Es war ein Mammutprojekt: Doch jetzt ist die Sanierung des Lehrschwimmbeckens in der Realschule nahezu abgeschlossen. Die Turnhalle ist bereits in Betrieb.
Bad Tölz – Die Geschichte der Sanierung von Schwimmbad und Turnhalle in der Tölzer Realschule besteht aus einer Aneinanderreihung größerer und kleinerer Katastrophen. Doch tatsächlich stehen die Arbeiten kurz vor dem Abschluss. Die Turnhalle ist bereits seit einiger Zeit nutzbar, das Schwimmbad geht zum neuen Schuljahr in Betrieb. Das Erstaunlichste: Die Kosten liegen mit 9,85 Millionen Euro um einiges unter dem prognostizierten Wert, wie Hauptamtsleiter Christoph Bauer dem Kreis-Schulausschuss am Montag bei einem Ortstermin erläuterte. „Ich hätte dagegen gewettet, dass wir das für dieses Geld schaffen.“
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Wasser im Putzraum und bei den Probebohrungen
Freilich war man 2021 nur von rund 6 Millionen Euro ausgegangen. Da dachte man noch, dass es nur um die Renovierung des in die Jahre gekommenen Lehrschwimmbeckens geht. Dort stand eine umfangreiche Betonsanierung an. Dafür musste der Gebäudeteil in den Rohbauzustand versetzt werden. Dazu kamen energetische Maßnahmen und die Erneuerung des Beckens samt Technik. 2022 ging man bereits von Kosten in Höhe von knapp 8 Millionen Euro aus. In der benachbarten Turnhalle war eigentlich nur eine kleinere Maßnahme geplant. Dann stieß man auf Wasser, das in einem Putzraum stand – und auf noch mehr Wasser, als man Probebohrungen machte. Über Jahre war Feuchtigkeit durch Nässe, die sich hinter dem in den Hang gebauten Gebäude staute, eingedrungen. Unter dem Hallenboden hatte das zu Schimmelbildung geführt. Die Folge: Alles musste raus.
Viele unkonventionelle Lösungen, die aber funktionieren
Auf 10,37 Millionen Euro stiegen die prognostizierten Kosten zwischenzeitlich. Angesichts der Vorstellung, die Turnhalle könnte eine komplett neue Bodenplatte brauchen, wurden einige Kreisräte mit Blick auf die Kosten ganz blass. Stattdessen ersannen die Bauexperten aus dem Hauptamt und von den beteiligten Firmen unkonventionellere Lösungen, die aber gut funktionierten. Auf die setzte man auch, als Starkregen und Hagel 2024 für einen Wassereinbruch im Gebäude sorgten. In der Lüftungszentrale mussten Estrich und Dämmung wieder ausgebaut werden. Im Umkleide- und Duschbereich wäre das deutlich aufwendiger gewesen. Stattdessen wurde mittels Trocknungsbohrungen und einer Belüftung mit Unter- beziehungsweise Überdruck der Bodenaufbau getrocknet. Die vorsorglich eingeplante halbe Million Euro wurde nicht benötigt. Allerdings wurden weitere Maßnahmen notwendig, um solche Unwetterschäden künftig zu vermeiden. Unter anderem wurden Regen- und Schmutzwasser voneinander entkoppelt.
Architekt: „Wir haben viel Pech gehabt“
„Wir haben viel Pech gehabt“, fasste es Architekt Thomas Baldauf zusammen. „Aber eigentlich war es auch Glück, dass alles zumindest während der Bauphase passiert ist.“ Bauers Dank galt allen an der Sanierung Beteiligten. „Und Danke auch an die Schulen für die Geduld.“ Die freuen sich, dass ab September wieder Schwimmunterricht im eigenen Haus möglich ist, wie Kreisrat Klaus Koch, Leiter des Förderzentrums auch im Namen von Realschul-Leiter Klaus Förster betonte. „Für uns ist der Schwimmunterricht wahnsinnig wichtig, auch weil immer mehr Kinder nicht schwimmen können.“ Die Entscheidung des Landkreises, in das Lehrschwimmbecken zu investieren, sei richtig gewesen. „Und wir sind dafür sehr, sehr dankbar“, so Koch.
Weiter geht es mit der Aula
Das 20 Meter lange Becken aus Edelstahl ist bereits mit Wasser gefüllt und sah beim Ortstermin äußerst einladend aus – genauso wie die neuen Umkleiden und Sanitäranlagen. Das Chlor im Wasser wird in der Technik-Etage unter dem Becken mittels Elektrolyse aus Kochsalz gewonnen. Die Vorteile: Es gibt keine gereizten Augen bei den Schwimmern, und niemand muss mit dem Gefahrstoff Chlor hantieren, wie Planer Christian Schuhmacher erläuterte.
Im Zuge der ebenfalls seit Jahren laufenden Teilgeneralsanierung von Real- und Förderschule (Kosten: 16,1 Millionen Euro) steht noch eine Maßnahme auf dem Programm. Die Realschul-Aula bekommt einen neuen Boden, neue Radiatoren, ein behindertengerechtes WC, eine mobile Trennwand und wird energetisch auf Stand gebracht. „Wir fangen in den Pfingstferien an“, sagte Bauleiter Albert Huber. Zum neuen Schuljahr soll die Aula in Betrieb gehen. Noch etwas länger wird die sich der Umbau des Kiosks ziehen. Nach den Herbstferien soll aber alles fertig sein.