Egal, ob Hund, Katze oder Kaninchen: Die beiden Tierheime im Landkreis bieten eine Vielzahl von Tieren über kurz oder lang ein Zuhause. Noch sind die Kapazitäten nicht erschöpft. Doch nicht alle Tiere lassen sich vermitteln.
Bad Tölz-Wolfratshausen - „Wir sind gut ausgelastet, aber noch nicht überfüllt“, berichtet Manuela Ravara, Leiterin Josefa-Burger-Tierheims in Gelting. Rund 60 Tiere, darunter überwiegend Katzen sowie zehn Hunde, sind dort aktuell untergebracht. Aber auch Gänse und Ziegen, die vor dem Schlachter bewahrt wurden, haben in Gelting ein neues zu Hause gefunden.
Es gibt immer mehr Fälle von „Animal Hoarding“
Bei vielen Tieren handelt es sich entweder oder um Fundtiere oder um Opfern von sogenannten Animal-Hoarding, so Ravara. Die Besitzer halten so viele Haustiere auf engem Raum, dass sie sich nicht mehr ausreichend um sie kümmern können. Die Folge: Die Tiere verwahrlosen, werden krank, sind unterernährt. Oftmals sind es Nachbarn, die in solchen Fällen den Tierschutz alarmieren. Neuankömmlinge werden im Tierheim zunächst medizinisch untersucht und gegebenenfalls geimpft und kastriert. Zudem verbringen sie ein paar Tage in Quarantäne, danach können sie zur Neuvermittlung freigegeben werden.
„Wenn die Tiere sehr zugänglich sind, finden sie in drei bis vier Wochen einen neuen Besitzer“, so Ravara. Schwieriger sei es bei scheuen Zeitgenossen. Insgesamt 30 Katzen – hauptsächlich von Bauernhöfen und aus Beschlagnahmungen – leben dauerhaft im Tierheim, da sie Menschen kaum an sich heranlassen. Eine schwierige Situation für das Tierheim, da der Platz begrenzt ist. „Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr geht“, sagt die Leiterin.
Tierheim in Tölz nicht überbelegt
Etwas entspannter ist die Lage im Tierheim Maria Much in Bad Tölz, welches vom dortigen Tierschutzverein betrieben wird. Dort hausen aktuell neben zehn Katzen und acht Hunde, ein paar Vögel und zwei Igel. „Momentan sind wir nicht überbelegt“, sagt Vereinsvorsitzender Hans Fichtner. Aus diesem Grund sind neben den regulären Heimtieren auch Pensionshunde untergebracht, die so lang versorgt werden, bis der Besitzer wieder aus dem Urlaub oder dem Krankenhaus zurückkehrt. Das sorge für ein paar zusätzliche Einnahmen, so Fichtner.
Denn die Kosten für die Versorgung der Tierheimbewohner sind nicht zu unterschätzen. „Das Futter ist da noch das Wenigste.“ Deutlich spürbarer schlugen die Tierarztkosten zu Buche, insbesondere seit der neuen Gebührenordnung für Tierärzte vergangenes Jahr. „Die Kosten für Entwurmung, Kastration und Impfung sind um bis zu dreißig Prozent gestiegen“, berichtet der Vereinsvorsitzende. Hinzu kommen Nebenkosten für Strom und Wasser sowie Versicherungsbeiträge für die Hunde.
Manchmal können Rentner Futterkosten nicht mehr bezahlen
Die Gründe, warum Hunde, Katzen und Co. im Tierheim landen, seien vielfältig. Von Rentnern, die ihre Tierarztkosten nicht mehr bezahlen können über Umzüge in neue Wohnungen, wo keine Haustiere mehr erlaubt sind bis zu Fällen von Animal-Hoarding. „Sechs Hunde in Zweizimmerwohnung sind keine artgerechte Haltung“, stellt Fichtner klar. „Es ist schlimm, wie mit den Tieren teilweise umgegangen wird.“
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Aus diesem Grund möchte der Vereinsvorsitzende bei Neuvermittlungen sicherstellen, dass das Tier in gute Hände kommt und artgerecht gehalten wird. Das kommt nicht immer gut an. „Viele haben kein Verständnis dafür, dass ich da so nachhake“, sagt Fichtner. Unter anderem erkundigt er sich, ob bei dem potenziellen Besitzer genügen Platz vorhanden ist und ob die Person genügend Zeit und finanzielle Mittel hat. „Es ist auch schon vorgekommen, dass ich Interessenten abgewiesen habe.“
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Einige der Tiere müssen aber gar nicht vermittelt werden. „Wir haben immer wieder entlaufene Hunde, die in der Regel zwei Tage später von ihrem Besitzer wieder abgeholt werden“, erklärt Fichtner. Im Moment sind es jedoch vor allem streunende Katzen, die im Tölzer Tierheim abgegeben werden. Erst kürzlich hatten Spaziergänger ein entkräftetes Kätzchen am Wegrand gefunden. „Wir hatten erst fast keine Hoffnung mehr, dass es überlebt“, erzählt Fichtner. Durch intensive Pflege und viel Milch konnte es zum Glück wieder aufgepäppelt werden.