„Das glaubt kein Mensch“: Lösung für Mückenplage in Berg gesucht

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Mücken-Brutstätte: ein überschwemmtes Waldstück bei Höhenrain. © privat

Das Problem ist altbekannt, aber gerade besonders akut: die Mückenplage in Berg wegen des aufgestauten Lüßbach-Wehrs. Lösungsvorschläge gibt es viele, umsetzen lässt sich davon laut Bürgermeister aber kaum etwas.

Berg – „Das glaubt kein Mensch, der es nicht selbst erlebt hat“, sagt Janine Scherzinger. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihrem Sohn (5) in einer kleinen Siedlung am Rande von Höhenrain und damit im Epizentrum der Berger Mückenplage. Etwa 400 Meter weiter befindet sich, umgeben von Wald, das Lüßbach-Stauwehr. Was sich dort ereignet hat, ist verantwortlich dafür, dass schon am Freitagnachmittag rund 650 Menschen eine digitale Petition unterschrieben hatten, die erst am späten Donnerstagabend online gegangen war.

Gestartet hatte sie Claudia Pizzato aus Sibichhausen. Sie schickte dem Merkur ein Video mit grauen „Mücken-Wolken“ auf ihrem Grundstück und sagte: „Wenn ich die Tür kurz aufmache, habe ich 30 Mücken im Haus. Dann renne ich zum Auto und nehme 20 weitere mit. Das normale Leben kann nicht mehr stattfinden.“ In den Kommentaren der Petition erzählt eine Frau, ihre Tochter sei mit 30 Stichen von der Schule aus Biberkor nach Hause gekommen. Eine andere: „Es ist viel schlimmer als in den letzten Jahren.“ Die Mücken sind dieser Tage nicht nur Grund zur Sorge in Berg, sondern in vielen Teilen des Landkreises.

Das normale Leben kann nicht mehr stattfinden.

Am zum Hochwasserschutz aufgestauten Lüßbach-Stauwehr ist Wasser über die Ufer getreten – und dort mangels Abflussmöglichkeit weitläufig stehen geblieben. Eine paradiesische Brutstätte für Überschwemmungsmücken. Janine Scherzinger weiß aus Erfahrung: „Das ist erst die erste Brut.“ Sie befürchtet wie andere, dass die Plage wochenlang anhält. Auch deshalb wünschen sie und Claudia Pizzato sich eine große Lösung statt einer Klein-Klein-Bekämpfung. Die Petitenten fordern von Gemeinderat und -verwaltung, „unverzüglich Experten zum Thema zurate zu ziehen, mögliche Optionen schnellstens zu prüfen und zu entscheiden und Lösungen schnellstmöglich zu realisieren und in die Tat umzusetzen“.

An Lösungsvorschlägen mangelt es nicht: Die Geplagten nennen die biologische Schädlingsbekämpfung mittels des Stoffes Bti, großflächiges Aufstellen von Co2-Fallen, eine Entwässerung am Wehr oder das Abpumpen des Überschwemmungsgebiets durch die Feuerwehr. Das Problem sei ja nicht neu, betont Pizzato. Und es müsse nach all den Jahren endlich mal eine Lösung her. Sie und Scherzinger haben das Gefühl, nicht wirklich ernst genommen zu werden.

Bürgermeister Rupert Steigenberger wehrt sich gegen den Vorwurf, die Gemeinde unternehme nichts: So habe er zum Beispiel am Freitag mit Dr. Lorenz Schröfl, dem Leiter des Gesundheitsamts telefoniert. Dessen Auskunft laut Steigenberger: Eine „Gefahrenlage für die Allgemeinheit“ sei nicht feststellbar, dafür müssten etwa meldepflichtige Krankheiten wie das Dengue-Fieber vorliegen oder Menschen nach Mückenstichen im Krankenhaus behandelt werden. Die Aussage „Es muss immer erst was passieren“ stimme in diesem Fall leider, räumt Steigenberger ein. Und er betont: „Ich kann jeden verstehen, der die Situation absolut unerträglich findet.“

Bürgermeister: Gefahrenlage für Allgemeinheit nicht feststellbar

Die „Gefahrenlage“ wäre die rechtliche Grundlage, auch um großflächig Bti zu verspritzen. „Sonst müssen wir jeden Grundstückseigentümer fragen“, sagt der Bürgermeister. Davon abgesehen, sei das Mittel derzeit kaum in großen Mengen zu kriegen. Das Moor umzugraben, damit das Wasser besser abfließt, lehnten die Bayerischen Staatsforsten schon vor Jahren ab, erklärt Steigenberger. Bei den Flächen handele es sich teils um Biotope. Die einzige Möglichkeit sieht er darin, das Lüßbach-Wehr nicht zu schließen – auf die Gefahr hin, dass Mörlbachern die Keller volllaufen.

Die Petitenten wünschen sich – auch mit Blick auf weitere Hochwasser im Zuge des Klimawandels – die neutrale Einschätzung der Situation durch einen Sachverständigen. Bürgermeister Steigenberger sieht wenig Sinn darin, einen Gutachter zu bezahlen, dessen Lösungsvorschläge sich hinterher nicht realisieren ließen. Pizzato dagegen ist überzeugt: Es gebe immer eine Lösung, wenn man nur wolle.

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/starnberg/berg-ort65526/das-glaubt-kein-mensch-loesung-fuer-mueckenplage-in-berg-gesucht-93144336.html