Das Pfarrhaus in Hebertshausen soll verkauft werden. Das Erzbischöfliche Ordinariat startete bereits vor einem Jahr das übliche Vergabeverfahren. Die Gemeinde Hebertshausen hat längst ein Angebot abgegeben, würde dort mietgünstige Wohnungen realisieren – und wartet auf Rückmeldung.
Hebertshausen – Auf dem Klingelschild neben der Tür steht noch „Pfarrer“ und „Pfarrbüro“ zu lesen. Doch seit gut 20 Jahren wohnt kein Seelsorger mehr in dem markanten Gebäude. Und auch eine Anlaufstelle der Kirchengemeinde sucht man dort vergebens. Vielmehr steht das Hebertshausener Pfarrhaus, am Fuß des Kirchbergs und direkt neben der Pfarrkirche zum Heiligen Welterlöser gelegen, seit drei Jahren leer. Doch die Zukunft dieses historischen Gebäudes liegt den Hebertshausern am Herzen, auch bei der jüngsten Bürgerversammlung wurde danach gefragt (wir berichteten). Tatsächlich hat das Erzbischöfliche Ordinariat als Eigentümer für das Pfarrhaus ein Bieterverfahren gestartet, die Gemeinde möchte kaufen –Ausgang ungewiss.
Errichtet wurde das stattliche Gebäude bereits 1693 zusammen mit verschiedenen Ökonomiegebäuden, denn über Jahrhunderte sicherte traditionell der Pfarrhof den Lebensunterhalt des Pfarrers. Auch später blieb das Anwesen als Pfarrpfründe in der Verwaltung der örtlichen Kirchenstiftung. Doch 2008 wurde ein Pfarrverband gegründet, Pfarrer und Büro zogen in den frisch sanierten Pfarrhof Ampermoching, der auch räumlich in der Mitte des Pfarrverbands liegt. Vor gut drei Jahren, so erklärt die Verwaltungsleiterin im Pfarrverband, Angelika Obermayr, habe die Kirchenstiftung daher das Pfarrhaus Hebertshausen an die Erzdiözese zurückgegeben.
Grundstück fällt unter Erbpacht – Gemeinde möchte aber vollwertiges Eigentum an Gebäude und Boden
Ein üblicher Vorgang, sobald Immobilien aus der Pfarrpfründestiftung nicht mehr kirchlich genutzt werden. Den Beschluss dazu habe die Kirchenverwaltung nicht ohne Bedauern getroffen. „Aber wir sind mit unseren beiden Kirchen, mit Pfarrheim und Friedhof finanziell ausgelastet“, so Obermayr. Es sei klar gewesen, dass das Pfarrhaus vom Ordinariat verkauft werde. „Aber das Gebäude ist so markant und zentral, da liegt es eigentlich auf der Hand, dass es die Gemeinde übernimmt.“
Das Ordinariat startete das übliche standardisierte Vergabeverfahren für kirchliche Immobilien. Für das Grundstück Korbinianweg 8, also das Pfarrhaus, so teilt es die Pressestelle des Ordinariats auf Anfrage in einer Stellungnahme mit, „ist eine Erbbaurechtsvergabe mit Gebäudeablöse, also kein Verkauf im ,Volleigentum’, geplant“. Die Gemeinde, so der Bürgermeister Richard Reischl, habe umgehend ein Angebot abgegeben. Allerdings mit dem Ziel, vollwertiges Eigentum an Gebäude und Boden zu erwerben. „Wir hätten im Zuge eines Grundstückstausch der Kirche anderes Bauland angeboten.“ Dies vor dem Hintergrund, dass das Pfarrhaus „in einem maroden Zustand ist“, wie Reischl sagt. Das habe die Einschätzung eines beauftragten Architekten ergeben. Auch beim Ordinariat wisse man offenbar um den baulichen Zustand. Mit einem Kauf des Areals ohne Auflagen wollte die Gemeinde die Wahl bekommen zwischen Sanierung oder alternativ Neubau in gleicher Form, falls der Erhalt des Gebäudes finanziell unwirtschaftlich wäre.
Im Juli, die Bieterfrist war längst abgelaufen, habe er dann erfahren, dass das Gebot der Gemeinde gar nicht geprüft werde, weil es den Vergaberichtlinien nicht entspreche, berichtet der Bürgermeister. Die Gemeinde konnte dann ein neues Gebot nachreichen, das nun Erbpacht akzeptiert. Doch nach wie vor verfolgt Reischl sein Ziel, das Areal samt Pfarrhaus zu kaufen. Denn mit den Kosten für Gebäudeübernahme, zu erwartendem Sanierungsaufwand plus laufendem Erbbauzins fürs Grundstück könnte das Projekt schnell zu einem finanziellen Desaster werden, rechnet der Bürgermeister vor. Die von der Gemeinde vorgesehenen mietgünstigen Wohnungen jedenfalls ließen sich mit so einer Kostenbelastung nicht schaffen. „Da kämen wir schnell bei einer Miete von 23 Euro pro Quadratmeter raus, das ist utopisch für Menschen mit geringem Einkommen.“
(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Dachau-Newsletter.)
Bürgermeister Reischl enttäuscht von fehlender Kommunikation
Noch hofft Reischl in Gesprächen eine gute Lösung zu erzielen. „Aber ich höre gar nichts.“ Wöchentliche Anfragen beim Makler liefen ins Leere. Auch die zuständige Finanzverwaltung des Ordinariats rühre sich nicht. Reischl ist sauer. „Diese unglaubliche Arroganz ärgert mich.“
Meine news
Aktuell „erfolgen Prüfungen der abgegebenen Angebote sowie Gespräche mit Bewerbern“, heißt es in der Stellungnahme des Ordinariats. Und bei der Vergabe könnten „neben wirtschaftlichen Aspekten auch soziale Gesichtspunkte sowie die geplante Nutzung berücksichtigt werden“. Zur Frage, bis wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, könne man keine Angaben machen. Nur so viel: „Das Vergabeverfahren ist noch nicht abgeschlossen.“
Im Rathaus wartet man weiter auf Rückmeldung. „Schade, dass man gar nicht mit uns Kontakt aufnimmt und das Gespräch sucht“, beklagt der Bürgermeister. Wie es mit dem Pfarrhaus weitergeht, ist somit nach wie vor offen.
Mehr News finden Sie in unserer Merkur.de-App, jetzt im verbesserten Design mit mehr Personalisierungs-Funktionen. Direkt zum Download, mehr Informationen gibt es hier. Sie nutzen begeistert WhatsApp? Auch dort hält Sie Merkur.de ab sofort über einen neuen Whatsapp-Kanal auf dem Laufenden. Hier geht‘s direkt zum Kanal.