Beschäftigte in Deutschland sammeln zu viele Krankheitstage an, findet Friedrich Merz. Die Zahlen in den Bundesbehörden sind sogar besonders hoch.
Berlin – 14,5 sind für Friedrich Merz zu viel. So viele Krankheitstage würden Beschäftigte in Deutschland durchschnittlich ansammeln, erklärte der Bundeskanzler bei einem Auftritt in Bad Rappenau im Rahmen des baden-württembergischen Landtagswahlkampfes. Damit rückte er das zuletzt bereits aus der Wirtschaft heraus diskutierte Thema ins allgemeine Bewusstsein.
Später legte Merz sogar noch nach, sagte nach einer Sitzung des CDU-Bundesvorstandes, in den 14,5 Krankheitstagen seien die kurzfristigen Krankmeldungen von ein oder zwei Tagen noch gar nicht dabei. „Wenn die einbezogen würden, dann läge die Zahl noch deutlich höher. Und damit ist der Krankenstand im Durchschnitt in den Unternehmen in Deutschland zu hoch“, zitiert ihn unter anderem die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Krankheitstage in Deutschland: Bundesbehörden liegen deutlich über dem Durchschnitt
Worauf sich die vom CDU-Chef genannten Zahlen beziehen, blieb unklar. Das Statistische Bundesamt nennt für das Jahr 2024 durchschnittlich 14,8 Arbeitstage, an denen sich Arbeitnehmer in Deutschland krank meldeten. Das ist der gleiche Wert wie 2022, im Jahr 2023 waren es sogar 15,2. Zum Vergleich: Zwischen 1997 und 2021 waren es nie mehr als 11,2.
Dass die Fehltage in den Bundesbehörden sogar noch deutlich höher liegen, thematisiert der Business Insider (BI). Dieser berichtet unter Berufung auf das Bundesinnenministerium über einen sprunghaften Anstieg der Krankheitstage von 17,2 im Jahr 2021 auf 21,7 im Jahr 2022. Damit lag der Wert also knapp sieben Tage über dem Bundesdurchschnitt.
Für das Jahr 2023, aus dem die aktuellsten Zahlen stammen, wurden in der Bundesverwaltung im Schnitt 20,96 Krankheitstage ausgewiesen. Die Entwicklung war also gegen den bundesweiten Trend rückläufig, dennoch fehlten Beamte und Angestellte in den Bundesbehörden fast sechs Tage mehr als der durchschnittliche Arbeitnehmer.
Deutschland und die Krankheitstage: Roth-Haus liegt vor Pistorius-Ministerium
Auffällig sind die großen Unterschiede zwischen den verschiedenen Einrichtungen. So lag die Behörde der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien – zu jener Zeit geführt von Grünen-Politikerin Claudia Roth – mit 27,06 Krankheitstagen deutlich vorn. Es folgte das Bundesverteidigungsministerium von Boris Pistorius (SPD) mit 23,45 Tagen vor dem Bundestag mit 22,71 Tagen.
Der Bundesrat verzeichnete durchschnittlich 21,81 Krankheitstage. Auch das Bundesfinanzministerium vom damaligen FDP-Chef Christian Lindner mit 21,56 und das Bundesinnenministerium von SPD-Politikerin Nancy Faeser mit 21,5 lagen über dem Schnitt der Bundesbehörden.
Am anderen Ende des Rankings finden sich das von SPD-Politikerin Svenja Schulze geführte Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit 12,86, das Bundesverfassungsgericht mit 11,83 und der unabhängige Kontrollrat mit 9,13 Tagen wieder. Hier liegen die Krankheitstage also teils sogar deutlich unter dem bundesweiten Schnitt.
Merz kritisiert viele Krankheitstage: Anteil der Kurzzeit-Erkrankungen von 2022 auf 2023 gestiegen
Eine Sprecherin des Innenministeriums sagte zu den großen Schwankungen zwischen den Ministerien und Behörden: „Diese Geschäftsbereichsbehörden sind in ihren Aufgaben und Struktur sehr heterogen und nicht ohne weiteres vergleichbar.“
Bei der Auswertung der Zahlen offenbart sich zudem, dass 2023 im Vergleich zu 2022 unter Beschäftigten in der Bundesverwaltung der Anteil der auf Kurzzeit-Erkrankungen entfallenden Tage unter den Krankheitstagen zunahm. Von 16 Prozent stieg der Wert auf 18,6 Prozent. Als Kurzzeit-Erkrankungen werden Ausfälle zwischen einem und drei Tagen bezeichnet.
Durchschnittliche Krankheitstage im Jahr 2023
Behörde der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien: 27,06
Bundesverteidigungsministerium: 23,45
Bundestag: 22,71
Bundesrat: 21,81
Bundesfinanzministerium: 21,56
Bundesinnenministerium: 21,50
Bundesverkehrsministerium: 19,89
Bundesfamilienministerium: 19,79
Behörde für Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit: 19,26
Bundesgesundheitsministerium: 18,23
Bundespresseamt: 17,02
Bundesrechnungshof: 17,02
Bundesarbeitsministerium: 16,51
Bundesbauministerium: 16,48
Bundespräsidialamt: 15,78
Bundesjustizministerium: 15,74
Bundeswirtschaftsministerium: 15,44
Bundesumweltministerium: 15,15
Bundeslandwirtschaftsministerium: 14,80
Bundeskanzleramt: 13,92
Bundesforschungsministerium: 13,75
Auswärtiges Amt: 13,75
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: 12,86
Bundesverfassungsgericht: 11,83
Unabhängiger Kontrollrat: 9,13
Quelle: Bundesinnenministerium
Dementsprechend sank die Zahl der längeren Erkrankungen, also jener zwischen vier und 30 Tagen. Stabil blieb der Anteil der Langzeit-Erkrankungen und der Rehabilitations-Maßnahmen.
Deutschland diskutiert über Krankenstand: DAK fordert Gipfel bei Merz
Derweil fordert die DAK-Gesundheit einen Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt. Denn für das Jahr 2025 wurde in einer gemeinsam mit dem IGES Institut durchgeführten Krankenstands-Analyse für DAK-versicherte Beschäftigte ein Durchschnitt von 19,5 Kalendertagen mit Krankschreibung festgestellt.
DAK-Vorstandschef Andreas Storm regt „neue Lösungswege“ an. „Ein wichtiger Baustein kann die Einführung einer Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen und Diagnosen sein. Sie ist bereits ein bewährtes Instrument in skandinavischen Ländern“, richtet er den Blick in Richtung Norden. (Quellen: dpa, BI, Statistisches Bundesamt, DAK) (mg)