„Macht Vereinen den Garaus“: System von Festsaal-Wirten für bayerische Gemeinde nicht tragbar

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Ehrungen beim Trachtenverein Stamm: Bereits seit 70 Jahren ist (vorne, v. li.) Josef Morlang als Mitglied eingeschrieben, seit 60 Jahren gehört Jakob Oettl dem Verein an. Auf 25-jährige Zugehörigkeit kann Barbara Schöttl (re.) zurückblicken, ebenso (hinten, v. li.) Lisa Wurm, Maria Scheel, Theresia Waldherr und Roswitha Kainzmaier. Vorstand Benedikt Hanus und dessen Vize Jakob Ertl (vorne, 3. und 4. v. li.) dankten für die langjährige Treue. © mk

Der Lenggrieser Verein organisiert Veranstaltungen nun selbst im Alpenfestsaal und plant die Restauration eines Marterls in Fall.

Lenggries – Rückblick und Vorschau hielt der Lenggrieser Trachtenverein Stamm jetzt bei seiner Jahresversammlung im Alpenfestsaal. Ein Novum dabei war, dass der Verein die Bewirtung hatte selbst organisieren müssen, wie auch tags zuvor beim Trachtenball. Nachdem der Alpenfestsaal seit wenigen Wochen aufgrund von Differenzen bezüglich der Nutzungskonditionen keinen Wirt mehr hat, ist Eigenbetrieb angesagt.

Verein sagt Heimatabend ab

Diese Entwicklung sei in den vergangenen Monaten gefühlt fast schon Hauptthema in der Vereinsarbeit gewesen, stellte „Stamm“-Vorstand Benedikt Hanus fest. Zur Absicherung der Wirtschaftlichkeit hatten die seit etwa eineinhalb Jahren tätigen Wirtsleute die Regelung vorgegeben, dass ein für eine Veranstaltung vorgegebener Mindestumsatz bei Nichterreichen mit Geld aus der Vereinskasse aufgefüllt werden müsse. Die „Stamm“-Vorstandschaft hatte daraufhin einen Heimatabend abgesagt.

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Ein derartiges System würde manchem Verein den Garaus machen, schloss sich Bürgermeister Stefan Klaffenbacher in seinem Grußwort den Ausführungen von Hanus an. Auch die Gemeinde als Eigentümerin hoffe, bald einen neuen Wirt zu finden. Es sei nicht ganz einfach, den Saal wirtschaftlich darzustellen. „Aber er ist unser Vereinsheim und eine Heimat für alle unsere Vereine.“ Die Kommune habe immerhin mehr als 600 000 Euro investiert, um Räumlichkeiten und Einrichtung wieder auf Vordermann zu bringen und für die Zukunft zu ertüchtigen. „Es wäre schlimm, wenn sich jeder Verein jetzt eine andere Lokalität suchen würde.“

Zusätzliches Organisationspensum

Die aktuelle und in Absprache mit den Vereinen getroffene vorläufige Lösung brächte natürlich für jeden Veranstalter auch ein zusätzliches Organisationspensum mit sich, so Klaffenbacher. Finanziell hätten Vereine pro Veranstaltungstag eine Betriebskostenpauschale von 250 Euro netto zu berappen sowie das Service-Personal anzustellen und zu bezahlen. „Ich glaube, das ist ein faires Angebot.“ Dass der Trachtenverein weiterhin am Alpenfestsaal festhalten will, bekräftigte Vorstand Hanus: „Wir hätten heute auch ins Pfarrheim gehen können“, meinte er. Doch man wisse um die Notwendigkeit des Saales und wolle ein Bekenntnis zur Gemeinde und für den Zusammenhalt ablegen.

Restauration eines Marterls

Mit gutem Zusammenhalt innerhalb des Trachtenvereins hat der „Stamm“ im zurückliegenden Jahr wieder ein abwechslungsreiches Programm absolviert. In den Planungen für das neue Vereinsjahr ist eine weitere Auflage des Adventsmarktes vorgesehen, im zeitigen Frühjahr soll wieder das traditionelle Jugendsingen und -musizieren stattfinden. Gedanken wolle man sich machen über ein neues Konzept für die Heimat㈠abende, so Hanus. „Wir wollen die Heimatabende nicht hauptsächlich für die Urlaubsgäste machen, sondern mehr für unsere Leute und überlegen, wie wir stärkeres Interesse daran wecken können.“

Aufmerksam geworden ist der „Stamm“ zudem auf ein Marterl in Fall, das an zwei junge Flößer erinnert, die dort 1926 bei ihrer Arbeit verunglückt sind. Der Verein kümmert sich nun um die Restauration des Marterls und will im nächsten Sommer zum 100. Jahrestag dort einen Gottesdienst feiern. (Rosi Bauer)