Der US-Präsident wollte seine Erfolge präsentieren. Stattdessen verlor er sich in wirren Themensprüngen – von Minnesota bis Venezuela.
Washington, D.C. – Genau ein Jahr ist Donald Trump nun wieder im Amt. Grund genug für den US-Präsidenten, bei einer spontanen Pressekonferenz im Weißen Haus Bilanz zu ziehen. Doch was als Erfolgspräsentation geplant war, entwickelte sich rasch zu einem bizarren Spektakel. Statt politischer Errungenschaften bekamen die anwesenden Journalisten minutenlange Vorführungen von Häftlingsfotos zu sehen.
„Ich langweile Sie doch nicht damit, oder?“, fragte Trump in die Runde, während er Bild für Bild durch einen Stapel mit Akten verhafteter Personen aus Minnesota blätterte. Die Festgenommenen bezeichnete er als „schreckliche Leute“ – „großteils Mörder und Drogen-Barone“, die sein Vorgänger Joe Biden ins Land gelassen habe. „Schlimme Leute“, murmelte der 78-Jährige. „Hier, ein Gang-Mitglied. Schmeißt ihn aus unserem Land.“
Erst nach 15 Minuten kam Trump zum eigentlichen Thema
Die Migrationsbehörde ICE nahm der Präsident demonstrativ in Schutz. Er habe schließlich viel Zeit – auch wenn man Trump in Davos sicher freudig erwarte. In der Schweiz kenne man solche Probleme nicht. Erst nach rund einer Viertelstunde schwenkte Trump überhaupt auf das vorgesehene Thema seiner Pressekonferenz um: die Erfolge seiner zweiten Amtszeit.
Der Republikaner behauptete, die unter Biden explodierende Inflation gestoppt und gesenkt zu haben. Die wirtschaftliche Realität in den USA erzählt allerdings eine andere Geschichte. Auch seine längst widerlegte Behauptung, die Präsidentschaftswahl 2020 gewonnen zu haben, wiederholte Trump erneut: „Wir haben inzwischen Beweise.“ Belege dafür lieferte er keine.
Zwischendurch driftete der Präsident in persönliche Anekdoten ab. „Meine Frau denkt, ich bin das größte Finanzgenie, so wie Warren Buffett“, erzählte er den Reportern.
Von der erschossenen Demonstrantin zum Häftlingsstapel
Als Trump auf den Fall der von einem ICE-Beamten erschossenen Renee Nicole Good zu sprechen kam, verlor er schnell den Faden. „Ich verstehe beide Seiten“, begann er – nur um Sekunden später zu behaupten, eine Demonstrantin sei eigens engagiert worden, um „wie eine Opern-Sängerin“ gegen seine Regierung zu protestieren.
Dann griff er wieder zu seinem Aktenstapel. „Wir haben so viele Stapel. Ich könnte das 30-Mal machen, so viele Stapel haben wir“, prahlte Trump. Die Journalisten schauten irritiert zu.
Trump schwärmt plötzlich von Venezuela
Thematisch sprang der US-Präsident wild zwischen Migration, Wirtschaft und Außenpolitik hin und her. Besonders überraschend: seine neuen Sympathien für Venezuela. Früher habe er „große Probleme“ mit dem südamerikanischen Land gehabt. Doch nach der Entführung von Machthaber Nicolás Maduro pflege man nun eine „tolle Beziehung“ zu den Menschen dort.
Der „unglaublich netten“ Oppositionsführerin María Corina Machado stellte Trump sogar eine politische Rolle in Aussicht. „Vielleicht können wir sie in irgendeiner Weise beteiligen“, spekulierte er – nachdem Machado ihre Friedensnobelpreis-Medaille abgegeben hatte.
Bei der Einwanderung differenzierte Trump zwischen verschiedenen Gruppen. Illegale Migranten, die in Hotels oder Restaurants arbeiten, seien nicht das Problem. „Wir wollen die Mörder rausschmeißen“, betonte er. Seine Regierung habe „die schlimmste Grenze aller Zeiten“ geerbt und daraus „die beste aller Zeiten“ gemacht.
Attacke gegen Somalia: „Nicht mal ein Land“
Ohne Belege behauptete Trump, somalische Einwanderer hätten bei der letzten Wahl abgestimmt – obwohl sie keine US-Staatsbürger seien. Über Somalia selbst äußerte er sich abfällig: „Sie sagen, dass es das schlimmste Land der Welt ist.“ Dann setzte er nach: „Ich finde, es ist nicht mal ein Land.“
Auch Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom bekam sein Fett weg. Der Demokrat führe den Bundesstaat „einfach schrecklich“. „Wenn er dieses Land führen würde, würde es aussehen wie in Venezuela“, wetterte Trump gegen den Mann, dem Ambitionen auf das Weiße Haus nachgesagt werden.
Präsident träumt laut vom „Golf von Trump“
Für Schmunzeln sorgte Trumps Einfall zur Umbenennung des Golfs von Mexiko. Man habe sich das Gewässer „genommen“, nun heiße es „Golf von Amerika“. Doch dabei wollte es der Präsident nicht belassen. „Golf von Trump“ – so hätte er das Meer gerne genannt, gestand er.
Seine Berater hätten abgewunken. Trump ließ die Idee dennoch nicht los: „Aber es klingt doch gut, oder? Vielleicht können wir das ändern. Es ist noch nicht zu spät.“ Die Journalisten kicherten – ob aus Belustigung oder Verlegenheit, blieb unklar.
Grönland-Frage beantwortet Trump nur einsilbig
Im weiteren Verlauf streifte der Präsident noch Themen wie das US-Militär, China, Elektroautos, Medikamentenpreise und seine umstrittenen Zölle. Der Supreme Court dürfe seinen Handelsbeschränkungen keinen Riegel vorschieben, forderte Trump. Die USA würden damit „große Erfolge“ erzielen.
Zum Schluss ging es noch kurz um Grönland – jene arktische Insel, die Trump seit Wochen für die USA beansprucht. Auf die Frage eines Reporters, wie weit er für eine Übernahme gehen würde, antwortete der Präsident knapp: „Wir werden sehen.“