Neues Berger Rathaus: Mehr Platz und einige Besonderheiten

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Berg

KommentareDrucken

Besuch auf der Baustelle: Bergs Bürgermeister Rupert Steigenberger (r.) führte Besucher aus Phalsbourg, einige Berger und Mitarbeiter durch das neue Rathaus. © Andrea Jaksch

Die Adresse des neuen Berger Rathauses lautet Am Huberfeld 10. Das ist eines der Details, die bei der jüngsten Besichtigung der Baustelle zu erfahren waren. Auch Rathausmitarbeiter nutzten die Gelegenheit, sich ihren künftigen Arbeitsplatz anzuschauen.

Das neue Berger Rathaus nimmt Gestalt an. Aktuell werden im Sitzungssaal die Leitungen für die Fußbodenheizung verlegt. Das war ein Grund, weshalb bei der jüngsten Baustellenbesichtigung das Herzstück des Gebäudes, der 164 Quadratmeter große Multifunktionsbereich aus Sitzungssaal und Trauzimmer, nicht auf dem Programm stand. Die Tourteilnehmer, Besucher aus der Berger Partnerstadt Phalsbourg, interessierte Berger und Mitarbeiter der Rathausverwaltung, waren angetan von dem, was sie zu sehen bekamen.

Baustellen sind immer risikobehaftet. Und beim neuen Berger Rathaus ist man noch mitten in den Arbeiten. Deshalb spricht Bürgermeister Rupert Steigenberger nur mit verhaltener Freude über die Kostenentwicklung. Aktuell liegen sie bei 18 Millionen Euro, doch gibt es 1,5 Millionen Euro Förderung für die beiden Wohnungen, die auch im Rathaus entstehen. So bewegt sich der Preis fürs neue Rathaus aktuell um 500 000 Euro über dem Limit von 16 Millionen Euro, das sich der Gemeinderat gesetzt hat.

Steigenberger begrüßte seine Gäste vor dem „inoffiziellen Haupteingang gegenüber von den Besucherparkplätzen“, wie er sagte. Der eigentliche Haupteingang liegt an der Perchastraße, am Kreisverkehr, obwohl die Adresse Am Huberfeld 10 lautet. „Huberfeld hat uns gefallen“, erklärte Steigenberger. „Herr Huber war einer unserer früheren Bürgermeister.“

Um die Kosten zu dämmern, hat die Gemeinde auf einiges verzichtet. Was sich bisher nicht nachteilig ausgewirkt habe, wie Steigenberger berichtet. So habe man die Tiefgarage kleiner geplant, sie sei nur für Mieter und Mitarbeiter gedacht. Ihre erste große Bewährungsprobe hat sie bestanden. Um Kosten zu senken, hat das Gebäude keine wasserdichte Wanne bekommen. Das habe eine Million Euro gespart. „Sie ist nach unten offen, damit das Wasser versickern kann“, erklärt Steigenberger. „Das war ein Risiko.“ Das jüngste Hochwasser habe die Garage jedoch unbeschadet überstanden – obwohl auch noch alle Dachrinnen aktuell über die Garage entwässern. „Trotzdem hatten wir nur 40 Zentimeter Wasser im Pumpensumpf“, freute sich der Bürgermeister. „Da wären nochmal 40 Zentimeter Platz gewesen.“

In der Tiefgarage wird jeder Stellplatz eine Steckdose haben, zudem sind zwei Schnellladestationen geplant. Der Strom kommt vom Dach: Alle Dächer bis auf das auf der Nordwest-Seite werden mit Fotovoltaik-Anlagen ausgestattet. Ein Batteriespeicher in der Tiefgarage sorge dafür, dass der Strom zwischengespeichert werden könne, sagte Steigenberger.

