„Nicht jeder Leerstand ist gleich eine Katastrophe“: Tölzer Stadträte diskutieren über Situation in Marktstraße

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Sind gebührenfreie Parkplätze ein probates Mittel, um die Innenstadt zu stärken und Leerstände zu vermeiden? Nicht alle Stadträte sind sich da mit der Verwaltung einig. Im Bild der Schloßplatz-Parkplatz © cs

Die Entwicklung der Tölzer Innenstadt war das dominierende Thema der jüngsten Ausschuss-Sitzung des Stadtrats. Den Vorschlag, eine halbe Stunde kostenloses Parken zu erlauben, lehnte der Bürgermeister strikt ab.

Bad Tölz – Das Thema Leerstand von Einzelhandelsflächen und das veränderte Verbraucherverhalten war in der jüngsten Sitzung des Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsausschusses das beherrschende Thema. „Das betrifft aber derzeit bundesweit jede Stadt mit Handel und keine von ihnen hat schnelle Lösungen“, berichtete Wirtschaftsförderin Sandra Herrmann von Erfahrungen ihrer Kollegen. Man müsse akzeptieren, dass es Immobilien gibt, die leer stehen. „Da können wir als Stadt nichts ändern.“

Innenstadt: Rathaus sieht sich in Vermittlerrolle

Als Wirtschaftsförderung sehe man sich in einer Vermittlerrolle und pflege den Kontakt zu den Hausbesitzern und Händlern gleichermaßen. Manchmal erfahre man Geschäftsaufgaben schneller vom Hauseigentümer, als vom Händler. Man müsse aber aufpassen, dass man nicht den Geschäftsbereich der Makler tangiere. Nicht jeder Leerstand sei gleich eine Katastrophe, sondern berge oft auch eine Chance, um neue Wege zu gehen.

Darauf bezog sich Michael Lindmair (FWG), als er zum „Querdenken“ animierte. Warum nicht Lesungen oder Konzerten in leerstehenden Geschäftsräumen? So würden die Flächen erstens bekannt und zweitens werde die Attraktivität der Innenstadt gestärkt. Lindmair regte fürs erste Quartal 2025 einen Runden Tisch mit Händlern, Hausbesitzern, Vereinen und Gewerbetreibenden an, um die Probleme gemeinsam zu besprechen. Etwa über das Thema Kurzzeitparkplätze. In dieses Horn stieß auch Gabriele Frei (CSU). Sie werde oft darauf angesprochen. Die Kurzzeitstellplätze in der oberen Marktstraße seien ein Witz. Sie forderte mehr zeitliche Toleranz bei der Gebührenfreiheit.

Bürgermeister gegen kostenloses Parken in Tölz

Bürgermeister Ingo Mehner war strikt dagegen. „Das ist immer derselbe  Reflex.“ Die Zahlen belegten, dass die Tölzer Parkplätze trotz Gebühren mehrfach am Tag voll seien. „Es geht nicht mehr als voll“, sprach er sich gegen einen Gebührenwegfall aus. Wenn man, wie Christine Brandl (CSU) fragte, an den Innenstadt-Freitagen kostenlose Parkplätze anbiete, würde dies, so Mehner, nur zu langen Schlangen und verärgerten Tölz-Besuchern führen. Außerdem entgingen der Stadt Einnahmen. Bei 30 Minuten Kostenfreiheit, so ließ Mehner eigens nachschauen, sei es ein Minus von 540 000 Euro, bei einer Stunde rund 870 000 Euro.  

Andrea Niedermaier (FWG) sprach sich dafür aus, die Aufenthaltsqualität der Innenstadt mit Sitzgelegenheiten und Blumenschmuck zu steigern. Das sei nicht so einfach, erwiderte Mehner. Viele Hausbesitzer in der Marktstraße wollten keine Bänke vor ihrem Anwesen. Und der auch von ihm gewünschte Blumenschmuck werde leider immer wieder Opfer von Vandalismus.

CSU-Stadtrat hält Debatte um Innenstadt für übertrieben

Ulrike Bomhard (FWG) brannte ein anderes Thema unter den Nägeln. Man müsse die Wertkarte „Der Tölzer“ mehr bei den jungen Leuten bekannt machen. Die Eiscafés in Tölz würden alle nicht mitmachen und auch Gaststätten würden abspringen. Sandra Herrmann musste ihr Recht geben. Leider sei vielen Geschäften die 50 Cent Verwaltungsgebühr zu viel, die die Stadt bei einer 10-Euro-Wertkarte verlange. Gleichwohl bezeichnete sie die 10- und 20-Euro-Wertkarten, die bald im neuen Kacheldesign der Stadtmarke erhältlich sind, als „wichtiges Instrumentarium der Kaufkrafterhaltung in der Innenstadt“. Eine Online-Version, die angedacht war, werde es aus Kostengründen nicht geben.

Julia Dostthaler (CSU) wollte wissen, ob man von den Händlern etwa von den Innenstadt-Freitagen konkreten Kundendaten bekommen könne. Dass Umsatzzahlen offengelegt werden, schloss Sandra Herrmann indes aus.

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Anton Mayer (CSU) hielt die ganze Diskussion für etwas übertrieben. „Die Marktstraße ist doch an schönen Tagen voll.“ Mehner pflichtete ihm da bei. „Viele Innenstädte wären froh, wenn sie unsere Probleme hätten.“ Mehner erinnerte auch daran, dass die Entwicklung des Postquartiers ein wichtiger Meilenstein bei der Innenstadtentwicklung von Tölz werde. (Christoph Schnitzer)

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