Kochel plant neuen Kindergarten: Eile geboten

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So könnte die neue Kindertagesstätte aussehen. Je zwei Kindergarten- und Krippengruppen sowie eine Hortgruppe finden auf den zwei Etagen Platz. Aufstocken wäre zu einem späteren Zeitpunkt möglich. So könnte Raum für drei weitere Gruppen entstehen. © Kottermair Rebholz Architekten

Die Gemeinde Kochel am See muss schnell handeln. Ein Gebäude könnte ab 2027 fehlen. Die Kinderzahlen steigen stetig an. Wegen den Veränderungen wird der Bergfeldweg zur Einbahnstraße.

Kochel am See - Die Gemeinde Kochel am See muss einen neuen Kindergarten bauen – und zwar möglichst rasch. Warum das Ganze so dringend ist, klang in der Gemeinderatssitzung am Montagabend nur an. Es könne sein, dass ab 2027 „ein Gebäude nicht mehr verfügbar ist“, sagte Bürgermeister Jens Müller (UWK). Mehr könne er im Moment öffentlich nicht sagen. „Aber in zwei Jahren muss das Ding stehen.“ Auch generell steigen die Kinderzahlen in der Gemeinde. Besuchten vor zehn Jahren 114 Mädchen und Buben KoKiTa und Montessori-Kita, waren es heuer rund 150.

So sieht das Konzept aus

Architekt Marcus Kottermair präsentierte ein Konzept für eine neue Kindertagesstätte mit je zwei Kindergarten- und Krippengruppen sowie einer Hortgruppe auf zwei Etagen samt Kostenschätzung. Bei Letzterer blieb dem einen oder anderen Gemeinderat fast ein wenig die Luft weg. Denn 6,9 Millionen Euro Investitionskosten stehen hier im Raum. Entstehen soll das Ganze in Holzbauweise neben der Schule, und zwar am Hanggrundstück südlich des Allwetter-Platzes. Möglich wäre zu einem späteren Zeitpunkt, und falls zusätzlicher Bedarf besteht, noch die Aufstockung um ein zweites Obergeschoss, um drei weitere Gruppen unterzubringen. „Von der Höhe wäre das verträglich“, sagte Kottermair mit Blick auf die Hanglage.

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Mehrzweckpavillon für die Schule

Gleich mitgeplant hatte Kottermair einen Mehrzweckpavillon für die Schule, in den Nutzungen aus dem Schulgebäude umziehen könnten. So würde im Gebäude selbst Platz für die Ganztagsbetreuung geschaffen, die ab 2026 für Grundschulkinder verpflichtend angeboten werden muss. Kostenpunkt dafür: rund 2,6 Millionen Euro. Die Umsetzung ist aber erst für einen späteren Zeitpunkt geplant.

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Außerdem wurden die Räte mit einer neuen Verkehrsplanung für den Umgriff des Schulbereichs am Bergfeldweg überrascht. Bevor man über eine Kita an diesem Standort nachdenken könne, „brauchen wir eine Lösung für den Verkehr“, sagte Müller. „Wir wissen alle, wie es da zugeht.“ Es sei ein einziges „Parkchaos“. Zwischen den Elterntaxis und dem Schulbus würden die Kinder zu Fuß, mit dem Radl oder dem Roller ankommen. „Es ist ein Riesenglück, dass bislang nichts passiert ist“, sagte der Rathauschef. In einem ersten Schritt wird der Bergfeldweg ab der Einmündung Sonnenspitzstraße zur Einbahnstraße gemacht. Die entsprechende Beschilderung erfolgt möglicherweise schon in der kommenden Woche. Gefahren werden darf dann nur noch von Süden kommend in Richtung Ortsmitte. Ausnahmen gibt es für Radfahrer und den Schulbus. Zudem wird der Bereich direkt an der Schule zur Spielstraße. Dort ist nur noch Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Geparkt werden darf nur auf markierten Flächen.

