„Schutzstatus herabgestuft“: Klimawandel und Wolf stellen Almbauern vor Herausforderungen

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Lenggries

Kommentare

Berichtete über Alm-relevante Entscheidungen der Politik: AVO-Vorsitzender Sepp Glatz (stehend). Rechts daneben: Bezirksalmbauer Stefan Heiß und der derzeit kommissarische Geschäftsführer Hans Stöckl. © Hias Krinner

Der Klimawandel und die Wölfe stellen eine Herausforderung für die Almbauern dar. Eine Plattform soll ihnen die Arbeit erleichtern.

Lenggries – Der nächste Almsommer ist nicht mehr allzu weit, die Vorbereitungen für den Auftrieb kommen in die Gänge. Der Klimawandel verlange Anpassung, sagte Almfachberaterin Susanne Krapfl vom AELF in Holzkirchen bei der traditionellen Almbauernversammlung am Josefitag unter Leitung des neuen Bezirksalmbauers Stefan Heiß im Gasthaus „d‘ Wirtschaft“ in Lenggries. Auf die oft früh einsetzende Vegetation müsse man individuell mit einem früheren Auftrieb, höheren Stückzahlen oder nach Möglichkeit mit dem Unterteilen größerer Weideflächen in kleinere Koppeln reagieren – „denn sonst wird der Aufwuchs zu alt und von den Tieren dann verschmäht“, führte Krapfl aus. Wer plane, verunkrautetes Weideland durch Schwenden – das Entfernen von Bäumen und Sträuchern – wieder in guten Zustand zu bringen, habe einige Dinge zu beachten, zuallererst aber müsse ein derartiges Vorhaben von der Unteren Naturschutzbehörde abgesegnet werden.

Neues Projekt zur Hilfe auf der Alm

Das Arbeitspensum, das die Almbewirtschaftung mit sich bringt, ist gerade zu Spitzenzeiten oder bei speziellen Unternehmungen nicht immer leicht zu schultern. Margret Hütt kann hier Unterstützung organisieren: Die Gebietsbetreuerin für den Alpenraum im Landkreis mit Sitz am Landratsamt war auch heuer zu Gast in der Josefi-Versammlung des Almbezirks Bad Tölz. Zu Hütts Aufgaben gehört, Bergtouristen für die Bedürfnisse von Flora und Fauna zu sensibilisieren und sich mit den Akteuren vor Ort zu vernetzen. Ein neues Projekt von ihrer Seite sei das „Tölzer Natur Team“, berichtete sie. Es handle sich dabei um eine Freiwilligen-Plattform, in deren Rahmen sich Leute zusammenfinden und Mithilfe bei der Almpflege anbieten. „Sie sehen darin eine sinnvolle Betätigung und finden dabei die ihnen oft fehlende Bewegung“, so Hütt. Bürgermeister Stefan Klaffenbacher sprach über die Managementpläne der FFH-Flächen. Die dazu von der Politik zugesagte Kommunikation mit den Grundbesitzern und die schriftlich fixierte Freiwilligkeit der Maßnahmen lassen zu wünschen übrig. Wer betroffen sei, solle bei der Gemeinde vorsprechen.

Wölfe als Problem und freie Stelle in der Geschäftsführung der AVO

Ein Dauerthema für die Almbauern ist der Wolf. Sepp Glatz, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO), in dem die 14 Bezirksalmbauernschaften vom Werdenfels bis Berchtesgaden gebündelt sind, zeigte sich erfreut, dass vom Europarat der Schutzstatus des Beutegreifers von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft worden ist, was die Entnahme von Problemtieren erleichtere.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt's jetzt auch in unserem regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.)

Ein anderes Thema trifft den AVO in seiner eigenen Führungsebene: Bislang wurde wie in manch anderen Verbänden die Geschäftsführung von einem Beamten der Landwirtschaftsverwaltung mit einem Fünftel seiner Arbeitskraft ausgeübt, zuletzt in Person von Hans Stöckl. Doch hat das Staatsministerium dieses Übereinkommen kurzfristig aufgekündigt – trotz Vorsprache und dem Verweis auf die Gemeinwohl-Aufgaben der Almwirtschaft bezüglich Artenvielfalt, Kulturlandschaft und Tourismus. Das Ministerium übergehe mit seiner Haltung die landeskulturelle Bedeutung der Almwirtschaft, kritisierte Josef Wasensteiner. Vielleicht wolle man den AVO auch schwächen, weil er manchem politischen Zeitgenossen zu viel Gewicht und Einfluss habe. Der AVO hat die Stelle nun ausgeschrieben. Dass es schwierig sei, für diese spezielle Aufgabe die passende Besetzung zu finden, darüber waren sich die anwesenden Bauern einig. (Rosi Bauer)

Auch interessant

Kommentare