Gefrorene Wasserfälle ziehen Menschen magisch an. Doch am höchsten Wasserfall Estlands wurde dies beinahe zur tödlichen Falle.
Ida-Viru – Nur wenige Augenblicke vergingen – aber sie hätten für mehrere Personen das Leben kosten können. Am vergangenen Samstag (10. Januar) wurde der bei Touristen sehr beliebte Valaste-Wasserfall in Estland zu einer lebensgefährlichen Falle, als die Natur ihre bedrohliche Seite zeigte.
Massive Eisblöcke stürzten an der Touristenattraktion in der Region Ida-Viru von der 30 Meter hohen gefrorenen Kaskade herab und verpassten nur um Haaresbreite zwölf Besucher. Videos der bedrohlichen Szene verbreiteten sich in den sozialen Medien. Mittlerweile haben auch die estnischen Behörden auf den Vorfall reagiert.
Eisstücke brechen von Wasserfall ab und stürzen auf Urlauber herunter – Experte kritisiert leichtsinnige Besucher
Die Empfehlung, an solchen Naturschauspielen vorsichtig zu sein, gab ein Fachmann. Naturfotograf Sergei Listov glaubte zunächst an eine KI-Inszenierung, bis Medienberichte die Echtheit bestätigten. „Besonders traurig ist, dass Menschen mit Kindern dorthin gegangen sind und damit alle, die sich unten befanden, in ernsthafte Gefahr gebracht haben“, kritisierte er bei dem estnischen Nachrichtenportal ERR das unvorsichtige Verhalten vieler Besucher.
Unter den Anwesenden befand sich während des Abbrechens der Eiszapfen laut the-express.com auch Greete Melliste. Sie erlebte den Schrecken demnach hautnah mit. „Ich sah, wie der Eisbrocken zu fallen begann, und ich hatte Todesangst – ich war am nächsten dran, und es war nicht einfach, irgendwohin zu rennen“, wird die Frau von dem Portal zitiert.
Sie wurde dem Bericht zufolge am Kopf getroffen und zu Boden geschleudert, kam aber mit leichten Verletzungen davon. „Der Schock war schlimmer als die Verletzung, aber ich werde solche Orte nicht wieder besteigen“, meinte die Frau. Bei einem ähnlichen Vorfall in Oberbayern wurde ein Kind (6) heftig von Eisbrocken getroffen.
Touristen-Attraktion: Höchster Wasserfall Estlands „besonders malerisch im Winter“
Der Wasserfall Valaste lockt viele Touristen an. Auf der offiziellen Tourismus-Website Estlands heißt es über das Naturschauspiel: „Der Wasserfall Valaste an der Steilküste Ontika ist mit seiner 30 Meter hohen Wasserwand der höchste in Estland. Zurzeit kann man den Wasserfall von der Seite besichtigen, von wo aus sich eine gute Aussicht auf die im Lauf der 400.000 Jahre entstandenen Schichten der Erde eröffnet.“
Der Wasserfall sei „besonders malerisch im Winter, wenn vom Meer her Nordwinde wehen, die zusammen mit Wasserspritzern an den Bäumen Eisskulpturen bilden“. Allerdings zeigt sich jetzt, welche Gefahren diese bergen können.
Behörden reagieren auf Eisabbruch am Wasserfall – und appellieren an Vernunft der Touristen
Auch deshalb handelte nach dem Beinahe-Unglück die Gemeinde Jõhvi schnell. Sie beschränkte laut ERR die Zahl der Besucher auf den Wasserfallstufen auf maximal zehn Personen gleichzeitig. Eine Beschränkung der Besucher könnte auch einem Touristen-Hotspot in der Schweiz drohen, der von diesen regelrecht überrannt wurde.
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Behörden-Sprecherin Källike Kullerkupp erklärte, man habe „zusätzliche Schilder in der Nähe des Bereichs aufgestellt, die die Menschen auffordern, auf ihre Schritte zu achten, nach oben zu schauen und Abstand zu halten, damit sie einfach aufmerksamer sind“.
Allerdings sei „letztendlich jeder selbst verantwortlich, aber vielleicht trägt diese kleine Erinnerung auch dazu bei, das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Vorsicht zu schärfen“, meinte die Sprecherin weiter. Unterdessen ereignete sich in Österreich an einem gefrorenen Wasserfall eine Tragödie – ein Urlauber kam dabei ums Leben. (Quellen: the-express.com, ERR, visitestonia.com) (kh)