Die Kindergarten- und Krippengebühren in Kochel am See werden erhöht. Nach einer kontroversen Sitzung stimmte der Gemeinderat für einen Kompromissvorschlag. Die Entscheidung trifft vor allem Eltern, die ihre Kinder viele Stunden in der Einrichtung lassen.
Kochel am See - Kindergarten- und Krippen-Gebühren sind ein Thema, das viele Eltern bewegt. Dies wurde in der Sondersitzung des Kochler Gemeinderats deutlich. Im Sitzungsaal reichten die vorhandenen Stühle und Bänke für die zahlreichen Zuhörer nicht aus. Und so wurden kurzerhand auch noch die Stühle der nicht anwesenden Gemeinderatsmitglieder in den Zuschauerraum verschoben. Nach einer einstündigen kontroversen Sitzung stimmten die Räte mit großer Mehrheit für einen Kompromissvorschlag.
„Krippengebühren waren bisher deutlich zu günstig“
Bürgermeister Jens Müller skizzierte das Dilemma, in dem die Gemeinde steckt. So sind auch in der KoKiTa die Personalkosten zuletzt rasant gestiegen. Bezahlte die Gemeinde 2023 noch 731 000 Euro an Gehältern, so waren es im vergangenen Jahr 833 000 Euro. Die Gesamtausgaben lagen bei 1,54 Millionen Euro, das Defizit bei 529 000 Euro. „Vor allem die Krippengebühren waren bisher deutlich zu günstig“, befand Müller. Bei einer Buchungszeit von 20 bis 25 Wochenstunden mussten die Eltern bislang 250 Euro pro Monat bezahlen, für 40 bis 45 Wochenstunden 350 Euro. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung, die Gebühren deutlich zu erhöhen. Vor allem waren die Räte der Meinung, dass es keinen „Mengenrabatt“ mehr geben soll, sondern einen linearen Anstieg.
Elternbeirat wehrt sich gegen Erhöhung
Dies trifft vor allem Vielbucher. So sollte laut dem ersten Entwurf die Gebühr für Krippenkinder mit 40 bis 45 Wochenstunden auf von 350 Euro auf 653,40 Euro steigen. In der Sitzung vom 22. April senkte der Finanzausschuss den Betrag auf 576 Euro ab. Ein entsprechendes Schreiben erhielt der Elternbeirat – der sich gegen diese Erhöhung wehrte. Müller berichtete, es habe zu diesem Thema einen „sehr ehrlichen Meinungs-Austausch“ zwischen vier Elternbeiräten, der Verwaltung und Jugendreferentin Rosi Marksteiner gegeben. Die Konsequenz waren drei verschiedene Gebührenmodelle: der Vorschlag des Finanzausschusses (Maximal-Gebühr 576 Euro), des Elternbeirats (419 Euro) und der Kompromissvorschlag (480 Euro). Zu berücksichtigen sei der Kindergartenzuschuss von 100 Euro je Kind und das Familiengeld von 250 Euro, das die Eltern pro Kind erhalten. Müllers Schlussfolgerung: „Die Kinder können zu vertretbaren Preisen in die Krippe gehen.“
Auswirkungen auf Gemeindefinanzen
Der Bürgermeister erläuterte, welche Auswirkungen die drei Modelle auf die Gemeindefinanzen haben. So nimmt die Gemeinde derzeit 254 000 Euro pro Jahr über Kindergarten- und Krippengebühren ein. Mit dem Modell des Finanzausschusses würden die Einnahmen auf 313 000 Euro steigen. Das gestaffelte Modell der Eltern brächte Einnahmen von 276 000 Euro (2025) und 292 000 Euro (2026). Beim Kompromissvorschlag würden die Einnahmen auf 300 000 Euro steigen.
„Erhöhung löst das Problem nicht“
Die Meinungen über den richtigen Weg gingen im Gremium weit auseinander. „Ich bin gegen die Erhöhung, weil es das Problem nicht löst“, kommentierte Eduard Pfleger (Junge Liste). Bei der Ganztagsbetreuung werde immer mehr auf die Gemeinden abgewälzt. Er forderte eine stärkere Beteiligung von Bund und Land. Mathias Graf (CSU) dagegen befürwortete die Erhöhung, „auch wenn ich dafür Prügel beziehe. Aber ich muss das Wohl der ganzen Gemeinde im Blick haben.“ Angesichts einer Kostendeckung von zehn Prozent funktioniere das Modell der Wirtschaftlichkeit bei Kindergärten ohnehin nicht, befand Klaus Barthel (SPD): „Wir müssen sozial denken“, weshalb er für den Vorschlag des Elternbeirats plädierte. Die Kosten für die Kinderbetreuung hätten in Kochel bislang weit unter dem Landkreis-Durchschnitt gelegen, gab Max Leutenbauer (CSU) zu bedenken. Dies bestätigte Jens Müller: „Wir haben das Thema schleifen lassen, und daher haben wir jetzt diese Erhöhungs-Diskussion.“ Dem widersprach Maria Bäck (UWK): „Wir haben die Gebühren letztes Jahr schon um 35 bis 40 Prozent erhöht, daher werde ich auf keinen Fall mitgehen.“
Drei Stimmen gegen Kompromissvorschlag
Frank Sommerschuh (FWG) sagte, er sei für Alte, Junge, Frauen, Männer und Diverse gleichermaßen da. Er befürworte den Kompromissvorschlag. Für diesen warben auch Rosi Marksteiner (Mitte) und Sonja Mayer: „Das ist ein Entgegenkommen für beide Seiten.“ Letztlich stimmten nur Klaus Barthel, Eduard Pfleger und Maria Bäck gegen den Kompromiss.