Ergebnisse der U18-Bundestagswahl im Stimmkreis Weilheim-Schongau: Drei Parteien besonders beliebt

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Der 21. Deutsche Bundestag wird am 23. Februar gewählt. Auch Minderjährige durften bei der U18-Bundestagswahl testweise ihre Stimme abgeben. © Symbolfoto: Panthermedia

Die Bundestagswahl steht an. Für Minderjährige hat die Wahl schon Anfang Februar mit der U18-Wahl begonnen – bei der die AfD im Stimmkreis Weilheim-Schongau auf Platz zwei landete.

Landkreis Weilheim-Schongau – Am Sonntag ist es soweit – die 21. Bundestagswahl steht an. Für Minderjährige hat die Wahl sogar schon Anfang Februar begonnen. Denn bei der U18-Bundestagswahl konnten Kinder und Jugendliche bis 14. Februar testweise ihre Stimme abgeben. Im Stimmkreis Weilheim-Schongau haben rund 2.200 Minderjährige ein Kreuzchen gemacht – und vor allem für drei Parteien gestimmt.

U18-Wahl im Stimmkreis Weilheim-Schongau: CSU, AfD und Linke beliebt – FDP und FW scheitern an Fünf-Prozent-Hürde

Ginge es nach den Kindern und Jugendlichen, wäre die CSU die Nummer 1. Die Christlich-Soziale Union bekam rund 21 Prozent der Wählerstimmen – dicht gefolgt von der AfD: Mit rund 19,6 Prozent ist sie die zweitstärkste Partei bei der U18-Wahl. Die Linke schließt auf dem dritten Platz auf – rund 18 Prozent voteten für die Partei.

Weniger Zuspruch gab es für die SPD: Knapp 15 Prozent der Jugendlichen stimmten für die Sozialdemokraten. Noch weniger Kreuzchen gab es für die Grünen. Mit rund 7,6 Prozent ist sie die letzte Partei, die die Fünf-Prozent-Hürde geschafft hat. Es folgen die FDP (rund 4,2 Prozent), Freie Wähler (4), Tierschutzpartei (3), das Bündnis Sahra Wagenknecht (2,6) und die Partei (1,7). Die anderen Fraktionen haben weniger als einen Prozent erreicht.

Zwar seien die Ergebnisse von U18 nicht repräsentativ, ist auf der Website der Koordinatoren zu lesen, aber dafür „ein Projekt politischer Jugendbildung“. Deshalb setzten sich junge Menschen vor der Wahl mit Demokratie, ihren Interessen und dem Wahlkampf auseinander – in Workshops oder Podiumsdiskussionen. Auch im Landkreis fanden daher einige Aktionen rund um die U18-Bundestagswahl statt, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreisjugendrings (KJR) Weilheim-Schongau, der die Koordination der U18-Bundestagswahl übernimmt. So bot beispielsweise das Jugendzentrum Peißenberg in der Mittel- und Montessori-Schule Workshops an, während das Jugendzentrum und die Montessori-Schule in Penzberg das Wahllokal in der Stadtbücherei organisierten.

Das jugendpolitische Projekt wolle Kinder und Jugendliche bundesweit zur aktiven Auseinandersetzung mit demokratischen Prozessen und politischen Inhalten anregen, erklärt Herbert Haseitl, Geschäftsführer des KJR. „Ziel ist es, das politische Bewusstsein und die demokratische Teilhabe junger Menschen zu stärken.“

Die U18-Wahlen finden seit 1996 statt. Kinder und Jugendliche beschäftigen sich mit dem politischen Geschehen und treffen ihre Wahlentscheidungen. Dass sich diese seit der letzten U18-Bundestagswahl stark geändert haben, zeigt ein Blick auf die Ergebnisse aus dem Jahr 2021: Damals hat die SPD mit rund 18,8 Prozent die meisten Stimmen gewonnen. Es folgte die CSU (rund 17 Prozent) und die Grünen (15,7). Die FDP freute sich damals noch über 12,3 Prozent, die AfD bekam damals nur rund 5 Prozent der Stimmen. Die Linke war nur unter „Sonstige Parteien“ aufgelistet, die bei der letzten Wahl aber immerhin rund 30 Prozent aller Stimmen ausmachten.

Generationenforscher Rüdiger Maas: „Linke und AfD punkten bei Jugendlichen“ – Einfluss durch Medien

Damals waren die AfD und Die Linke noch Schlusslichter, bei der diesjährigen U18-Wahl gehören sie zu den stärksten Parteien. „Die Linke und die AfD können bei der Jugend punkten“, konstatiert Generationenforscher Rüdiger Maas aus Augsburg. Denn „weder thematisch noch in der Art der Ansprache scheinen Politikerinnen und Politiker der etablierten Parteien die junge Generation im Blick zu haben“, so der Psychologe. Daher würden sich Erstwähler und künftige Wähler von diesen Parteien entfremden.

Außerdem spielen die sozialen Medien für Maas eine große Rolle bei der politischen Wahrnehmung. „Während klassische Medien weiterhin versuchen, politische Prozesse einzuordnen, folgt Social Media eineranderen Logik – Inhalte mit hoher Polarisierung erhalten mehr Sichtbarkeit.“ Algorithmen bevorzugen demnach Beiträge, die starke emotionale Reaktionen hervorrufen, wie Empörung, Begeisterung oder Angst, so der Psychologe. „Das begünstigt einfache, zugespitzte Botschaften und erklärt den Erfolg populistischer Strömungen. Diese veränderte Medienlandschaft beeinflusst auch das Wahlverhalten junger Menschen.“

Generationenforscher Rüdiger Maas

Seit 2012 erforscht und analysiert Dr. Rüdiger Maas mit seinem Team gesellschaftlich relevante Themen. Er gründete hierzu das Institut für Generationenforschung in Augsburg. „Als Generationenforscher untersuche ich mit meinem Team die Werte, Verhaltensmuster und Herausforderungen unterschiedlicher Generationen und zeige auf, wie sich der digitale Wandel auf das gesellschaftliche Zusammenleben auswirkt“, so Maas auf seiner Website.

Oftmals sehen die Jugendlichen die AfD außerdem nicht als „radikale Partei“ an, da sie mit ihr aufgewachsen sind. Sie sei daher Teil des politischen Alltags und eine Option wie jede andere Partei, so Maas. Die Generation Z bleibe in der Politik außerdem oft eine Randfigur, was zu Frustration bei den jungen Wählern führe – weshalb sie sich extremeren Parteien zuwenden würden. „Solange die etablierte Politik ihre Anliegen nicht ernst nimmt, wird sich dieser Trend weiter verstärken.“

Institut für Generationenforschung

Das Institut für Generationenforschung beschäftigt Wissenschaftler aus Psychologie, Soziologie, Philosophie, Ingenieur-und Wirtschaftswissenschaft, die national und international zu verschiedenen Generationen, sozialen Gruppen und Trends forschen, ist in einer Mitteilung des Instituts zu lesen. Die Forschungsanstalt fördere durch die Forschungsergebnisse das Verständnis zwischen den Generationen mit dem Ziel eines erfolgreichen Miteinanders und einer generationengerechten und nachhaltigen Zukunft.

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