Seit 2015 ist die Zahl der Schweine und Rinder im Landkreis Erding zurückgegangen. Auf den Feldern dominiert der Mais.
Bockhorn – Landwirtschaft spielt im Landkreis Erding mit einer genutzten Fläche von über 58 000 Hektar eine zentrale Rolle. Fast 2000 landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis hätten in diesem Jahr einen Mehrfachantrag gestellt. Darunter würden 131 auf fast 4000 Hektar Fläche ökologischen Landbau betreiben, berichtet Behördenleiter Reinhard Menzel bei einem Pressetermin des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg/Erding (AELF) auf dem Betrieb von Stefan Hörmann in Loh (Gemeinde Bockhorn). Ein Trend: Die Zahlen bei der Rinder- und Schweinhaltung gehen zurück, während es immer mehr Geflügel im Landkreis gibt.
Verdoppelung beim Geflügel
Die Entwicklung bei landwirtschaftlichen Nutztieren seit 2015 schilderte Andreas Geigenberger vom AELF. Die Zahl der Rinder sei in dieser Zeit von 93 000 auf 84 000 gesunken, die der Schweine von 66 000 auf 40 000. Beim Geflügel gab es dafür mehr als eine Verdoppelung. Von rund 104 000 Tieren, vorwiegend Legehennen, wuchsen die Bestände insgesamt auf rund 212 000.
Die Gründe für weniger Rinder und Schweine glaubt Landwirt Franz Bauschmid aus der Nähe von Walpertskirchen zu kennen: „Zum einen gibt’s auf vielen Höfen einen strukturellen und generationsbedingten Wechsel. Auf der anderen Seite herrscht bei vielen Landwirten Unsicherheit darüber, was wohl die Zukunft bringt.“ Es bedürfe reiflicher Überlegung und vor allem viel Geld, um etwa einen Rinderstall mit Anbindehaltung für mehr Tierwohl auf einen Laufstall umzubauen. „Da gibt so mancher auf“, erklärte Bauschmid.
„Auf unseren landwirtschaftlich genutzten Flächen gedeihen unterschiedliche Kulturen“, erklärte Geigenberger. Rund 45 000 Hektar und damit 80 Prozent davon sei Ackerland. Dauergrünland gebe es auf fast 13 000 Hektar. Unter den angebauten Dauerkulturen seien Pflanzen wie Sylvie (winterharte Energiesorte), Miscanthus (winterharter China-Schilf) und auch Erdbeeren.
Fruchtfolge mit Hülsenfrüchten
Das Bild der Felder präge vor allem der Maisanbau, gefolgt von Weizen und Gerste (Zahlen s. unten). „Selbst die Kartoffel“, so der Experte, „kommt bei uns noch auf rund 1500 Hektar Anbaufläche“. Mittlerweile würden aber auch Sojabohnen als Teil der Fruchtfolge und für gentechnikfreie Futtermittel an Bedeutung gewinnen: Diese werden auf etwa 700 Hektar angebaut, vorwiegend im Westen des Landkreises.
Soja gilt als wertvoller Öl- und Eiweißlieferant, leistet seinen Beitrag zur Agro-Biodiversität, also zu mehr Vielfalt auf heimischen Feldern. „Zudem“, ergänzte der AELF-Leiter, „kann beim Anbau von Sojabohnen auf Stickstoff-Düngung verzichtet werden“.
Knapp die Hälfte der Bio-Landwirte engagiere sich auch in mehrjährigen Agrar-Umwelt- und Klima-Maßnahmen. „Vielfältige Fruchtfolge etwa mit großkörnigen Leguminosen (Hülsenfrüchten) ist ein Beispiel dafür“, erläuterte Geigenberger, „ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit“. Das bedeutet, dass auf der jeweiligen Ackerfläche eines Betriebes mindestens fünf verschiedene Kulturen angebaut werden, gefördert von EU, Bund sowie Freistaat.
Meine news
Auch Stefan Hörmann aus Loh gehört mit seinem Hof dazu, ist damit einer von 19 Betrieben im Landkreis, die diese Förderung schon nutzen. „Zwar bin ich gelernter Schreiner, doch ich habe mich 2004 aus familiären Gründen zum Berufswechsel entschlossen.“ Dafür habe er bis 2008 nochmals die Schulbank gedrückt und war zudem von 2009 bis 2012 Wasserberater beim Landratsamt. Mittlerweile baut er in seinem Betrieb Weizen, Wintergerste, Hafer, Mais und Zuckerrüben an, auch zu zehn Prozent Leguminosen.
Auch einige Testfeld-Streifen mit Zwischenfruchtarten hat er und teilt diese Erfahrungen mit Schülern und anderen Landwirten. Zudem untersucht Hörmann aufgrund von verschiedenen Pflanzensorten, wie Wasser im Boden gehalten werden kann.
Ganz generell hätten sich neue Fördermöglichkeiten im Rahmen der europäischen Agrarpolitik ergeben, berichtete Geigenberger. Denn mittlerweile bieten neue Öko-Regelungen den Bauern zusätzliche Förderungen, etwa für einjährige Umweltmaßnahmen. Auf rund 650 Hektar seien heuer Ackerbrachen und auf etwa 930 Hektar ökologische Ausgleichsareale angelegt worden. „Dort werden ganz bewusst keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt“, so Geigenberger.