„Es ist schön, dass Sie sich für Deutschland entschieden haben und es freut mich, dass Sie sich hier so wohl und zuhause fühlen und dass Sie hier bei uns Ihre Zukunft planen“, sagte Landrat Elmar Stegmann jüngst bei der Einbürgerungsfeier im Landkreis Lindau.
Lindenberg/Lindau – Innerhalb der vergangenen anderthalb Jahre sind im Landkreis 319 Menschen aus 55 Ländern eingebürgert worden. Die meisten stammen aus Syrien, Rumänien und Afghanistan.
Nach Auskunft des Landratsamtes nimmt die Zahl der Einbürgerungen stetig zu, seit dem dieses Jahr im Frühjahr die Voraussetzungen dafür gesetzlich geändert worden sind. Nun kann der Antrag auf Einbürgerung bereits nach fünf Jahren Aufenthalt in Deutschland gestellt werden, außerdem müssen die Antragsteller nicht mehr auf ihre ursprüngliche Staatsbürgerschaft verzichten.
Einbürgerungsfeier in Lindenberg: „Integration ist extrem wichtig“
Fatima A. und ihre Familie stammen aus Syrien, sie sind Ende 2015 vor dem Bürgerkrieg aus ihrer Heimatstadt Aleppo geflohen und auf beschwerlichen Wegen nach Deutschland gekommen: „Wir sind viel gelaufen, waren mit dem Schiff unterwegs, sind Bus gefahren“, erzählt die 35-Jährige, die mit ihrem Ehemann Suliman (44) und den vier Kindern nun in Lindenberg lebt: „Der Zufall hat uns hierher verschlagen, uns gefällt es sehr gut im Allgäu, hier ist alles so friedlich und ruhig.“ Die gelernte Schneiderin hat nach ihrer Flucht als Köchin gearbeitet, Suliman verdient sein Geld als Lkw-Fahrer, die Kinder machen eine Ausbildung oder gehen noch zur Schule.
Seit einigen Wochen betreibt die syrische Familie einen Supermarkt mit orientalischen Spezialitäten: „Das kommt in Lindenberg sehr gut an“, freut sich Fatima. Gleich nach ihrer Ankunft im Allgäu hat die Familie Deutsch gelernt – auch eine zwingende Voraussetzung für die Einbürgerung – und sich gesagt: „Integration ist extrem wichtig!“
„Sie möchten dazu gehören“
Diesen Willen zur Integration sieht man im Landratsamt bei allen Einbürgerungskandidaten: „Sie möchten unbedingt dazu gehören“, weiß Joseph Bastin, Vorsitzender des Lindauer Integrationsbeirates, „sie möchten sich einbringen.“ Landrat Stegmann appellierte an die frisch Eingebürgerten: „Mischen Sie sich ein, machen Sie mit, egal, ob bei der Feuerwehr, im Verein, in einer Partei oder beim Rettungsdienst! Sie sind nun Bürger dieses Landes, nicht nur Bewohner. Nutzen Sie diese Chance!“
Fatima aus Lindenberg und ihre Familie sehen das genauso: „Durch unsere Deutschkenntnisse kommen wir immer mehr mit den Einheimischen ins Gespräch, die Kinder essen sogar schon Kässpätzle“, erzählt sie lachend. Der älteste Sohn Mahmoud (20) steht mitten in der Ausbildung und unterstützt die Mama im Laden – Verständigungsschwierigkeiten sind ihnen unbekannt.
Die Lindenberger Neubürger sind sichtlich stolz auf ihre deutsche Staatsangehörigkeit, nur mit dem im Allgäu regelmäßig fallenden Schnee werden sie nicht so recht warm: „In Aleppo ist es manchmal zwar auch sehr kalt, aber Schnee gibt es dort kaum“, erzählt Fatima, „hier in Lindenberg lag schon Mitte November Schnee.“
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