Die jüngste Zensus-Erhebung bringt für Gmund ein überraschendes Ergebnis. Demnach hat die Gemeinde weniger Einwohner als angenommen.
Gmund - Mit einer statistischen Erhebung wird regelmäßig ermittelt, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten. Um verlässliche Zahlen für Planungen zu haben, ist eine regelmäßige Bestandsaufnahme nötig. Viele Entscheidungen in Bund, Ländern und Gemeinden beruhen auf diesen Zahlen. Hierfür werden Daten aus Verwaltungsregistern genutzt, durch Stichproben ergänzt und mit einer Gebäude- und Wohnungszählung ergänzt, sodass die Mehrheit der Bevölkerung keine Auskunft geben muss. Zensus heißt diese Erhebung, die seit 2011 alle zehn Jahre stattfindet. Wegen Corona wurde die jüngste Befragung von 2021 um ein Jahr verschoben. Mit den Ergebnissen konfrontierte Geschäftsleiter Florian Ruml jetzt die Gemeinderäte – und auch sie waren erstaunt. Denn nach den Zensus-Ergebnissen hat Gmund 311 Einwohner weniger als gedacht.
6560 Einwohner hatte die Gmunder Meldebehörde zum 15. Mai 2022 übermittelt. Abzüglich der 356 Einwohner mit Nebenwohnsitz ergab sich ein Personenstand von 6206 Einwohnern. „Der Zensus ermittelte aber nur 5895 Einwohner“, berichtete Ruml, „das ist eine Differenz von 311 Personen und bedeutet 5,01 Prozent weniger Einwohner. Jeden 20. Gmunder gäbe es demnach nicht, beziehungsweise, jeder 20. Eintrag im Melderegister wäre falsch.“
Über die hohe Diskrepanz zeigte sich Ruml verwundert, wo doch die Meldedaten digitalisiert seien und Rückmeldungen bei Wegzügen automatisch erfolgen. Auch würden Standesämter Geburten und Todesfälle zuverlässig melden. Ruml berichtete auch, dass alle Gemeinden im Landkreis offenbar Federn gelassen haben. Die Mitglieder am Ratstisch erfuhren zudem, dass die Anzahl der Stichproben mit 1345 Personen, von denen dann auf die Einwohnerzahl hochgerechnet wurde, hoch sei.
Zensus-Ergebnisse bringen neue Zahlen für Gmund – Gemeinde hakt nach
Nach Rücksprache mit dem Bayerischen Gemeindetag habe Gmund von seinem Anhörungsrecht Gebrauch gemacht und beim Statistischen Landesamt seine Argumente dargelegt, warum die Zahlen zweifelhaft erscheinen. „Wir vermuten, dass sich die höheren Abweichungen bei Gemeinden in Urlaubsregionen aufgrund unzutreffend angemeldeter Erstwohnsitze ergeben“, berichtete Ruml. Personen mit Zweitwohnsitz in Gmund würden demnach ihren Erstwohnsitz nur anmelden, um die Zweitwohnungssteuer zu umgehen. „Das werden wir nachprüfen“, kündigte der Geschäftsleiter an.
Was die Folgen der geringeren Einwohnerzahlen betrifft, so nannte Ruml vor allem finanzielle Zuweisungen, sprich Schlüsselzuweisungen.
„Da werden nur knapp 1400 Personen stichprobenartig erfasst und dann hochgerechnet? Das kapiere ich nicht“, kritisierte Dritte Bürgermeisterin Christine Zierer (FWG) das Vorgehen, sah aber ein, dass eine weitere Diskussion darüber wohl sinnlos sei.
Ruml rechnet jedenfalls nicht damit, dass es zu einer förmlichen Nachzählung kommt. Den offiziellen Bescheid erwartet die Gemeinde in Kürze – inklusive Festellung über den kuriosen Bevölkerungsschwund.