Ein Biber ist in Bad Tölz an der Isarpromenade aktiv. Das Tier hat an Bäumen mitten in der Stadt geknabbert. Das sorgt für gemischte Reaktionen.
Bad Tölz – Vielen Spaziergängern ist es schon aufgefallen: An der Tölzer Isarpromenade, auf der gegenüberliegenden Flussseite auf Höhe des „Alten Fährhauses“, hat ein Biber kräftig zugebissen. Ein Bäumchen steht nur noch auf einem dünnen Rest vom Stamm. Eine Seltenheit ist es im Landkreis schon längst nicht mehr, dass der streng geschützte Nager in Aktion tritt – auch mitten im städtischen Bereich ist er längst wieder heimisch.
Mehrere „Biberbäume“ mitten in Bad Tölz: Tiere kommen seit 2004 an der Isar vor
„Der Baum ist uns bekannt, wir hatten auch schon einen Vor-Ort-Termin“, erklärt auf Anfrage Andrea Kröner, im Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim Abteilungsleiterin für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. In den kommenden Tagen sei noch einmal eine Begehung vorgesehen, bei der entschieden werde, ob der Baum aus Sicherheitsgründen gefällt werden muss. Dabei würden Stadt Bad Tölz und WWA eng zusammenarbeiten, sagt Kröner. Auf der gegenüberliegenden Isarseite gebe es einen weiteren „Biberbaum“, den man sich gerade vergangene Woche gemeinsam angeschaut habe.
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„Die ersten Bibervorkommen in der Isar sind seit 2004 aktenkundig“, erklärt Christian Riedl von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. „Damals haben unsere Naturschutzranger Verbissspuren bei Tattenkofen entdeckt.“ In Tölz habe es erste Meldungen um 2012/13 gegeben. „Mit Sicherheit gibt es auch ein Revier am Stausee“, so Riedl.
Populationen im ganzen Landkreis zu finden: Genaue Anzahl an Biber in Bad Tölz nicht bekannt
Populationen seien mittlerweile im ganzen Landkreis zu finden, erklärt Riedl von der Unteren Naturschutzbehörde. Anzutreffen sei der Biber sowohl auf freien Flächen wie dem Loisach-Kochelsee-Moor als auch in ufernahen Wohnsiedlungen. „Biber haben sich im Landkreis als Opportunisten herausgestellt“, so Riedl. „Sie kommen überall dort vor, wo es Gewässer und ausreichend Nahrung gibt. Heuer hatten wir zum Beispiel bereits fünf Biber in Gartenteichen.“
Die genaue Anzahl der Biber in Bad Tölz ist nicht bekannt. Rathaus-Sprecherin Birte Stahl bestätigt lediglich, dass es im Stadtgebiet weitere Bäume mit Nagespuren gebe. „Insgesamt halten sich die Baumschäden durch Biber aber bisher in Grenzen“, sagt sie. Viele der betroffenen Bäume lägen „in Gehölzen, welche der Natur überlassen sind“. Den Baum an der Isarpromenade habe ein Biber wohl als „Futter- oder Knabberbaum“ genutzt, meint Kröner vom WWA. „Das Tier ist intelligent genug, um einzuschätzen, dass es die Isar nicht aufstauen kann“, fügt sie mit einem Lachen hinzu.
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„Der Biber als geschütztes Tier gehört zur Natur und damit auch seine Aktionen“
Grundsätzlich ergreife die Stadt keine Maßnahmen gegen den Biber, so Stahl. „Bei Neupflanzungen wurden die Stämme vereinzelt gegen Verbiss geschützt. Allerdings ist bei der Vielzahl der Bäume entlang der Gewässer ein umfassender Baumschutz nicht möglich.“ Außerdem: „Die Ansiedelung von Bibern wurde in der Vergangenheit vom Freistaat gefördert. Der Biber als geschütztes Tier gehört zur Natur und damit auch seine Aktionen.“
Bei den Menschen stößt das auf geteiltes Echo. Von Biberschäden seien in erster Linie Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft betroffen, so Riedl. „Hier gibt es im Rahmen des Bayerischen Bibermanagements einen Fonds für den Ausgleich von Schäden“, erklärt er. „Leider kommt es aber auch immer wieder zu Schäden im gewerblichen oder im privaten Bereich, wenn durch Biberdämme Wasser aufgestaut und dieses bei Schlagregen nicht mehr abfließen kann“, ergänzt er. Das seien dann unter Umständen Fälle für die Versicherung.
Heuer wurden bislang 27 Biber gefangen oder getötet
Zur Abwendung ernster Schäden oder zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses, wie zum Beispiel Verkehrssicherheit, Abwasserbeseitigung oder Hochwasserschutz ist laut Riedl eine „Entnahme“, also der Fang oder Abschuss, des Bibers erlaubt. Vergangenes Jahr gab es laut Riedl 40 Entnahmen, heuer bislang 27.
Auch bei einem Fall wie an der Isarpromenade seien die Rückmeldungen gegensätzlich, berichtet Riedl. „Wir hatten letzte Woche sowohl eine Beschwerde, dass in Tölz ein Baum vom Biber angebissen wurde, als auch eine Beschwerde, dass derselbe Baum anschließend umgeschnitten und dem Biber somit weggenommen wurde.“
Zugunsten des Bibers führt er ins Feld: „Biber sind unglaublich fleißige Tiere, die die Fähigkeit besitzen, ihren Lebensraum aktiv nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen zu gestalten und zu verändern – allerdings häufig zum Leidwesen der Grundeigentümer. Von diesen, oft mitten in der Kulturlandschaft neu geschaffenen Biber-Biotopen profitiert dafür eine Vielzahl anderer Tier- und Pflanzenarten, die sonst in der immer intensiver genutzten Landschaft keinen Platz mehr finden.“ (ast)