Die zuletzt hohen Investitionen der Stadt in Schulen und Kitas haben sich ausgezahlt. Entsprechend den Zahlen der jüngsten Bevölkerungsprognose dürften die vorhandenen Gebäude ausreichen, um alle Kita- und Schulkinder bis ins Jahr 2040 adäquat unterbringen zu können.
Dachau – Alle fünf Jahre aktualisiert die Stadt ihren sogenannten Demografiebericht. Zuletzt, vor fünf Jahren, war der Schock groß: Die Prognose sagte einen massiven Bevölkerungszuwachs voraus, in dessen Folge sich die Zahl der notwendigen Krippenplätze sowie der Plätze in der Nachmittagsbetreuung für Grundschüler verdoppeln sollte. Zudem, so die Prognose, sollte es einen Bedarf von 38 zusätzlichen Grundschulklassen zwischen 2023 und 2035 sowie von acht Mittelschulklassen zwischen 2022 und 2028 geben.
Massive Bautätigkeit und Geburtenrückgang
Bei der Stadt setzte daraufhin, vor allem im Kindergarten- und Kitabereich, eine massive Bautätigkeit ein. Für die Schule in Dachau-Ost wurde eine umfangreiche Erweiterung in Angriff genommen. Parallel dazu gab es aber auch gesamtgesellschaftliche Ereignisse, allen voran der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die eine nachhaltige Wirkung auf die Stadt und die Geburtenzahlen haben sollten. Konkret: Es kamen in den vergangenen beiden Jahren weniger Kinder zur Welt.
Die Folge: Die jüngste, vor wenigen Wochen vorgestellte Bevölkerungsprognose, fällt nicht mehr ganz so alarmierend aus wie die vor fünf Jahren, mit anderen Worten: Das Wachstum schwächt sich ab. Statt bereits in 2035 wird die Stadt Dachau demnach wohl erst 2040 die Einwohnerzahl von 60 000 erreichen.
Was die Kinderbetreuung und Beschulung ihrer Kinder betrifft, kann sich die Stadt damit erst einmal zurücklehnen, wie Oberbürgermeister Florian Hartmann seinen Stadträten am Mittwoch im Familien- und Sozialausschuss erklärte: „Baulich werden wir bis 2030 alle Versorgungslücken schließen. Das, was wir planen und bauen, wirkt. Unsere Maßnahmen wirken. Wir können mit einer gewissen Gelassenheit in die nächsten Jahre gehen.“ Und vor allem: Der Bau einer fünften Grundschule, von dessen Notwendigkeit man im Rathaus noch jahrelang überzeugt war, ist nun – zumindest vorerst – nicht nötig.
Schulsprengel muss angepasst werden
So werden nach den Berechnungen der jüngsten Prognose zwischen 2023 und 2040 nur sieben zusätzliche Grundschulklassen nötig. Allein vier davon dürfte die Klosterschule brauchen, allerdings erst ab 2034. Gelöst werde dies laut Amtsleiter Haberl mit einer vorsichtigen Sprengelverschiebung, vermutlich hauptsächlich in Richtung Grundschule Dachau-Ost. Vorsicht ist deswegen verboten, da sich der Sprengel nicht um mehr als 2,5 Kilometer verschieben darf – sonst würde die Stadt beförderungspflichtig und müsste den Grundschülern einen Schulbus zur Verfügung stellen.
Für die Mittelschule braucht es bis 2040 nach der neuesten Berechnung sogar nur zwei zusätzliche Klassen, die ebenfalls an den bestehenden Gebäuden leicht aufgefangen werden können. OB Hartmann gab hier allerdings zu bedenken, dass sich gerade in diesem Bereich die „gesellschaftliche Struktur“ auch ändern könnte: „Wer weiß, welche Schulform in den nächsten Jahren nachgefragt wird?“
Weiterhin Fachkräftemangel an Krippen und Kindergärten
Doch auch wenn die Stadt, was ihre Bautätigkeit im Erziehungsbereich betrifft, erst einmal auf die Bremse treten kann, bedeutet dies aber laut dem OB nicht, dass künftig auch wirklich alle Elternwünsche nach Kitaplätzen sicher erfüllt werden können. Grund: der Fachkräftemangel an Krippen und Kindergärten. Um die wenigen ausgebildeten Erzieher habe sich laut Verwaltungsmitarbeiter Jürgen Kuhr in den vergangenen Jahren ein regelrechter Wettbewerb gebildet, den allzu oft die Landeshauptstadt München gewinnt. Laut Kuhr „zahlen die Münchner ihren Kinderpflegern einfach eine Tarifgruppe höher. München ist so groß, die können ihren eigenen Weg gehen.“
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Horst Ullmann (Bürger für Dachau) betonte jedoch, dass die Große Kreisstadt auf einem anderen Gebiet punkten könne: München nämlich möge vielleicht mehr zahlen, „aber dafür haben wir die viel schönere Stadt“.
Der OB und der Rest des Gremiums stimmten begeistert zu – in der Hoffnung, dass möglichst viele Kinderpfleger und Erzieher dies auch so sehen...