Um dem Personalmangel in den städtischen Kitas wirksam entgegenzutreten, hat die Stadt Dachau vor eineinhalb Jahren eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive gestartet. Die Bilanz bislang: in Teilen sehr gut! Sie könnte allerdings noch besser sein, wenn die Bürokratie nicht wäre.
Dachau – An Platz fehlt es den städtischen Kindertageseinrichtungen aktuell nicht, aber am Personal. Die Tatsache, dass die Stadt Dachau nur mit Mühe die Nachfrage nach Krippen- und Kindergartenplätzen bedienen kann, liegt demnach nicht an mangelnden Räumlichkeiten für die Kinder, sondern an mangelndem Fachleuten.
Offensive hat nur teilweise geklappt
Eine im Juli 2023 gestartete „Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive für die städtischen Kindertageseinrichtungen“ sollte diesen Mangel mittel- bis langfristig beheben. Am Mittwoch, im Familien- und Sozialausschuss, legten Amtsleiter Markus Haberl und Oberbürgermeister Florian Hartmann den Stadträten nun eine erste Bilanz der Offensive vor. Und die ist super, zumindest teilweise. „Es hat sehr gut geklappt in manchen Bereichen“, so Hartmann. Die Stadt habe ihr Ziel, „mehr Azubis zu gewinnen und junge wie auch ältere Menschen an das Berufsfeld Kita heranzuführen“, umgesetzt.
So hätten die Werbemaßnahmen gerade im Bereich der Ausbildung gefruchtet. Alle drei sogenannten PiA-Stellen – PiA steht für Praxisintegrierte Ausbildung – seien besetzt worden, ebenso zwei von drei Stellen für Berufspraktikanten. Zudem habe man drei Kinderpflegerinnen von einer Fortbildung zur pädagogischen Fachkraft überzeugen können.
Gut lief es laut Stadtverwaltung auch beim Besetzen der drei Stellen für das Freiwillige Soziale Jahr – ja, es gab sogar mehr Bewerber als freie Plätze! Und wie erhofft wurden auch zwei Springer für die Küchenkräfte gefunden.
SEJ-Stellen attraktiver machen
Leider weniger erfolgreich war man bei den sechs SEJ-Stellen. SEJ steht für Soziales Einführungsjahr und dient als verpflichtende Vorbereitung für die Erzieherausbildung. Keiner der sechs gesuchten SEJler wurden gefunden – wahrscheinlich, so vermutet die Stadt, weil diese Arbeit einfach nicht attraktiv genug ist, vor allem was die Bezahlung betrifft. Künftig will die Stadt daher statt monatlich 500 Euro nun 800 Euro Gehalt, zuzüglich der Großraumzulage München in Höhe von 162,20 Euro, zahlen. Die gute Nachricht in diesem Bereich ist aber, dass es in Dachau ja seit zwei Jahren die Berufsfachschule für Kinderpflege gibt und die Stadt von dort vier junge Azubis für ihre Einrichtungen gewinnen konnte.
Stadt findet keine Assistenzkräfte
Ganz schlecht lief auch die Suche nach zehn Assistenzkräften. Diese „helfenden Hände und mitdenkenden Köpfe“ brauchen lediglich eine Grundqualifizierung, um in einer Kita arbeiten zu dürfen. Diese Qualifizierung kostet jedoch 2000 bis 2500 Euro und dauert 200 Stunden. Theoretisch, so Haberl, zahlt das Jobcenter für diese Qualifizierungsmaßnahme, praktisch aber dauert es vier bis sechs Wochen, bis die Behörde die Maßnahme zusagt und zahlt. Das Jobcenter müsse nämlich erst einmal prüfen, ob die Kita, in der die Assistenzkraft einmal arbeiten soll, auch wirklich den nötigen baulichen, personellen und sonstigen Zertifizierungsanforderungen entspricht.
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Für Arbeitslose, noch dazu solche mit wenig Geld, sei dieses Prozedere eindeutig „hinderlich“, wie SPD-Stadträtin Sylvia Neumeier fand. „Die Leute wollen arbeiten, sie müssen Geld verdienen! Auch Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) war der Meinung: „Wenn man das erst mal selber zahlen muss, brauchen wir uns nicht wundern, dass wir keine Assistenzkräfte finden!“
OB Hartmann und Amtsleiter Haberl erklärten, dass das Thema der Assistenzkräfte sowohl beim Städtetag, als auch den zuständigen Ministerien in München bekannt sei. Beide hofften, dass die Staatsregierung, die sich laut Hartmann „gerade ohnehin neu aufstellt bei den Kinderbetreuungskosten“, diese Personallücke in den Kitas schnell schließen hilft.
Ansonsten versprachen beide, auch weiterhin ihre „Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive“ voranzutreiben. Demnach wird die Stadt auch weiterhin an die Schulen – vor allem an Mittel- und Realschulen – gehen und dort Schnupper- beziehungsweise Berufsorientierungspraktika anbieten. Außerdem will sich die Stadt weiter bei der „Job“-Messe präsentieren und sich mit der Berufsfachschule für Kinderpflege und der Fachakademie für Sozialpädagogik „intensiv vernetzen“. A
Außerdem soll es verbindliche Qualitätsstandards bei den in den Dachauer Kitas angebotenen Ausbildungsformen geben. Diese Standards sollen in Ausbildungsplänen zusammengefasst werden, damit jeder Interessent auf einen Blick weiß, was auf ihn in den jeweiligen Erziehungsberufen zukommt.
Die Beschäftigten der Kitas jedenfalls seien um jede Art der Unterstützung dankbar. Verwaltungsmitarbeiter Jürgen Kuhr ist sicher sicher: „Wir freuen uns über jede Entlastung, wir schätzen es wert!“