeschriebenen Pflicht-Rollout hinaus.

Mobilfunk könnte Smart-Meter-Rollout ausbremsen

Auch bei der Energiewende Oberland begrüßt man, dass der Smart Meter-Einbau endlich Fahrt aufnehmen soll. „Ich sehe da große Chancen“, sagt Energieberater Andreas Scharli. Zum einen ließen sich nur so flexible Stromtarife nutzen, die seit Jahresanfang jeder Stromanbieter anbieten muss. Wer etwa einen großen Verbraucher wie ein E-Auto hat, kann damit das Laden in Zeiten legen, wo Strom günstig ist. So ließen sich auch hohe Stromspitzen im Netz vermeiden, so Scharli.

Zum anderen würden Smart Meter auch Besitzern von Mehrfamilienhäusern mit PV-Anlagen das Leben erleichtern. Bislang lauerten beim Mieterstrom viele Hürden. „Die Abrechnung wäre viel einfacher.“

Ein Fallstrick allerdings lauert noch, der den Rollout der neuen Technik bremsen könnte. Um mit dem Netzbetreiber sicher zu kommunizieren, brauchen die Geräte Mobilfunkempfang. Doch was, wenn der im Keller, wo meist der Zähler seinen Platz hat, nicht gegeben ist? Hier sieht man in der Tat auch bei den Gemeindewerken ein Problem, wofür „im Einzelfall technische Lösungen gefunden werden müssten“. Die sucht man offenbar auch bei der LVN noch. Derzeit finde in einem solchen Fall kein Einbau statt, teilt das Unternehmen mit. Man erwarte jedoch „eine Verbesserung mit dem anstehenden Ausbau des 450-MHz-LTE-Netzes“.

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