Auch die Heizung beziehungsweise Kühlung des Gebäudes wird mit dem Strom vom Dach gespeist. „Wir werden eine Wärmepumpe mit Erdwärme betreiben“, erklärte der Rathauschef. Geplant seien rund 20 Tiefenbohrungen bis in 25 Meter Tiefe. „Im Sommer pumpen wir die Wärme wieder nach unten. Damit können wir die Temperatur in den Büros um drei Grad senken.“

Im Erdgeschoss sind die Ämter untergebracht, die viel Publikumsverkehr haben: das Einwohnermeldeamt, das Bauamt, das Standes- und das Gewerbeamt, das Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung. Und ein Novum in der Geschichte der Berger Verwaltung: zwei Besprechungsräume und ein Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter.

Baustelle Rathaus Berg, Juni 2024
Vorsicht, Bodenheizung: Im Multifunktionsraum, später auch Sitzungssaal, werden Leitungen verlegt. © Sandra Sedlmaier

Im ersten Stock sind der Bürgermeister, das Hauptamt und die Finanzverwaltung untergebracht. Steigenberger zeigte ein großzügiges Büro, bestimmt 25 Quadratmeter groß, das im Frühjahr 2025 von zwei Mitarbeitern bezogen wird. „Es ist aber auch möglich, drei oder vier Mitarbeiter hier unterzubringen“, sagt er und nennt Details der Ausstattung. Etwa die höhenverstellbaren Schreibtische. Oder die tiefen Fensterbänke, die ein Öffnen der Fenster auch ermöglichen, wenn viele Akten davor liegen. „Die Leute wollten, dass sie ein Fenster aufmachen können“, sagt Steigenberger. „Nur die Funktionsräume haben eine Lüftung.“

Doris Neumann, die in der Kämmerei arbeitet, freut sich auf mehr Platz. „Wir sind im Moment zu dritt in einem Zweierbüro. Das ist ganz schön eng.“ Kämmerer Florian Bendele sitzt gerade sprichwörtlich in einer Besenkammer: Bevor sein aktuelles Büro im alten Rathaus zum Büro wurde, war es ein Abstellraum.

Christian Kalinke von der Bürgerbeteiligung Berg wunderte sich über so viel Platz. „Wenn die Digitalisierung und die Entbürokratisierung so kommen, wie es die Politik verspricht, könnten wir dann noch mal zehn Wohnungen hier reinbauen?“ Steigenberger schränkte ein: „Wir haben viel Publikumsverkehr. Die Leute können nicht alle zu mir ins Homeoffice kommen.“ Mit wachsender Bevölkerung gebe es wachsende Anforderungen an eine Verwaltung.

Im Obergeschoss liegt auch der Sitzungssaal, der mit einer mobilen Wand zum Trauzimmer auf insgesamt 164 Quadratmeter vergrößert werden kann. „Wir können bis zu 200 Personen zulassen, weil wir einen weiteren Fluchtweg haben“, erklärte der Bürgermeister. Ansonsten habe es keine weiteren Auflagen für den Brandschutz gegeben, weil eine Brandmeldeanlage installiert werde. „Ich hoffe, dass es keine Fehlalarme gibt“, sagte Steigenberger, der selbst Feuerwehrmann ist.

Im ersten Stock Richtung Rathaussaal ist ein architektonisches Gimmick zu finden, das schön, aber teuer ist: ein Oberlicht, das dem Raum viel Licht und Atmosphäre verleiht. „Das allein hat 100 000 Euro gekostet“, sagte Steigenberger. Alle Fenster sind aus Vogelschutzglas. „Mit Streifen darin, die die Reflexion unterbrechen, damit die Vögel nicht dagegen fliegen.“

Die Rathausmitarbeiter freuen sich jedenfalls auf ihre neuen Arbeitsplätze. Wie Beate Miller, die in der Steuerstelle arbeitet. „Ich finde das Haus total gut durchgeplant“, sagte sie.

Auch interessant

Kommentare

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/starnberg/berg-ort65526/neues-berger-rathaus-mehr-platz-und-einige-besonderheiten-93144382.html