Anwohner wünschen sich Blitzersäule: Gemeinderat lehnt Vorschlag ab – „Effekt ist schnell verpufft“

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Eine Blitzersäule, wie sie in Kirchseeon (Landkreis Ebersberg) steht, wünschen sich auch die Bewohner von Fleck. Der Lenggrieser Gemeinderat lehnte dies jedoch ab. © Britta Schultejans

Anwohner in Fleck hatten sich eine fest installierte Blitzeranlage an der B13 gewünscht. Der Lenggrieser Gemeinderat hat den Vorschlag abgelehnt.

Lenggries – Anwohner der Lenggrieser Ortsteile Fleck und Hallerschwang sind leidgeplagt und melden sich seit vielen Jahren immer wieder zu Wort, weil auf der B13 zu schnell gefahren wird und Motorräder Krach machen. Der jüngste Wunsch der Bürger war nun, dass eine Blitzersäule aufgestellt wird. Der Lenggrieser Gemeinderat hat dieses Ansinnen in seiner Sitzung am Montagabend jedoch mehrheitlich abgelehnt.

Tempo 30, Lärmblitzer, Zebrastreifen: Anwohner an Bundesstraße wünschen sich Maßnahmen

Wie Rathaus-Geschäftsleiter Tobias Riesch in der Sitzung berichtete, bekräftigte eine Gruppe von Anwohnern ihre Beschwerden Mitte September bei einem Termin mit Bürgermeister Stefan Klaffenbacher. Die meisten der von den Anwohnern geforderten Maßnahmen könnten jedoch aus rechtlichen Gründen nicht umgesetzt werden, erläuterte Riesch. So lasse die Gesetzeslage auf der Bundesstraße keine generellen Fahrverbote für Lkw und Motorräder, ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern, „Lärmblitzer“ oder Zebrastreifen zu.

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Näher geprüft hat die Gemeinde hingegen die Aufstellung einer fest installierten Blitzersäule. Die Verwaltung holte dazu laut Riesch nähere Informationen beim Zweckverband Kommunale Dienste Oberland ein. In dessen Zuständigkeitsbereich gebe es aktuell drei solcher Säulen, und zwar in Füssen (Ortsteil Hopfen am See), Kirchseeon (an der B304) und in Kolbermoor. Inklusive Fundament, Strom- und Datenverbindungsanschluss koste eine Blitzersäule rund 50 000 Euro.

In Fleck fahren deutlich weniger Autos an anderen Standorten von Blitzersäulen

Riesch wies auf ein entscheidendes Problem hin. Die Blitzersäulen, mit denen der Zweckverband in der Regel arbeite, könnten nur von vorne blitzen. Motorräder, die ja ihr Kennzeichen hinten haben, könnten damit gar nicht erfasst werden. Eine Alternative seien zweiteilige Säulen, die in Baden-Württemberg verwendet würden. Sie kosten laut Riesch 30 000 bis 40 000 Euro.

Einen gewissen Unterschied gebe es zwischen Fleck und den genannten anderen Blitzersäulen-Standorten. In Kolbermoor stehe die Säule an der Staatsstraße zwischen Bad Aibling und Rosenheim. Dort würden im Schnitt am Tag rund 17 000 Fahrzeuge verkehren. In Fleck seien es dagegen im Schnitt nur 5616 Fahrzeuge. Das ergab eine verdeckte Messung mittels einer „Topobox“ – einem an einem Schild angebrachten koffergroßen Kästchen – zwischen 1. und 14. Oktober. „Dabei gab es aber große Schwankungen“, so Riesch. „Am 6. Oktober, einem sonnigen Sonntag, waren es 12 000 Fahrzeuge, an anderen Tagen dagegen nur etwa 3000.“

Knapp zwölf Prozent fahren zu schnell – nötige Marke wäre damit übertroffen

Ein weiteres Ergebnis: Von den 78 628 erfassten Fahrzeugen waren knapp zwölf Prozent zu schnell dran. Damit sei zwar die vom Freistaat für Blitzersäulen geforderte Marke von zehn Prozent überschritten, aber eben „nicht signifikant“, wie Zweiter Bürgermeister Franz Schöttl anmerkte. Zum Vergleich: Am Standort der Blitzersäule in Füssen lag die Beanstandungsquote bei 42 Prozent.

Schöttl, der die Gemeinderatssitzung leitete, argumentierte zudem, dass die Anschaffung einer Blitzersäule in Fleck ein „Bezugsfall“ sein könnte. „Man müsste damit rechnen, dass dann weitere Anträge aus anderen Gemeindegebieten folgen würden.“ Er schlug deswegen als „Kompromiss“ vor, die beim Zweckverband gebuchten Überwachungsstunden mit einem Blitzeranhänger „signifikant zu erhöhen“. Dem Zweckverband stehe ab Ende des Jahres eine neue Technik zur Verfügung, die auch das Blitzen von Motorradfahrern von hinten ermöglicht.

Gemeinderat einigt sich auf Kompromissvorschlag

Der Zweite Bürgermeister verwies zudem darauf, dass heuer schon einige Maßnahmen getroffen wurden, um das Sylvensteingebiet für Raser uninteressant zu machen und somit auch Zufahrtsstrecken wie die B13 zu entlasten. Dazu gehören eine verstärkte Verkehrsüberwachung, ein Überholverbot und ein Tempolimit auf 70 km/h zwischen Fleck und Winkl beziehungsweise Hohenwiesen sowie von 50 vom Kraftwerksgebäude über den Sylvensteindamm in Richtung Kaiserwacht und über die Klammbrücke bis nach Fall.

Die Raser bremsen vor der Säule runter, danach geben sie wieder Gas.

Zweifel am Sinn einer Blitzersäule meldete auch Sabine Gerg (SPD) an. „Die Raser bremsen vor der Säule runter, danach geben sie wieder Gas.“ Ihr Fraktionskollege Tobias Raphelt pflichtete ihr bei: „Die stationären Säulen sind in kürzester Zeit in Apps und Navis hinterlegt. Der Effekt, dass man sie schlechter sieht, ist schnell verpufft.“ Roman Haehl (Unabhängige Fraktion) fände Kontrollen besser, die „nicht ganz so erwartbar“ seien, also an wechselnden Stellen. Der Gemeinderat stimmte am Ende mit 18:1 gegen eine Blitzersäule ab. Nur Eberhard Pichler (Freie Wähler Gemeinschaft) lehnte den Kompromissvorschlag der Verwaltung ab. (ast)

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