Wohnprojekt für Senioren: „Können wir uns das leisten?“

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So könnte das Projekt „Wohnen im Alter“ an der Hirschbergstraße laut einer 3D-Animation aussehen. Ob es verwirklicht wird, ist offen. © Brückner-Architekten

Seit vielen Jahren tüftelt die Gemeinde Gmund an ihrem Bauprojekt „Wohnen im Alter“. Auf Antrag der Grünen-Fraktion ging es jetzt im Gemeinderat erstmals um konkrete Zahlen. Über 18 Millionen Euro Gesamtkosten stehen im Raum und inzwischen auch die Frage: „Können wir uns das leisten?“

Gmund - Auch wenn inzwischen detaillierte Entwürfe des Ingenieurbüros Brückner vorliegen, 3D-Animationen das Projekt visualisieren und auch der Bebauungsplan Hirschbergstraße II auf aktuellen Stand gebracht wird: Zu den Kosten gab es bisher wenig Konkretes. Die Grünen-Fraktion legte daher bereits Ende Dezember einen umfangreichen Fragenkatalog vor, auf den es jetzt im Gemeinderat ausführliche Antworten gab.

Etwa zu staatlichen Fördermitteln: Laut Berechnung der Verwaltung könnten für das seniorengerechte Wohnprojekt, für das aktuell rund 18,2 Millionen Euro an Gesamtkosten im Raum stehen, knapp 6,2 Millionen Euro an Zuschuss aus dem Topf „Kommunale Wohnraumförderung“ an die Gemeinde fließen. 29 Wohnungen mit 1,5 bis drei Zimmern sind geplant. Im unteren, dreigeschossigen Gebäude soll es eine Begegnungsstätte, ein Sozialbüro sowie zehn Wohnungen mit ambulant begleiteter Wohngemeinschaft (WG) geben.

Wohnprojekt in Gmund: Pflege-WG noch offen

Ob diese WG tatsächlich kommt, ist aktuell noch offen – Bürgermeister Alfons Besel (FWG) überraschte mit dieser Nachricht. Frage sei auch, ob die WG an einen Träger vergeben werde. Nur in diesem Fall könne Gmund vom Förderprogramm „PflegesoNah“ und von maximal 600 000 Euro profitieren. Bis zu 60 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten könnte die Gemeinde über ein zinsverbilligtes Darlehen finanzieren.

Zu Unterhalts- und Bewirtschaftungskosten wollte sich die Verwaltung noch nicht festlegen. In Sachen Mieteinnahmen liegen aber erste Berechnungen vor: Die Verwaltung veranschlagt 12,90 Euro netto pro Quadratmeter, plus 5,07 Euro pro Quadratmeter monatlich an Nebenkosten. Für die WG müssten von jedem Bewohner 60 Euro pro Monat an Betreuungspauschale bezahlt werden. Insgesamt erwartet die Gemeinde 360 000 Euro an Einnahmen jährlich.

Wohnprojekt in Gmund: Schuldenstand würde auf 17 Millionen Euro klettern

Dass der Schuldenstand der Gemeinde bis 2028 auf 17 Millionen Euro klettern würde – und das noch ohne dem demnächst zu beschließenden, talweiten Großprojekt Hallenbad – ist für Antragsteller Michael Huber (Grüne) bedenklich. Er warnte vor jährlichen Mehrkosten, über die man sich trotz aller Förderung im Klaren sein müsse. Es täte ihm leid, wenn sich Gmund von dem Projekt verabschieden müsste, aber es handle sich nicht um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Überhaupt fragte Huber in die Runde: „Können wir uns das leisten?“.

Während Dritte Bürgermeisterin Christine Zierer (FWG) betonte, dass es sich um einen wichtigen Schritt für die älteren Mitbürger handle und es keinen Sinn mache, alles auf den Kopf zu stellen, hatte Korbinian Kohler (CSU) eine andere Meinung. „Das Wohnprojekt ist eine wunderbar romantische und menschliche Vorstellung, aber wir müssen umdenken“, sagte Kohler und meinte damit: „Wir als Gemeinde müssen einen Beitrag leisten und radikal weniger ausgeben.“ Er sprach von einem „Haushalt außer Rand und Band“, käme es zu 17 Millionen Euro Schulden, „und das für 29 Bewohner“. Besel entgegnete, dass Daseinsfürsorge nie kostenrechnend und es wichtig sei, in Phasen der Rezession zu investieren. Sie bekomme schon Anfragen, berichtete CSU-Rätin und Seniorenbeauftragte Martina Ettstaller und forderte dazu auf, an dem Projekt dranzubleiben.

Angesichts der drohenden Verschuldung noch einmal genau zu überlegen, war auch die Ansicht von Andrea Schack (Grüne): „Denn Gmund besteht nicht nur aus Senioren.“

Wo die Reise hingeht, ist offen. Fest steht jedoch: Gmund will sich vor einer endgültigen Entscheidung noch schlauer machen. So soll auf Vorschlag von Georg Rabl (FWG) etwa mit einem Planungsbüro vom Chiemsee, das ein ähnliches Projekt betreut, Kontakt aufgenommen werden. Bis auf Christine Zierer waren alle für diesen Weg.

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