Höchster Schuldenstand in Kochels Geschichte: Diese Investitionen plant die Gemeinde in 2025

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Um die zahlreichen Investitionen in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro zu finanzieren, wird die Gemeinde nichts aus der Rücklage entnehmen, sondern für 3,2 Millionen Euro Kredite aufnehmen, erläuterte Kämmerer Thomas Bacher bei der Gemeinderatssitzung im Rathaus (Foto). © arp

Weniger die Zahlen, sondern „das große Ganze“, prägte die Diskussion im Gemeinderat bei der Verabschiedung des Kochler Haushalts. In die Schusslinie geriet Kochels Tourismus-Chef Daniel Weickel.

Kochel am See - Mit einem Schuldenstand von 9,2 Millionen Euro am Jahresende 2025 wird die Gemeinde einen Rekord aufstellen, denn sie überschreitet den Höchststand von 2002 (7 Millionen Euro). Schaut man sich die Statistik der Schulden an, gab es in Kochel immer ein Auf und Ab  – 2019 beispielsweise waren es „nur“ 2,2 Millionen Euro. Um die zahlreichen Investitionen 2025 in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro zu finanzieren, wird die Gemeinde nichts aus der Rücklage entnehmen, sondern für 3,2 Millionen Euro Kredite aufnehmen, erläuterte Kämmerer Thomas Bacher.

Kurbetrieb macht Defizit

„Mit der Verschuldung liegen wir weit über dem Landesdurchschnitt“, sagte Reinhard Dollrieß (FW). Ganz wohl sei ihm deshalb bei der Zustimmung nicht. „Die Bürger sollen wissen, dass Begehrlichkeiten eingeschränkt werden müssen“, sagte der Walchenseer. Zweiter Bürgermeister Thomas Eberl (UWK) wies auf die notwendigen Investitionen hin, etwa „die längst überfällige Kanalsanierung“. Auch die Gelder für die gemeinsame Rettungswache und für die Feuerwehr seien wichtig. Der Vergleich mit den Schulden in anderen Gemeinde hinke, meinte Bürgermeister Jens Müller (UWK) zu Dollrieß kritischer Stimme. „In jeder Kommune stehen andere Investitionen an.“ Hans Resenberger (CSU) verwies auf Bad Heilbrunn. „Die haben über zehn Millionen Euro Schulden, aber ausgelagert“, sagte er in Bezug auf die dortigen Entwicklungen in der Ortsmitte. Außerdem dürfe man nicht übersehen, dass Kochel Vermögenswerte habe.

Haushalt 2025 in Zahlen

Wesentliche Einnahmen: (in Klammern 2024)
Gewerbesteuer: ⇥1,5 Millionen Euro (1,4 Mio)
Einkommenssteuer: ⇥3,1 Millionen Euro (2,9 Mio)
Schlüsselzuweisungen: ⇥1,2 Millionen Euro (757 000 Euro)
Parkgebühren: ⇥541 000 Euro (548 000 Euro)
Kurbetrieb:⇥ 854 00 Euro (841 000 Euro)

Wesentliche Ausgaben:
Kreisumlage: ⇥2,8 Millionen Euro (2,8 Mio)
Personalausgaben: ⇥2,2 Millionen Euro (2,2 Mio)
Unterhalt Parkeinrichtungen: ⇥582 000 Euro
Kurbetrieb: ⇥1,1 Millionen Euro (1,5 Mio)

Investitionen (Auszug):
Feuerwehr Kochel: ⇥250 000 Euro
Rettungswache Berg- und Wasserwacht: ⇥350 000 Euro
Sanierungen in der Schule: ⇥ 700 000 Euro
Toiletten Parkplatz Finkberg: ⇥115 000 Euro
Sanierung Kanal und -netz: ⇥200 000 Euro
Sanierung Hausmülldeponie: ⇥280 000 Euro
Neubau Bauhof: ⇥150 000 Euro
Sanierung Wasserversorgung Urfeld: ⇥200 000 Euro
Generalsanierung Heimatbühne: ⇥25 000 Euro
Wanderwege, Ortstafeln: ⇥40 000 Euro
Rücklagenstand Ende 2025: ⇥3,5 Millionen Euro (3,5 Mio)
Schuldenstand Ende 2025: ⇥9,2 Millionen Euro (6,6 Mio)

Kritik an TI-Chef: „Podcast und Prospekte zu teuer“

Ein zentrales Thema in der Diskussion war auch der Tourismus. Frank Sommerschuh war es wichtig zu sagen, dass er jüngst nicht die Jobs der Angestellten in den beiden Tourist-Infos infrage gestellt habe, sondern die Kritik auf die Abteilungsleitung bezogen hatte. Damit ist Daniel Weickel gemeint, einen Namen nannte der Walchenseer allerdings nicht. Sommerschuh kritisierte „den teuren Podcast“, die „kostenintensiven Broschüren“ und die Tatsache, dass die Wanderwege in einem schlechten Zustand seien, der H2 am Herzogstand sei im Winter sogar gesperrt. „Ich würde nicht die Angestellten in den Tourist-Infos rausschmeißen, sondern den Leiter“, sagte Sommerschuh unverhohlen.

Müller: Wanderwege verbessern

Bürgermeister Jens Müller bemühte sich, die Diskussion zu versachlichen. „Es ist immer blöd, jemanden zu kritisieren, wenn er nicht da ist“, sagte er in Bezug auf Weickel. Prospekte seien wichtig. Und was den Unterhalt von zwei Tourist-Infos anbelange, müsse man sich Gedanken machen. „Ich will hier nicht von Luxus sprechen.“ Müller lobte das Engagement der Mitarbeiterinnen, die derzeit eine Person, die ausfällt, ersetzen.

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In Bezug auf die Wanderwege will Müller jedoch einiges anpacken und berichtete von einem Gespräch mit seinem Amtskollegen in Mittenwald. „Unsere Wanderwege sind wirklich eine offene Flanke und in vielen Punkten nicht optimal.“ In Mittenwald würden sich zwei Gemeindearbeiter um den Unterhalt kümmern. „Aber das kostet natürlich.“ In Kochel sei „vieles Flickschusterei“. Den Unterhalt des Wegenetzes verstehe er als „Kernaufgabe der Gemeinde“, so Müller weiter. Die Gemeinde dürfe „sich nicht davonstehlen“, der Zustand der Wege sei „unser Kapital“.

Müller will Gespräch mit DAV

Die Gemeinde stellt im Haushalt Geld bereit, für Müller ist das jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie er nach der Sitzung unserer Zeitung berichtete, gibt es in Kürze ein Gespräch mit Vertretern des Deutschen Alpenvereins (DAV). Dieser sei nämlich für den H2 am Herzogstand (Talstation - Gipfelhaus) zuständig. Außerdem habe der DAV den Wanderweg am Jochberg saniert, Kosten: rund 200 000 Euro. Dafür gab es Müller zufolge jedoch eine Förderung.

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