Demokratie-Projekt in Karlsfeld soll weiterleben

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Kein Zuschuss mehr für die Mittelschule Karlsfeld: Der Bund fördert das Vorzeigeobjekt nicht mehr. © Monika Skolimowska/dpa

Der Bund hat sein Förderprogramm „Demokratie leben!“ neu ausgerichtet. Unter den Leidtragenden, die nun kein Geld mehr bekommen, gehört die Mittelschule Karlsfeld.

Dachau – Dabei war gerade diese Schule eine der Vorzeigeeinrichtungen des Programms. Schule, Bürgermeister und Landrat fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

Noch vor einem Jahr in Berlin ausgezeichnet

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass eine Gruppe Schüler und Lehrer der Mittelschule Karlsfeld (MSK) nach Berlin gereist war. In der Bundeshauptstadt sollte die Schule einen Preis der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe) erhalten, für ihre Bemühungen zum Thema Demokratiebildung. Eine Laudatorin sagte damals: „Was mich besonders berührt hat, war, dass sich nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrkräfte als Lernende begreifen. Es hat mich überzeugt, dass das nicht einmal eingeführt wird und dann auf die Selbstläuferkraft vertraut wird. Demokratiebildung wird nachhaltig gestaltet!“

Heute ist klar: Das Thema Demokratiebildung an der MSK droht tatsächlich wieder einzuschlafen. Trotz der lobenden Worte der Berliner Jury, trotz der Bekundungen aller verantwortlichen Ministerien und Behörden, wie wichtig es doch gerade heutzutage sei, dass Schüler lernen, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren und dadurch eine positive Grundhaltung zur Demokratie und gegen Ausgrenzung zu entwickeln, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der Schule eine Absage erteilt: Die MSK bekommt damit, anders als in den vergangenen acht Jahren, kein Geld mehr aus dem Fördertopf „Demokratie leben!“

Kolbe sauer wegen „Watschen aus Berlin“

Schulleiter Hakan Özcan ist enttäuscht. „Der Förderstopp bedeutet für die Schulen, die eine demokratische Öffnung und Teilhabe ihrer Schülerinnen und Schüler fördern, einen herben Rückschlag, da Schulen auf Fördergelder angewiesen sind, um partizipative Projekte und Vorhaben an der Schule zu finanzieren.“ Als aktuelle Preisträgerschule der DeGeDe habe seine Schule „Anträge über das Bundesprogramm ,Demokratie leben!‘ oder über unseren Kooperationspartner KJR Dachau stellen können. Dies fällt jetzt komplett weg“.

Während Özcan seinen Ärger über die Ministeriumsentscheidung in diplomatische Worte packt, war Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe am Freitag im Kreisausschuss deutlicher: „Wir in Karlsfeld sind schlichtweg entsetzt!“ Die Förderabsage empfindet er als „Watschen aus Berlin“. Denn: „Das muss man sich mal vorstellen: Da fahren wir nach Berlin, werden in höchsten Tönen gelobt, und jetzt wird uns die Basis entzogen!“ Es sei „schädlich“, dass derartig erfolgreiche Projekte nicht weitergeführt würden. Und was Kolbe besonders auf die Palme treibt: „Dass die Entscheidung in keinster Weise transparent war.“ Rückfragen habe das Ministerium schlicht nicht beantwortet!

Ministerium nimmt keine Stellung

Auch gegenüber der Heimatzeitung will das Bundesministerium die Gründe, warum ein preisgekröntes Schulprojekt aus der Förderung fällt, nicht kommentieren. In einer Stellungnahme heißt es nur: „Wir setzen neue Schwerpunkte mit einer Neuausrichtung insbesondere in strukturschwachen Regionen“, so ein Pressesprecher. „Es gab einen bundesweiten, für alle gleichen und transparenten Wettbewerb.“ Alle interessierten Kommunen und Projekte seien aufgefordert worden, ihre Bedarfe darzulegen anhand von festen Kriterien wie regionale Problemlage und Handlungsansätze.

Die gute Nachricht: Anders als die Mittelschule Karlsfeld bekommt der Landkreis weiterhin Geld aus demTopf, jährlich 140 000 Euro für den Zeitraum 2025 bis 2032. Landrat Stefan Löwl kommentierte dies bitter: „Gott sei Dank haben wir für unsere Projekte keinen Preis gewonnen.“ Sonst hätte dem Landkreis unter Umständen ein ähnliches Schicksal gedroht wie der MSK. Bemerkenswert: Einstimmig beschlossen die Kreisräte aller Fraktionen, dass zumindest der Landkreis weitermacht mit seinem beim Kreisjugendring gebündelten Engagement gegen jede Form des Extremismus.

Und die Mittelschule Karlsfeld? Dort überwiegt nach den Worten von Schulleiter Özcan „trotz fehlender Stunden und finanzieller Förderung noch der Idealismus und der persönliche Einsatz, die Kinder und Jugendlichen für Demokratie zu begeistern“. Die Frage sei nur: „Wie lange können wir das so noch durchhalten?“

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