Kochel plant eine starke Anhebung der Kita-Gebühren. Viele Eltern bereitet das Kopfzerbrechen. Der Gemeinderat entscheidet am Montag.
Kochel am See – Bei dieser Ankündigung mussten einige Kochler Eltern erst einmal schlucken. Denn die Kita-Gebühren in der gemeindlichen Kochler Kindertagesstätte (KoKiTa) sollen steigen. Je nach Buchungszeit durchaus beträchtlich. Am Montag wird sich der Gemeinderat damit befassen.
Wer sein Kleinkind täglich von 8 bis 16 Uhr in der Krippe betreuen lassen möchte, zahlte bisher 325 Euro im Monat. Werden die Preise nach der vorgesehenen Tabelle erhöht, lägen die Kosten zum neuen Kita-Jahr bei 580 Euro. Kathrin Stangl, deren Sohn die Kita besucht, ist besorgt. „Diese Entwicklung stellt eine erhebliche finanzielle Belastung für Familien dar, insbesondere für solche mit mittlerem oder geringem Einkommen.“ Für sie steht dies in direktem Widerspruch zu den politischen Zielen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken und mehr Frauen die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. „Wer sich die Betreuung kaum leisten kann, wird zur Teilzeit oder gar zum Rückzug aus dem Berufsleben gedrängt“, sagt Stangl. Die Einrichtung in Kochel selbst sei großartig, sie würde sich allerdings wünschen, dass sich Verwaltung und Gemeinderäte in die Situation von Eltern und Familien versetzen und dann mit Augenmaß entscheiden. „Es gibt sicherlich die Möglichkeit eines guten Kompromisses für beide Seiten.“
„Unverhältnismäßig hoch“
Der Elternbeirat bat Bürgermeister und Verwaltung um ein Gespräch und eine Verlegung des Tagesordnungspunkts, der ursprünglich in der April-Sitzung vorgesehen gewesen wäre. Man habe Verständnis, dass tarifliche Lohnsteigerungen, Kostenentwicklung und Energiepreise eine Anpassung erforderlich machen, schreibt der Elternbeirat der „KoKiTa“ in einer Stellungnahme. Allerdings sei die geplante Gebührenerhöhung „aus unserer Sicht unverhältnismäßig hoch“. Dies könne einkommensschwache Familien vor „erhebliche finanzielle Herausforderungen stellen“. Die Gemeinden müssten Betreuungsplätze gewährleisten, auch dann, wenn Kitas nicht kostendeckend betrieben werden können. „Kinder sind schließlich unsere Zukunft.“ Der Elternbeirat hat die Preise aus den umliegenden Gemeinden verglichen. Mit der neuen Gebührenordnung wäre Kochel hier an der Spitze. Daher habe man die Verwaltung gebeten, zu prüfen, ob nicht eine Staffelung der Gebührenerhöhung über die nächsten Jahre möglich wäre. Auch wünsche sich der Elternbeirat eine transparentere Offenlegung der Kalkulationsgrundlage.
Im Nachgang des Gesprächs schlug der Elternbeirat der Gemeinde eine in seinen Augen vertretbare Erhöhung der Gebühren vor. Diese würden im Laufe der kommenden zwei Jahre in der Krippe um 60 bis 65 Prozent und im Kindergarten um 20 bis 25 Prozent erhöht werden. Dies wäre „ausreichend und angemessen“. Für die Zukunft wünsche man sich, „dass einmal jährlich ein Trägertreffen zwischen Bürgermeister, Leitung Kita und Vertretern des Elternbeirats stattfindet. Damit wir gemeinsam zum Wohle der Familien und Kinder unserer Gemeinde an einem Strang ziehen“, schreibt der Elternbeirat.
Bürgermeister: „Nehmen Sorgen sehr ernst“
Die Sorgen der Eltern und Kinder würden von Rathaus und Gemeinderat sehr ernst genommen, schreibt Bürgermeister Jens Müller auf Anfrage. „In bestimmten Kategorien, die in der aktuell noch gültigen Kalkulation kostenmäßig ‚unterrepräsentiert‘ waren, muss es aber leider zu sehr deutlichen Preiserhöhungen kommen.“ Der Gemeinderat müsse eine Abwägung treffen, die sowohl das wirtschaftliche Handeln als auch die Belastbarkeit der Eltern berücksichtige. Man habe sowohl die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit als auch die berechtigten Sorgen und Wünsche der Eltern im Blick. „Ich bin mir sehr sicher, dass der Gemeinderat am kommenden Montag eine Erhöhung beschließen wird, die für alle Beteiligten – Gemeinde wie Eltern – gerade noch verträglich ist.“
Die Sitzung des Gemeinderats am Montag beginnt um 19 Uhr im Rathaus Kochel.