Seit August laufen die Sanierungsarbeiten der Ammerseebahn zwischen Weilheim und Geltendorf. Für den Gleisunterbau ist eine riesige Maschine im Einsatz. Wir durften sie einmal genauer ansehen.
Die Maschine auf den Gleisen ist so riesig, dass man auf den ersten Blick kaum erkennt, wo sie anfängt und wo sie aufhört. Bis zu 400 Meter kann sie auf den Schienen einnehmen, sagt Patrik Baur. Je nach Bedarf. „Manchmal ist sie länger, manchmal kürzer. Das hängt davon ab, ob man weitere Module braucht oder nicht.“
Baur ist der Projektleiter, der bei der Deutschen Bahn für die Sanierung der Strecke zwischen Geltendorf und Weilheim zuständig ist. In Warnweste und festem Schuhwerk steht er auf der herbstfeuchten Wiese bei Holzhausen am Ammersee, wo sich „Katharina die Große“, wie die tonnenschwere Baumaschine im gelben Lack heißt, über die Gleise schiebt. Sie macht dabei so einen Lärm, dass Baur sich beim Sprechen gut anstrengen muss, um gegen ihr Brummen anzukommen.
Große Maschine erneuert Gleisunterbau der Ammerseebahn
Trotz des Lärms stapft er mit den Pressevertretern, die sich an diesem Tag die Baustelle aus der Nähe anschauen dürfen, noch etwas näher ans Getöse. Als alle einen guten Blick auf das beeindruckende Werkeln der Maschine und der beteiligten Arbeiter haben, erklärt der Projektleiter, was die Aufgabe von „Katharina der Großen“ ist: Als sogenannte Reinigungs- und Planums-Verbesserungsmaschine sei sie dafür zuständig, den kompletten Gleisunterbau auf Abschnitten der Ammerseebahn zu erneuern. Sie wechselt also den Schotter und die Schichten darunter aus, die auf den neuesten Stand gebracht werden müssen.
„Katharina die Große“ hat übernommen, als der Gleisumbauzug mit seiner Arbeit fertig war. So ein Gleisumbauzug sei kleiner als die aktuelle Maschine und für die Schienen und Schwellen zuständig, schildert Baur. Er sagt auch, dass es keine Rolle spiele, in welcher Reihenfolge die Arbeiten erledigt werden; ob erst der Gleisumbauzug oder die Planums-Verbesserungsmaschine anrückt. „Der Unterbau lässt sich immer unabhängig von Schiene und Schwellen erneuern.“
So viel altes Material wie möglich wiederverwenden
Denn mit der Planums-Verbesserungsmaschine könne man die Gleise anheben und gleichzeitig, während Schienen und Schwellen in der Luft sind, den Unterbau auswechseln. Das Ganze spielt sich auf rund 15 Metern ab, während sich der Zug im Schritttempo stetig vorwärtsbewegt. Bis zu 4000 Tonnen Schotter könne die Maschine am Tag erneuern, sagt Baur.
Er geht ein paar Schritte auf den Bereich zu, den er das „Herzstück“ nennt. Hier lässt sich gut erkennen, was „Katharina die Große“ leistet: Von oben lupft sie die tonnenschweren Schienen samt Schwellen mittig an, während eine Kette die alten Schottersteine abräumt und eine Rüttelplatte den leergefegten Boden befestigt. Das alte Material wird nach oben transportiert, wo es durch ein Sieb geschüttelt und direkt auf dem Zug recycelt wird.
Denn auch bei Modernisierungsarbeiten versuche man, so viel altes Material wie möglich wiederzuverwenden, erklärt der Projektleiter. Je nachdem, wie viele Jahre das Material schon im Gleisbett liegt, könne der Recyclinganteil bis zu 40 Prozent betragen. Für die Ammerseebahn rechnet Baur mit 30 Prozent Gleisschotter, den man voraussichtlich weiter hernehmen könne. Voraussetzung ist, dass die Steine noch scharfkantig genug sind, damit sie sich gut verdichten lassen.
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Insgesamt werden 25 Kilometer Gleisstrecke erneuert
Während das Altmaterial also nach links weggeschafft wird, rücken von rechts die Neustoffe an. Auf den freien Boden rollt die Maschine dabei zunächst eine große, weiße Plane ab. „Das ist die Planumsschutzschicht“, sagt Baur. Auf diese folgt dann der neue Unterbau aus sandähnlichem Material und Schotter. Wenn die Gleise wieder nach unten abgelassen worden sind und auf dem neuen Untergrund liegen, wird das Ganze noch durch den sogenannten „Stopfgang“ abgeschlossen. Bei diesem Schritt fährt „Katharina die Große“ mit dicken Eisenarmen zwischen den Schwellen in den Schotter, „stopft“ alles zurecht und verdichtet damit den Unterbau, der nun wieder für viele Jahre halten soll.
Denn das ist schließlich das Ziel der Deutschen Bahn: Nach der Rundum-Modernisierung der Ammerseestrecke, die final erst im nächsten Jahr abgeschlossen sein wird (siehe Kasten), sollen der Oberbau einen Neuzustand erreichen, jegliche Langsamfahrstellen Geschichte sein und sich der Fahrplan wieder zuverlässig einhalten lassen. Insgesamt werden rund 25 Kilometer Gleisstrecke samt Schienen, Schwellen und Unterbau erneuert, erklärt die Bahn. Auch die Erneuerung von mehreren Weichen und Bahnübergangsbelägen sowie des Entwässerungssystems fällt an. Mit dem ersten Abschnitt der Baumaßnahmen will man Mitte Dezember fertig sein.
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„Katharina die Große“, die im gesamten Bahnnetz sehr gefragt und durchweg ausgebucht ist, wird nach ihrem längeren Einsatz im Oktober auch im November noch einmal für ein paar Tage auf der Ammerseebahn arbeiten. Allerdings kann sie wegen ihrer immensen Größe und des Gewichts nicht überall eingesetzt werden. Wie der Projektleiter erklärt, sei das vor allem zwischen Raisting und Weilheim schwierig, was an dem Untergrund liege, der in diesem Bereich nicht so tragfähig ist. Dort arbeite man deshalb fast ausschließlich „konventionell“, also mit Lastwagen, Baggern und weiteren Baumaschinen, die mobiler sind als der schwere Zug.
Freilich wirkt sich das auf die Dauer der Baustelle aus. „Mit dem konventionellen Aufbau brauchen wir natürlich viel länger“, sagt Baur. Das sei aber alles im Zeitplan berücksichtigt. So sollte man in ein paar Wochen fertig sein – zumindest mit diesen Arbeiten.
Zeitplan der Sanierung
Der erste Abschnitt der umfassenden Sanierungsmaßnahmen an der Ammerseebahn ist fast zu Ende. Der Zugverkehr, der zwischen Weilheim und Geltendorf bereits seit August komplett eingestellt ist, soll laut Deutscher Bahn ab Mitte Dezember wieder aufgenommen werden. Stand jetzt ist, dass die Arbeiten am 14. Dezember abgeschlossen sind. Über den Winter werden die Züge dann wieder fahren, bevor im kommenden Jahr noch einmal Baumaßnahmen anstehen. „Zum genauen Zeitpunkt laufen aktuell die Abstimmungen“, teilt die Bahn mit. 2025 soll dann auch der Bahndamm bei Peißenberg auf der Pfaffenwinkelbahn grundlegend erneuert werden. Dafür laufen ebenfalls die Planungen.