Die langjährige Karlsfelder Behindertenbeauftragte Anita Neuhaus (85) erklärt, warum das Ehrenamt für sie oft frustrierend war und verrät, was sie sich für ihre Nachfolger wünscht.
Karlsfeld – Seit knapp einem Jahr ist die Stelle des Behindertenbeauftragten in Karlsfeld unbesetzt. Anita Neuhaus, die das Ehrenamt über 20 Jahre lang gewissenhaft übernommen hatte, legte ihr Amt im vergangenen Jahr nieder. Im Gespräch mit den Dachauer Nachrichten zieht die 85-Jährige Bilanz über zwei Jahrzehnte Behindertenarbeit in Karlsfeld. Sie spricht über Aufgaben, warum das Ehrenamt für sie oft frustrierend war und was sie sich für ihre Nachfolger wünscht.
Warum haben Sie sich jahrelang ehrenamtlich als Behindertenbeauftragte engagiert?
Anita Neuhaus: Durch die Taubheit meiner Mutter habe ich bereits von klein auf gelernt, wie man mit den Herausforderungen und Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen umgeht. Aufgrund meiner Tätigkeit im Gemeinderat und als Sozialreferentin war es für mich selbstverständlich, mich auch im sozialen Bereich zu engagieren. Als dann vor rund 20 Jahren erstmals die Stelle einer Behindertenbeauftragten geschaffen wurde, habe ich dieses Amt übernommen.
Die langjährige Karlsfelder Behindertenbeauftragte spricht über ihre Aufgaben
Das Amt war also vorher nicht vorhanden?
Ja, genau. Früher gab es in unserer Gemeinde keinen Behindertenbeauftragten. Eigentlich sollte aber jede Gemeinde einen haben. Als ich dann gefragt wurde, ob ich das Amt übernehmen könnte, war es für mich selbstverständlich, dass ich mich auch für die Belange von Menschen mit Behinderung in Karlsfeld einsetze.
Was waren Ihre Aufgaben als Behindertenbeauftragte für Karlsfeld?
Ich war Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung oder deren Angehörige. Ich habe ihnen bei verschiedenen Anliegen geholfen, sei es bei der Beschaffung eines Rollstuhls oder bei der Beantragung eines Behindertenausweises. Außerdem habe ich mich für die Barrierefreiheit von öffentlichen Einrichtungen Karlsfeld eingesetzt.
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Anita Neuhaus spricht über die Erfolge ihrer Arbeit
Was haben Sie in all den Jahren erreicht?
Leider war es nicht immer einfach, aber wenn Menschen mit ihren Anliegen zu mir kamen, habe ich mein Bestes getan, um ihnen zu helfen. Ich habe finanzielle Unterstützung organisiert, zum Beispiel für Zahnbehandlungen. Ein großer Erfolg war zum Beispiel auch, dass am Karlsfelder See eine Rampe gebaut wurde, damit Rollstuhlfahrer ins Wasser gleiten können. Außerdem habe ich mich dafür eingesetzt, dass am See eine Bank speziell für Menschen mit Behinderungen aufgestellt wurde. Das war aber schwierig und ich musste sehr oft und hartnäckig nachhaken.
Gemeinderäte haben die Arbeit nicht immer gewürdigt
Wie wurde Ihre Arbeit vom Gemeinderat wahrgenommen?
Der jetzige Gemeinderat nimmt die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen ernst. Das war in der Vergangenheit anders. Früher war ich mehr auf mich allein gestellt und meine Arbeit wurde nicht immer gewürdigt. Da hätte ich mir manchmal mehr Unterstützung gewünscht.
Was geben Sie Ihren Nachfolgern mit auf den Weg?
Ich wünsche ihnen einen langen Atem. Und ich hoffe, dass man ihnen mehr Gehör schenkt als mir damals. Ich habe aber das Gefühl, dass der jetzige Gemeinderat offener ist und die Wichtigkeit eines Behindertenbeauftragten erkennt, was früher nicht immer der Fall war.
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