Felssturzgefahr zu groß: Spektakulärer Gardaseeradweg wird zum Millionengrab und endet im Nichts

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Potenzielle Lebensgefahr: „Spektakuläres“ Gardasee-Projekt wird zum Millionengrab und endet im Nichts

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Der erste Abschnitt des spektakulären Gardasee-Radwegs wurde bei Limone 2018 eröffnet. Der Weiterbau nach Süden wurde jetzt gestoppt. © Copyright: xSimonDannhauerx via

Der Gardaseeradweg wird zum Stückwerk. Die Region Lombardei will ihn nicht auf ihrem Territorium weiterbauen. Es droht ein Domino-Effekt in den Nachbarprovinzen.

Limone/Gardone Riviera - Der Gardasee-Radweg ist ein ehrgeiziges Projekt, von dem sich die norditalienischen Nachbarregionen Lombardei, Venetien und Trentino-Südtirol neue Impulse für zahlreiche Italien-Urlauber erhofften. Der 166 km lange Radweg „Garda by Bike“ oder „Ciclovia del Garda“ rund um den See sollte zu einer durchgehenden Radroute werden. Geschätzte Gesamtkosten: 344,5 Mio. Euro.

Im Juli 2018 wurde das erste Teilstück des Gardasee-Radwegs in Limone eröffnet. Es ist 2,2 Kilometer lang und führt vom Ende der Nebenstraße Via Reamol am nördlichen Ortsrand bis zur Grenze der Lombardei zur Provinz Trient. Es wurde als „spektakulärster Radweg“ Europas schnell bekannt. 

Ein Felssturz hat sich bei Riva am Gardasee ereignet.
Felsstürze wie dieser entfachten eine Debatte über die Sicherheit des Gardasee-Radwegs. © Comune di Toscolano Maderno

Eine ganze Reihe heftiger Felsstürze hat aber seitdem eine Diskussion über die Sicherheit des direkt an die senkrecht abstürzenden Felswände montierten Hängestege für Radfahrer und Fußgänger in Gang gebracht. Und die Kosten für den Weiterbau explodierten. Waren 2017 noch 67 Millionen Euro für das gesamte Projekt veranschlagt, wurde im Juli 2024 geschätzt, dass die Kosten bereits die Milliardengrenze überschreiten, erklärte der Koordinationsrat zum Schutz des Gardasees. Es wurde sogar gegen den Weiterbau des Projekts demonstriert. Gegner sprachen auch von einer „irreparablen Umweltzerstörung.“

Spektakulärer Radweg in Italien wird zum Millionengrab und endet derzeit im Nichts

Die Provinz Trient scheute die Kosten aber nicht und baut ihren fünf Kilometer langen Abschnitt unbeirrt weiter. Ende 2026 soll die Ciclopista zwischen Riva und Limone vollständig sein. Dieser Abschnitt wird alleine 46,9 Millionen Euro kosten, das Geld kommt von den Kommunen und der Provinz. Die neuen Tunnel des Abschnitts wurden laut Provinz so gebaut, dass sie „den Aufprall großer Felsbrocken abfedern“ können. „Außerdem wurde in der Route ein Abschnitt so gebaut, um die Durchfahrt eines Einsatzfahrzeugs zu ermöglichen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Provinz. Die baut den Radweg auch bis Torbole am Nordostufer weiter.

Der Weiterbau des Gardaseeradweges von Limone nach Süden bis nach Gardone Riviera wurde jetzt hingegen von der lombardischen Provinz Brescia gestoppt. Hier gibt es eine rund 30 Kilometer lange Strecke, entlang der die Felsen der Gardaseeberge wie auch im nördlichen Abschnitt senkrecht zum See abstürzen. Die Gardesana-Autostraße verläuft hier großteils durch Tunnels. Radfahren ist hier lebensgefährlich.

Für Fahrradfahrer wird es hier daher weder Tunnels noch an die Felsen geschraubten Hängestege und somit auch keinen Radweg geben. Die Lombardei hat jetzt ihre Pläne für ihren Abschnitt des Gardaseeradweges fallen gelassen. Wegen „geologischer Schwierigkeiten und der hohen Gefahr von Felsstürzen entlang der Klippen“ wird der Radweg hier nicht weitergebaut, berichtet veronasera.it. Statt mit einem Radweg soll ein Bootshuttle die Lücke zwischen Gardone Riviera und Limone schließen.

Lombardei beschließt, den Radweg nicht weiterzubauen – jetzt droht ein Dominoeffekt

Der Koordinationsrat zum Schutz des Gardasees, der Verbände, Ausschüsse und Privatpersonen am Gardasees vertritt, hatte den Stop der Planungen gefordert. Das Gremium fordert nun auch die Region Venetien und die Autonome Provinz Trient auf, „die Arbeiten auszusetzen und bereits für die Saison 2025 Kontakte zu knüpfen, um die Schifffahrt für Radfahrer im gesamten oberen Gardaseegebiet fortzusetzen“.

Die Forderung wird von der Senatorinnen der Grünen und der Linksallianz Aurora Floridia in der lombardischen Provinz Verona aufgegriffen, die beiden empfehlen auch dem Trentino, den Weiterbau zu stoppen. Am Ostufer gibt es eine 40 Kilometer lange enge Strecke, die ebenso von Felsstürzen bedroht ist wie das Nordwestufer. Nur teure Tunnelbauten könnten auch hier einen sicheren Radweg ermöglichen.

„Mit einer Anfrage werde ich darum bitten, dass die Boots-Lösung auf der Strecke Venetien und Trentino übernommen wird“, erklärte Floridia. „Die Fortsetzung der bereits in Malcesine und Riva del Garda begonnenen Arbeiten bedeutet, die täglichen Risiken zu ignorieren, denen die Menschen beim Passieren der Klippen ausgesetzt sind, und außerdem enorme Umwelt- und Landschaftsschäden zu verursachen.“ Damit wäre das Projekt des Gardaseeradwegs endgültig gescheitert. Mit Fähren kann man als Radtourist schon jetzt die gefährlichen Tunnelabschnitte umschiffen.

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