Ein Biber verursacht erhebliche Schäden an Bäumen in Bad Tölz. Eine gemeinsame Initiative von Stadt, Landratsamt und Bund Naturschutz soll nun Abhilfe schaffen. Die Kosten für die Schutzmaßnahmen werden von der Stadt getragen.
Bad Tölz – Sein Appetit ist ungezügelt: In den vergangenen Wochen hat der Biber im Tölzer Stadtgebiet einmal mehr deutliche Spuren hinterlassen. Insbesondere am Isarufer auf Höhe des Eisstockplatzes hinterließ der Nager an etlichen Bäumen erhebliche Bissspuren. Die Stadt Bad Tölz, das Landratsamt und der Bund Naturschutz machen nun gemeinsame Sache, um die Bäume zu schützen. Das erklärt Bürgermeister Ingo Mehner auf Anfrage unserer Zeitung.
„Zum Anschauen ist der Biber putzig, aber wenn er am Werk ist, ist das nicht mehr putzig, sondern er zerstört auch ziemlich viel“, sagt Mehner. An vielen Stellen möge das Wirken der Nagetiere, die natürliche Dämme errichten, von ökologischem Nutzen sein – im Stadtgebiet an der Isar aber eher nicht. Hier sieht es der Bürgermeister nicht ein, dass die Stadt viel Geld für Anpflanzungen und Pflege von Bäumen ausgebe – insgesamt mache der Baumschutz im städtischen Jahreshaushalt einen Posten von jährlich 100 000 Euro aus –, der Biber dann aber ungehindert Bäume beschädigen kann. Gerade an der Isarpromenade sei es wichtig, dass die Bäume im Sommer Schatten spenden und den Menschen ein schönes „Stadtgrün“ bieten. Der Anblick der zusammengebissenen Bäume ärgere ihn.
Jetzt müssen Biberschutzzäune her
Was nun aber zum Schutz der Bäume vor Bibern getan werden muss, und vor allem von wem, das war in Bad Tölz bisher ungeklärt. Nachdem die Biberschäden im Stadtgebiet vergangenen Herbst zugenommen hatten (wir berichteten), hatte die Stadt zum einen darauf verwiesen, dass die betroffenen Flächen dem Freistaat gehören und somit das Wasserwirtschaftsamt zuständig sei. Zum anderen wies das Rathaus darauf hin, dass vonseiten des Freistaats die Ansiedlung des Bibers generell erwünscht sei. Deswegen, so hieß es noch im November, ergreife die Stadt grundsätzlich keine Maßnahmen gegen den Biber.
Wie Mehner berichtet, habe angesichts der jüngsten massiven Biberschäden nun aber der Baumschutzbeaufragte des Stadtrats, Richard Hoch, die Initiative für eine gemeinsame Lösung ergriffen, bei der auch das Landratsamt und der Bund Naturschutz mit im Boot seien. Die Stadt kommt laut Mehner jetzt für die Materialkosten auf, um auf dem gesamten linken Isarufer von der Umgehungsstraßenbrücke bis zur Stadtgrenze beim Einlauf des Einbachs alle Bäume mit Biberschutzzäunen zu versehen. Mehner rechnet mit Kosten im niedrigen vierstelligen Euro-Bereich.
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Das Landratsamt wiederum teilt auf Anfrage mit, dass die Behörde die Mithilfe der Ranger beim Anbringen von Schutzgittern angeboten habe, „um den Baumbestand im Landschaftsschutzgebiet Isarauen zu erhalten“, so Sprecherin Marlis Peischer. Sie fügt allerdings hinzu: „Grundsätzlich sind Baumeigentümer aber für den Schutz ihrer Bäume selbst verantwortlich.“
Und auch Mehner will das Thema noch nicht ganz auf sich beruhen lassen. Er sehe letztlich den Freistaat in der Pflicht, in der „Kollision zwischen Baumschutz und Biberschutz“ eine klare Linie vorzugeben. Darauf wollte er Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) ansprechen. Gelegenheit dazu bot sich am vergangenen Freitag, als Glauber beim ersten Spatenstich für die Erweiterung des Bergwachtzentrums zu Gast war.