Vom Golfplatz in die Wallfahrtskirche: „Gigantisch, hier zu arbeiten“

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Arbeitet an seinem Lieblingsplatz: Heinz Bader ist seit 25 Jahren Mesner von der Mühlfeldkirche und der Heilig-Kreuz-Kirche. © Arndt Pröhl

Heinz Bader ist die gute Seele vom Kalvarienberg. Seit 25 Jahren ist er Mesner der bekannten Tölzer Wallfahrtskirche. Für den 58-Jährigen ein absoluter Traumjob.

Bad Tölz – Seit einem Vierteljahrhundert hegt und pflegt er die Außenanlagen und Gärten, alles im Kircheninneren, dekoriert nach liturgischen Zeiten, koordiniert Handwerkertermine und ist Ansprechpartner für jedermann. Heinz Bader ist seit 2000 der Mesner der Doppelkirche Heilig-Kreuz auf dem Kalvarienberg und der Mühlfeldkirche in Bad Tölz. Sein Beruf erfüllt ihn durch und durch. Es ist die Gottesnähe, die Begegnung mit Menschen, die Heimatverbundenheit und freilich auch der einmalige Panoramaausblick vom Tölzer Kalvarienberg.

„Ich war 16 Jahre lang Greenkeeper, also Fachwirt für Golfplatzpflege und habe mich um den Platz am Strasser Hof gekümmert“, erzählt Bader. Er sitzt auf der Bank neben dem Eingang von der Kalvarienbergkirche und blickt auf die Isar herab. „Ich habe den Job gern gemacht, aber irgendwann gemerkt, dass mich das nicht mehr erfüllt.“ Im April 1999 habe er im Tölzer Kurier in den Stellenanzeigen gesehen, dass ein Mesner für die beiden Kirchen gesucht wird. „Da hab ich mir gedacht, du bist Tölzer, das ist deine Heimat und ich war der Kirche und dem Kalvarienberg schon immer sehr verbunden. Ich habe hier ministriert und schon als Bub fand ich die Vorstellung hier zu arbeiten gigantisch“, sagt Bader und lacht in sich hinein.

Blumenschmuck besonders wichtig

Lang überlegte der heute 58-jährige Familienvater nicht und bewarb sich. „Es gab dann eine Zeit, in der mich mein Vorgänger, der mittlerweile verstorbene Adi Detter, in die Abläufe in beiden Kirchen eingearbeitet hat“, erinnert er sich. „Vieles führe ich in seinem Sinne weiter, er war dem Berg sehr verbunden.“ Aber auch seine eigene Linie hat der Bader Heinz schnell gefunden. „Mir ist der Blumenschmuck ganz besonders wichtig“, meint er mit einem Augenzwinkern. „Wenn alles blüht im Frühjahr, ist das doch einfach schee. Die Kirche muss schon von außen einladen.“ Glücklich mache es ihn, wenn die Leute an den Dahlien, die zwischen Kirche und Kerkerkapelle sind, stehenbleiben.

Der Glaube und die Kirche hatte in Heinz Baders Leben schon immer einen hohen Stellenwert. „In der Kindheit wurde ich damit schon geprägt, aber in der Jugend habe ich dann auch für mich selbst gemerkt, wie wichtig mir das ist.“ Bader schaut zur Kirche und denkt kurz nach. „Die Schönheit des Glaubens an die Auferstehung, das Wissen, dass man geführt und geschützt wird und etwas hat, zu dem man sich in Freude, Not und Krankheit hinwenden kann, ist für mich ein ganz herzliches Gefühl.“

Hier ist kein Stress und es ist mitten am Tag und mitten in der Stadt ruhig. Da kann man alles unten lassen, was man sonst mit sich mit schleppt.

Neben dem Glauben sind es auch die Standorte seiner Wirkungsstätten. „Beide Kirchen sind für mich ganz brutale Kraftorte und hier oben bei Heilig-Kreuz, ja klar, besticht da nochmal die Lage am Berg. Hier ist einfach kein Stress und es ist mitten am Tag und mitten in der Stadt ruhig. Da kann man alles unten lassen, was man sonst so mit sich mit schleppt.“

Familienfreundliche Arbeitszeiten

Obendrein ist es für den Mesner ein Segen, so nah an seinem Zuhause und seiner Familie arbeiten zu können. „Das ist unbezahlbarer Luxus. Ich kann jeden Mittag mit meiner Familie am Tisch sitzen und essen. Sowas kann man sich mit keinem Geld der Welt kaufen.“ Früher, als seine beiden mittlerweile erwachsenen Töchter Maria und Johanna noch zur Schule gegangen sind, sei das für ihn und seine Ehefrau Maria von unermesslichem Wert gewesen. „Wie viele Familien gibt es denn, die jeden Mittag mit den Kindern zusammensitzen können und sie nach der Schule auffangen können. Da haben wir immer über alles geredet und sind dann in den Nachmittag gestartet.“

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Dankbar ist Bader aber auch über den Rückhalt, den er von Zuhause erfährt. „Nur durch das Verständnis meiner Familie kann ich diesen Beruf mit dem Engagement so ausüben. Immerhin sehen bei uns Feiertage und Ferien etwas anders aus, als bei anderen. Da habe ich in den Kirchen einfach sehr viel zu tun, ganz gleich ob Ostern oder Weihnachten.“

Die Osterzeit genießt der Mesner auf dem Kalvarienberg ganz besonders. „Ich richte ja für den Karfreitag immer das Grab Jesu her, das ist für mich jedes Jahr aufs Neue eine ganz ehrenvolle Aufgabe.“ Besondere Freude bereitet dem Mesner neben der Pflege des Kirchgartens auch der Kontakt mit den Menschen. „Am schönsten ist es, wenn man merkt, dass man Menschen, die vielleicht nicht den größten Bezug zur Kirche allgemein haben, etwas Freude am Glauben mitgeben kann. Man denkt oft gar nicht, wie gut man jemanden durch die Kirchengestaltung erreichen kann“, sagt Bader.

Absurde Wünsche von Brautpaaren

Freilich gab es manchmal auch schon Ärger für Bader in den Kirchen. „Mittlerweile bin ich da gelassener, aber früher habe ich mich aufgeregt, wenn Brautpaare in der Kirche heiraten wollten und ich gemerkt habe, dass sie das nur als Eventlocation nutzen.“ Bei Hochzeitsvorgesprächen habe er schon einiges miterlebt. „Das wildeste war einmal, als eine Braut gefragt hat, ob sie auch mit dem Gesicht zu ihren Gästen sitzen kann, damit sie Blickkontakt halten kann. Dem Herrgott hätte sie dann in ihrer Vorstellung ihr Hinterteil zugedreht“, berichtet er kopfschüttelnd.

Tiefe Gefühle löse es bei dem Familienvater aus, wenn er die Gebetszettel um die Muttergottesfigur sehen. „Ich kleide die je nach liturgischer Zeit um. Da sehe ich dann immer einige Zettel, die Menschen mit ihren Gedanken oder Wünschen dort platziert haben“, erklärt er. „Das ist sehr ergreifend, was die Leute, teils auch Kinder, so bewegt.“

Ob skurrile Feierwünsche, lockere Gespräche oder tiefgehende Begegnungen. Heinz Bader ist und bleibt Mesner mit Leib und Seele. „Ich habe, seit ich die Stelle angetreten bin, nie eine Sekunde daran gezweifelt. Ich mache das zu Ehren Gottes und würde auch nie wieder einen anderen Beruf ausüben wollen.“

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