Trump und die Droge Erfolg: Sein Maduro-Coup bringt neue Gefahren

In die Schockwellen und Jubelstürme nach der brillantesten US-Geheimoperation seit Erfindung des Serienhelden Jack Ryan mischen sich weiter Sorgen.

Wer noch keine hat, sollte sich Donald Trumps Pressekonferenz zum Maduro-Coup anschauen. Als US-Außenminister Marco Rubio dort das Wort ergreift, liefert er eine kostenlose Charakterstudie seines Chefs: „Wenn er sagt, dass er etwas tun wird, wenn er sagt, dass er ein Problem angehen wird, dann meint er das auch. Dann setzt er es um“, so Rubio.

Alle reden immer nur… Trump macht Ernst.

„Ich beobachte diesen Prozess jetzt seit 14, 15 Jahren”, fährt er fort. „Jeder redet immer nur: Ich werde dies tun, ich werde jenes tun…“

Nicht so Trump. „Das hier ist ein Präsident der Tat. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie manche das immer noch nicht begriffen haben. Und wer es bisher nicht wusste: Jetzt weiß er es. Wenn er sagt, dass ihm etwas ernst ist, dann ist es ihm auch ernst.“

Exit-Strategien in den Diktatoren-Bunkern

Diese Botschaft dürfte in den Bunkern der Diktatoren dieser Welt tatsächlich angekommen sein. Ihr Schicksal ist mir, wie das des korrupten Menschenschinders Nicolás Maduro, ziemlich egal.

Mich beschäftigen drei andere Überlegungen. Erstens: die notorische Unberechenbarkeit militärischer Erfolge.Niemand vermisst Gaddafi und Hussein. Doch ihre Entmachtung brachte andere Übel – Bürgerkrieg, Terror, Destabilisierung. Schlägt man dem Drachen das Haupt ab, weiß man nie, wie viele Köpfe anderswo nachwachsen.

 

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Wenn nicht diese Regeln, welche dann?

Zweitens: der Abgesang auf die regelbasierte Ordnung. Spötter sagen, Regel Nr. 1 sei schon immer gewesen, dass Amerika die Regeln macht. Neu an Trump ist nur, wie unverhohlen er es tut.

Nun bricht Putin das Völkerrecht ohnehin (und die Welt kauft sein Öl dennoch). Auch China lässt Taiwan nicht aus Rechtstreue in Ruhe, sondern aus militärischem Kalkül.

Doch Trumps offene Verachtung für internationale Verträge und Institutionen könnte nach hinten losgehen – wir haben nun mal keine besseren. Und dass er in Venezuela offenbar weniger an einer demokratischen als an einer willfährigen Regierung interessiert ist, verheißt wenig Gutes.

Macht macht überheblich

Drittens – und vielleicht am gefährlichsten: die Droge Erfolg. Machtdemonstrationen wie in Caracas oder bei der Zerstörung iranischer Atomanlagen können überheblich machen. Und einen erfolgshungrigen Menschen süchtig. Erst recht, da die US-Industrie entgegen aller MAGA-Versprechen weiter auf Talfahrt ist, könnte Trump versucht sein, sich anders Anerkennung zu verschaffen – notfalls mit immer größeren Risiken, auch zu Lasten Alliierter.

„Hier ging es um eine direkte Bedrohung der nationalen Interessen der Vereinigten Staaten – und der Präsident hat gehandelt”, sagte Rubio am Wochenende über Venezuela. Wer wettet dagegen, dass wir exakt diesen Satz auch im Zusammenhang mit Grönland hören werden?

Denn Trump hat es ja immer gesagt. Und wenn er etwas sagt, dann tut er es auch.

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