Taufkirchen - Gelungener hätte ein Jubiläumsfest kaum sein können. 25 Jahre Freundschaft und Partnerschaftsverein Taufkirchen/Vils mit West Chicago (WC) in Amerika wurde im Bürgersaal gefeiert. Taufkirchen feiert 25 Jahre Partnerschaft mit West Chicago.
Es war ein kurzweiliger Abend mit bayerischer Musik der Familie Ernst, dem Swing Orchestra und dem Männerchor Dorfen. Letzterer begeisterte mit einem Teil seines „Girls, Girls, Girls“-Programms. Auch die TSV-Tanzgruppe Cool Dance 4 You sowie die Gebensbacher Trachtler entzückten mit ihren Darbietungen.
Sehr persönliche Worte und Geschenke sowie feines Essen rundeten diesen Abend ab, initiiert von Cordia Orlob und organisiert von ihrem Mann Bodo Gsedl, dem Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins mit seinem Team.
Anfangs viel Skepsis
Der heute 65-jährige Grafiker und Künstler erinnerte daran, dass er im Jahr 1976 als 17-jähriger Austauschschüler ein Jahr in WC verbrachte. „Die Gastfreundschaft und herzliche Aufnahme in meiner neuen Familie, die Schule und der Ort West Chicago haben mein ganzes Leben geprägt und begleitet.“
Als er 1988 seinem Bruder Uwe zeigte, wo er dieses tolle Jahr verbracht hatte, verliebte sich dieser gleich in eine Einheimische, seine spätere Frau Kristina. Mit der Hochzeit 1992 verließ sein Zwillingsbruder Deutschland und lebt seither in WC. Damit hatte man den ersten und wichtigsten Brückenkopf für die erfolgreiche Städtepartnerschaft, erklärte Bodo Gsedl.
Trachtler in Chicagos Parade
Als dieser 1995 nach Taufkirchen zog, engagierte er sich bei der Initiativgruppe „Pro Taufkirchen“. „Eine kommunale Partnerschaft stand weit oben auf der Wunschliste.“ Sein Vorschlag West Chicago stieß zuerst auf ungläubige Gesichter. Schon bald wurde er in offizieller Mission dorthin geschickt, und seine Idee stieß bei Mary Randle, der damaligen Präsidentin der regionalen Handelskammer, auf Zustimmung.
Das überzeugte auch seine Taufkirchener Mitstreiter. Acht Männer, inklusive des damaligen Bürgermeisters Franz Hofstetter, flogen nach WC und erkundeten das US-Städtchen. Trotz einiger Skeptiker stimmte der Gemeinderat am 18. Februar 1999 der Partnerschaft zu. Und am 7. Oktober wurde mit einer 28-köpfigen US-Delegation die feierliche Proklamation der Partnerschaft im Bürgersaal besiegelt.
Seither erfolgten im wechselseitigen Rhythmus 26 organisierte Gruppenreisen, 14 Mal nach West Chicago, zwölfmal nach Taufkirchen, darunter immer wieder Reisegruppen, die besondere Interessen wie Musik und Kultur einten. Er nannte den Kammerchor, die Rockband Blind Tate oder die Jazz Band aus WC sowie den Männerchor Dorfen, das Swing Orchestra Taufkirchen oder den Trachtenverein Gebensbach. Die Trachtler wurden sogar bei Chicagos Steuben-Parade eingegliedert.
Meine news
Besonders freut sich der Vorsitzende, dass es immer wieder gelang, die Jugend für den Austausch zu begeistern. Der Partnerschaftsverein subventionierte auch bald ihre Tickets. Die Zusammenarbeit zwischen Realschule Taufkirchen und WC Highschool verlief 2016 sehr gut. So hätten mittlerweile 465 gebuchte Passagiere und mehr als 1000 Personen unmittelbar an der Partnerschaft teilgenommen.
Austausch kein Exklusivvergnügen
Es sei kein „Exklusivvergnügen für gut betuchte Bürger“. Der Vorsitzende rechnete die Durchschnittskosten für eine zehntägige Reise inklusive Flug, Verpflegung, Übernachtung und Eintrittskarten auf rund 1200 Euro hoch. Was die Reisenden in diesen 25 Jahren alles erlebt haben, lief mit herrlichen Bildern auf einem großen Bildschirm den ganzen Abend durch.
Auch der Gouverneur von Illinois, J.B. Pritzker, würdige diesen Mai bei der US-Jubiläumsfeier die „völkerverbindende Freundschaft“ vor dem Parlament. Eine Videobotschaft wurde am Taufkirchener Festabend von Dr. James Miller, dem Generalkonsul am US-Konsulat in München, im Bürgersaal eingespielt.
Weil die Gründergeneration in die Jahre gekommen sei, brauche es „Nachschub“, meinte Gsedl, jüngere Menschen, die diese Verbindung am Leben erhalten und ausbauen. Er dankte Altbürgermeister Hofstetter, der sich immer mit ganzem Einsatz für die Partnerschaft engagiert habe.
Auch Bürgermeister Stefan Haberl sei „ein leidenschaftlicher Unterstützer und Förderer“, meinte der 65-jährige Gsedl und übergab ihm eine Erinnerungstafel für das Rathaus, deren Gegenstück schon in West Chicago hängt.
Für alle ehemaligen Vorstandsmitglieder hatte Gsedl eine Dankesurkunde in Pokalform dabei. Des Weiteren bekamen die Gäste Kühlschrank-Magnete und Käppis mit dem Vereinslogo zur Erinnerung.
Bürger-Diplomatie für Völkerverständigung
Bodo Gsedls Bruder Uwe überbrachte als Vorstandsvorsitzender von West Chicago Sister Cities die Grüße von Bürgermeister Ruben Pineta und der US-Mitglieder des Clubs. Danach sprach er über vier verschiedenen Kulturen, mit denen er daheim konfrontiert sei: der deutschen, der amerikanischen, der chinesischen, wo seine drei Adoptivkinder herstammen würden, und der südamerikanischen, denn die Hälfte der Bürger von WC seien Latinos.
„Ich hoffe, dass unsere Städtepartnerschaft, diese Bürger-Diplomatie, ein wenig zum Verständnis beider Länder beiträgt. „I am a dreamer, but I am not the only one“, beendete er seine Ansprache.