Nach dem Tod eines 58 Jahre alten Tauchers im Jais-Weiher in Gilching sind sowohl die Ursache als auch die genauen Umstände noch unklar. Eine Obduktion des Leichnams ist angeordnet.
Gilching - Das schreckliche Unglück am Mittwoch im Jais-Weiher in Gilching hat auch gestern noch viele Menschen bewegt. Wie berichtet, war dabei ein 58 Jahre alter Taucher aus Germering ums Leben gekommen. Ein Großaufgebot an Rettungskräften suchte nach einem weiteren Taucher, den es aber offenbar nicht gab. Der Starnberger Merkur beantwortet wichtige Fragen zu dem Fall.
Wie war die Situation am Mittwochnachmittag? Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord entdeckte ein 19 Jahre alter Mann gegen 13.40 Uhr eine still treibende gelbe Rettungsboje in dem Baggersee im Norden von Gilching, in anderen Berichten ist von 13.20 Uhr die Rede. Nachdem sich die Boje über einige Zeit nicht bewegt habe, habe sich der 19-Jährige ein SUP-Board genommen und sei zu der Stelle gefahren, berichtet der Pressesprecher der Kreiswasserwacht Starnberg, Oliver Jauch. Diese befand sich etwa 20 bis 30 Meter vom Ufer entfernt. „Dort sah er unter der Wasseroberfläche einen Taucher, der dort regungslos im Wasser lag“, so Jauch. „Der Mann alarmierte umgehend über Notruf Polizei und Rettungskräfte“, so das Polizeipräsidium.
Als erste Einsatzkräfte erreichten Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Gilching den Jais-Weiher. Vizekommandant Michael Klinglmair, der auch Einsatzleiter der Feuerwehr war, berichtet: „Am Ufer angekommen, konnte sofort ein Rettungsschwimmer unserer Feuerwehr ins Wasser springen und zu dem verunglückten Taucher schwimmen. Dort angekommen, zogen wir den Taucher mit vereinten Kräften aus dem Wasser. An Land begannen unsere notfallmedizinisch ausgebildeten Kräfte sofort mit der Reanimation des Tauchers. Mit Eintreffen des Rettungsdienstes konnte der Patient schrittweise an diesen übergeben werden.“ Letzten Endes kam für den 58-Jährigen aber jede Hilfe zu spät. Der Mann starb noch an der Unfallstelle.
Wer war noch an dem Einsatz beteiligt? Neben rund 15 Gilchinger Feuerwehrleuten, Notarzt, Rettungsdienst und Polizei beteiligten sich auch etwa 25 Wasserretter der Wasserwacht-Schnelleinsatzgruppen aus Seefeld, Dachau, Gemering und Fürstenfeldbruck sowie die Besatzung eines Rettungshubschraubers an dem Einsatz. „Ein Taucher ist selten allein unterwegs“, sagt Christoph Aumiller, Vorsitzender der Wasserwacht Wörthsee, der den Einsatz der Wasserretter leitete. Deswegen suchten die Kräfte das Gewässer nach einer weiteren hilflosen Person ab. „Wir hatten sechs Taucher im Wasser“, berichtet Aumiller. „Dazu hat der Rettungshubschrauber eine Überflug-Suche durchgeführt.“
Gegen 14.20 Uhr brachen die Retter die Suche ab. Zum einen gab es keinen Hinweis auf eine weitere Person, zum anderen meldete sich ein Zeuge, der den 58-Jährigen vorher alleine gesehen hatte, wie er an dessen Fahrzeug seine Taucherausrüstung zusammenbaute.
Was ist über den Hergang bekannt? Der 58-Jährige trug zum Zeitpunkt seines Auffindens einen Neoprenanzug, dazu Schwimmflossen und eine Tauchermaske. Ausgerüstet war er nach Aussagen von Zeugen mit einem sogenannten Kreislauftauchgerät. Dabei wird das Atemgas nach dem Ausatmen nicht in die Umgebung abgegeben, sondern mit einer Patrone vom Kohlendioxid befreit und dann erneut eingeatmet. „Damit lassen sich längere Tauchzeiten erzielen“, erklärt Michael Klinglmair. Christoph Aumiller sagt: „Ich bin jetzt 40 Jahre bei der Wasserwacht, habe aber noch nie gesehen, dass jemand damit taucht.“ Einzige Ausnahme seien Kampftaucher der Bundeswehr.
Das Bemerkenswerte an dem Fall ist, dass der 58-Jährige das Tauchgerät offenbar selbst gebaut hatte. Zeugen berichten, dass auch in Baumärkten erhältliche KG-Rohre verwendet worden seien. Die Kripo will das bislang nicht bestätigten, stellte die Tauchausrüstung aber noch am Mittwoch vorsorglich sicher.
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Was genau unter Wasser passiert ist, war am Donnerstag noch Gegenstand der Ermittlungen. Offenbar muss es zu Problemen gekommen sein, da der 58-Jährige die Rettungsboje betätigte, die ihn an die Wasseroberfläche trieb. Unklar ist auch noch die genaue Todesursache. Eine Obduktion des Leichnams in der Rechtsmedizin in München ist angeordnet. „Bislang konnten keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung festgestellt werden“, erklärt die Polizei.
Ist Tauchen im Jais-Weiher überhaupt erlaubt? „Das Tauchen mit Atemgerät fällt nicht unter den Begriff des Gemeingebrauchs nach Art. 18 Bayerisches Wassergesetz, welcher gestattungsfrei ist, wie beispielsweise das Baden in oberirdischen Gewässern“, erklärt der Sprecher des Landratsamtes, Stefan Diebl. „Das heißt, für das Tauchen mit Atemgerät ist grundsätzlich immer vorab eine Gestattung einzuholen. Alternativ können die Landratsämter bestimmen, wo Tauchen mit Atemgerät als Gemeingebrauch zulässig ist, wie bei uns geschehen mit der Allgemeinverfügung Tauchen im Starnberger See.“ Für einen Tauchgang wäre folglich eine wasserrechtliche Gestattung erforderlich gewesen. „Eine solche Erlaubnis wurde im vorliegenden Fall von uns nicht erteilt“, so Diebl. Es sei davon auszugehen, dass der Tauchgang ohne die erforderliche Erlaubnis erfolgt sei.
Wie oft Taucher in den etwa 230 mal 150 Meter großen und gut 15, 16 Meter tiefen Jais-Weiher gehen, ist nicht bekannt. Während Gilchings Bürgermeister Manfred Walter davon nichts bekannt ist, kann sich Michael Klinglmair daran erinnern, vor gut 20 Jahren dort selbst einmal getaucht zu haben.