Die Kita soll südlich des Allwetter-Platzes am Hang entstehen, der Mehrzweckpavillon am Rand des Pausenhofs. Der Schulbus könnte in der neu geschaffenen Wendeanlage umdrehen. Dort entstehen auch Kurzzeitparkplätze.
Die Kita soll südlich des Allwetter-Platzes am Hang entstehen, der Mehrzweckpavillon am Rand des Pausenhofs. Der Schulbus könnte in der neu geschaffenen Wendeanlage umdrehen. Dort entstehen auch Kurzzeitparkplätze. © Kottermair Rebholz Architekten

Wendeplattform für den Bus

Verkehrsplaner Alexander Süßmuth erläuterte dann die weiteren Überlegungen, die im Zuge des Kita-Baus umgesetzt werden könnten. Dort, wo derzeit Garagen stehen, soll dann eine „Art Kreisverkehr“ angelegt werden. Dort könnte der Bus wenden und müsste dafür nicht mehr in den Pausenhof fahren. An dieser Wendeplattform sind zudem zehn Parkplätze für Kurzparker vorgesehen. Weitere Stellplätze sind im Norden der Schule geplant.

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Räte hadern mit Einbahnstraße

Der eine oder andere haderte mit der Einbahnstraße. Das sei schon ein massiver Einschnitt für die Anwohner, merkten Markus Greiner (Junge Liste/JL) und Frank Sommerschuh (FWG) an. Ob man die Regelung nicht auf die Schulzeiten begrenzen könne, fragte Eduard Pfleger (JL). Müller teilt die Bedenken nicht. Auch Rathaus-Geschäftsleiterin Nicole Lutterer hält die Auswirkungen für beherrschbar. Es sei kein kilometerlanger Umweg zu fahren. Eltern könnten zudem auch Querstraßen nutzen, um ihre Kinder zur Schule zu bringen, ergänzte Müller.

Was ist mit der Bürgerbeteiligung?

Max Leutenbauer (CSU) war erstaunt, dass man sich für den Kita-Neubau bereits auf das Schulgrundstück festgelegt habe. „Haben wir das schon endgültig entschieden?“, fragte er. Seines Wissens nach habe man doch auch noch über andere Flächen nachgedacht. Die Verwaltung sei beauftragt worden, einen geeigneten Standort zu finden, erinnerte Müller an einen Gemeinderatsbeschluss aus dem März. Das habe sie getan. Die Idee, alle Einrichtungen auf einem „Campus“ zusammenzubringen, habe ihn überzeugt, sagte Müller. „Das passt zusammen.“

Verweis auf UN-Kinderrechtskonvention

Sommerschuh war nicht ganz so überzeugt. Er habe mal in der UN-Kinderrechtskonvention nachgelesen, die Kindern ein Recht auf Beteiligung zuspreche. „Hat man denn mal die Schüler befragt, wie sie das finden, dass da ein Kindergarten daneben entsteht?“ Müller wirkte konsterniert ob dieses Ansinnens. Man habe nicht die Kinder befragt, „aber natürlich die Schule beteiligt“. Klaus Barthel (SPD) vermisste aber auch die Bürgerbeteiligung. „Wir sollten die Meinungen der Eltern einholen.“ 2. Bürgermeister Thomas Eberl (UWK) war skeptisch. „Welche Eltern fragen wir denn?“ Für viele sei das Thema in zwei Jahren nicht mehr relevant, weil ihre Kinder dann aus der Schule oder aus dem Kindergarten sind.

Jetzt geht es um Fördermittel

Im Beschluss ging es nur um die Kita. Mit 13:1 Stimmen nahm der Rat die Planung und die Kostenschätzung zur Kenntnis. Auf dieser Grundlage soll nun die Entwurfsplanung entstehen. Die Verwaltung wird parallel dazu mögliche Fördermittel abklopfen. Mit etwa 50 bis 60 Prozent sei hier zu rechnen, sagte Müller. In weiteren Beschlüssen wurden zudem die Änderung der Flächennutzungs- und des Bebauungsplans auf den Weg gebracht. Über die Einbahnstraßenregelung wurde nicht abgestimmt. Deren Ausweisung erfolgt im Zuge einer verkehrsrechtlichen Anordnung der VG.

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