Die Stadt investiert 8000 Euro in das Spektakel. Im Einzelhandel ist die Nachfrage nach Raketen und Böllern eher verhalten.
Bad Tölz – Klaus Kutzer ist am Montagmittag gerade dabei, alles Material zu verladen, das er für die Silvesternacht in Bad Tölz braucht, als ihn der Tölzer Kurier in Berlin auf dem Handy erreicht. Ja, alles bereit für das große Feuerwerk in der Kurstadt, gibt der Inhaber der Firma Feuerwerk Events zu Protokoll. „Es wird bunt, laut und schön“, verspricht Kutzer für das siebeneinhalbminütige Spektakel.
Stadt Bad Tölz setzt auf Profi-Feuerwerk
Wie seit einigen Jahren üblich setzt die Stadt Bad Tölz an Silvester einmal mehr auf ein zentrales Feuerwerk in der Innenstadt, das man in professionelle Hände legt. Erklärtes Ziel ist es, dadurch die private Böllerei zumindest im Stadtzentrum überflüssig zu machen. „Ob wir das tatsächlich erreicht haben, ist schwer messbar“, erklärt Zweiter Bürgermeister Michael Lindmair. Doch wenn man daran zurückdenke, wie die Zustände in früheren Jahren auf der Isarbrücke waren, stellt der stellvertretende Rathauschef doch eine deutliche Verbesserung fest.
Über mehrere Jahre hatte die Stadt zum Jahreswechsel einen Feuerwerksprofi aus dem Raum Nürnberg engagiert. Doch weil dieses Unternehmen mit Verweis auf Personalmangel kein Feuerwerk mehr anbietet, habe die Stadt sich neu orientieren müssen, berichtet Kurdirektorin Brita Hohenreiter. Es sei gar nicht so leicht gewesen, einen passenden Anbieter zu finden. „Die wenigen, die es gibt, sind alle sehr gefragt“, erklärt Hohenreiter. „Und es ist auch eine Frage des Geldes – man kann da durchaus den Preis eines Mittelklassewagens ausgeben.“ Bei „Feuerwerk Events“ aus Berlin aber stimme das Preis-Leistungs-Verhältnis. 8000 Euro brutto gibt die Stadt laut Lindmair für das Feuerwerk aus. Nachdem sich der Berliner Anbieter vergangenes Jahr bei einem Probelauf bewährt habe, habe er nun einen Drei-Jahres-Vertrag bekommen, so Hohenreiter.
Berliner Feuerwerker auch am Hofbräuhaus am Alexanderplatz aktiv
Inhaber Kutzer ist nach eigenen Angaben seit 27 Jahren im Feuerwerk-Geschäft. Bad Tölz sei mit 650 Kilometern Entfernung von Berlin der „Exot“ unter seinen Kunden. Zeitgleich bespiele seine Firma zum Jahreswechsel noch jeweils ein Spektakel in Falkensee (Brandenburg) und am Hofbräuhaus am Berliner Alexanderplatz. Kutzer selbst wird an letzterem Einsatzort und nicht in Bad Tölz vor Ort sein. „Die Choreografie habe ich vorab am Computer programmiert, das läuft dann alles per Knopfdruck.“
Wer lieber selbst vor dem eigenen Haus oder im Garten als Feuerwerker aktiv werden möchte, der hat seit Montag die Gelegenheit, sich Feuerwerkskörper im Einzelhandel zu besorgen. „Einige Spezialisten standen bei uns schon bei Ladenöffnung um 7 beziehungsweise 7.30 Uhr vor der Tür“, berichtet Kaspar März-Kastenmüller, der Edeka-Filialen in Bad Tölz, Lenggries, Ascholding und Benediktbeuern betreibt. „Das sind meistens Männer mit jungen Söhnen, bei denen das Feuerwerk Tradition hat.“ Seine Märkte führen März-Kastenmüller zufolge ein „Grundsortiment“ an Feuerwerksartikeln. Am beliebtesten seien Batterien nach dem Prinzip: „Einmal anzünden, großer Effekt“.
Marktleiter ist privat kein Freund des Böllerns
Als „eher zurückhaltend“ beschreibt Marktleiter Christian Kerndl den Kundenansturm auf Raketen und Böller im Tölzer Hagebaumarkt. „Ich schätze, das liegt wie bei allem am Preis.“ In den vergangenen Jahren seien große Batterien – zum Beispiel mit 187 Schuss für 126 Euro – der Renner gewesen, heuer hingegen seien eher die kleineren Raketenpackungen nachgefragt. „Was sehr gut geht, sind Wunderkerzen“, so Kerndl. Eine Packung mit den „ganz großen“ – sie sind einen halben Meter lang – gebe es für 3 Euro, die normalen kosten 1,99 Euro.
Persönlich ist Kerndl über die mäßige Nachfrage gar nicht so traurig. „Ich persönlich lasse seit Jahren die Finger davon“, sagt der Tölzer. „Denn ich bin seit 30 Jahren bei der Feuerwehr aktiv und habe noch zu gut den tödlichen Unfall in Gaißach in Erinnerung.“ 2011 war ein 33-jähriger Gaißacher bei der Explosion eines selbst gebauten Böllers ums Leben gekommen.