Antrag der Rektorinnen am Schulcampus Dachau-Ost wird im Familien- und Sozialausschuss nur teilweise genehmigt.
Dachau – An der Mittelschule an der Anton-Günther-Straße in Dachau-Ost wird der Pausenhof mit einem Zaun eingefriedet. Bei der benachbarten Grundschule, die gerade mit einem großen Um- und Neubau erweitert wird, ändert sich dagegen nichts: Dort ist der rückwärtige Bereich in Richtung Thiemann-Anlage seit langem eingezäunt, entlang der Anton-Günther-Straße bleibt der Schulhof offen. So haben es die Stadträte am Mittwoch im Familien- und Sozialausschuss mit großer Mehrheit beschlossen.
Gemeinsames Schreiben der beiden Schulen
Anlass für diese Entscheidung war ein Schreiben der Schulgemeinschaft beider Schulen, mit dem die Schulleiterinnen Andrea Noha für die Grund- und Alice Nüßl für die Mittelschule die „Errichtung eines Zauns zur Absicherung des Schulgeländes“ beantragt hatten.
Gründe führten die Schulleiterinnen ausführlich auf, diese reichen von Drogenhandel auf dem Schulgelände über Vandalismus, fremde Personen, Hunden und querenden Fahrzeugen auf dem Schulhof auch während der Pausen bis hin zu Unrat und Müll gerade nach Wochenenden, an denen auf dem Schulgelände gegrillt und Party gefeiert wird. Probleme, die beide Schulen betreffen, sodass mit der Entscheidung der Stadträte am Ende dann nur Mittelschulrektorin Nüßl zufrieden war. Grundschulleiterin Andrea Noha verließ die Sitzung dagegen „sehr enttäuscht“.
Schon in der Vergangenheit wurde im Stadtrat über Zäune an Schulen kontrovers diskutiert, die Einfriedung des Schulareals in Dachau-Ost wurde bisher stets abgelehnt. Auch diesmal hat sich das Gremium die Entscheidung nicht leicht gemacht, gut eine Stunde wurde intensiv diskutiert. Die Frage war, ob nach entsprechenden Vorschlägen der Verwaltung Grundschule, Mittelschule oder beide Einrichtungen eingefriedet werden sollen, vorgeschlagen war ein Zaun in üblicher Höhe von 1,20 bis 1,40 Meter. In jedem Fall braucht es mehrere Tore, im Bereich der Grundschule müssten diese von Sportlern auf dem Weg zur dort benachbarten Turnhalle auch abends und am Wochenende passiert werden können.
Ein Zaun bietet nur „vermeintliche Sicherheit“
Den Wunsch der Schulleiterinnen nach einer Einfriedung unterstützte Schulreferentin Katja Graßl (CSU) nachdrücklich. Ziel sei, „in einem zunehmend komplexen Umfeld Sicherheit und Schutz der Schüler zu gewährleisten“. Ein Zaun, so Graßl, „ist kein Symbol der Abschottung, sondern von Wertschätzung“.
Fürsorge, Wertschätzung und gute Lernbedingungen seien auch der SPD wichtig, betonte Fraktionssprecherin Anke Drexler. Doch ein Zaun biete nur „vermeintliche Sicherheit“, halte Spaziergänger ab, verhindere aber nicht Unrat und Vandalismus. Die SPD plädierte daher für einen Zaun an der Mittelschule, wo auch die Schüler so eine Einfriedung gefordert hatten. An der Grundschule will man dagegen die Fertigstellung des Neubaus abwarten, „und dann ausprobieren“. Dies auch mit Blick auf die Kosten, die sich bei Zäunen um beide Schulen auf rund 200 000 Euro belaufen würden.
Ein Vorschlag, der breite Unterstützung fand. An der Grundschule gebe es bereits eine optische Abgrenzung mit begrünten Elementen zur Straße hin, so Sabine Geißler (Bündnis für Dachau). Ingrid Sedlbauer (ÜB) fürchtet zudem bei einem Zaun um die Grundschule Schwierigkeiten beim Zugang zur Turnhalle, die auch am Wochenende von Vereinen genutzt werde.
Doch es gab andere Meinungen: „Angesichts der besonderen Schulsituation in Dachau-Ost“ plädierte Brigitte Hinterscheid (SPD) für die „Komplettlösung, damit würden 90 Prozent der Probleme wegfallen.“ Ihre SPD-Kollegin Sylvia Neumeier dagegen war wiederum gegen jede Umzäunung und forderte eine Schülerbefragung. Skeptisch äußerte sich auch Elisabeth Zimmermann (CSU), die betonte, „dass wir bald alles einzäunen, das kann es nicht sein!“
Vor der Abstimmung kam als Jugendreferent des Stadtrats Berkay Kengeroglu (SPD) zu Wort, der sich für eine Einfriedung beider Schulen aus㈠sprach. „Die Gesellschaft hat sich geändert, es braucht einen Zaun. Nicht um die Schüler einzusperren, sondern um sie zu schützen.“
Offenheit bringt Vandalismus mit sich
Engagierte persönliche Stellungnahmen trugen auch noch einmal die Rektorinnen vor. Der offen gestaltete Schulcampus rufe Vandalismus hervor, betonte Grundschulleiterin Noha. Glasscherben und Hundekot sei „keine schöne Umgebung für Grundschulkinder“. Mit Blick auf den Schulneubau in Karlsfeld, wo eine Umzäunung der vorbildlichen Außenanlage nachgerüstet wurde, warnte sie: Ohne Zaun um die Dachauer Grundschule „brauchen unser Neubau und der dort geplante schöne Spielplatz nach 14 Tagen eine Generalüberholung“.
Die Kinder im Viertel seien benachteiligt, sagte ihre Mittelschul-Kollegin Nüssl. Umso mehr bräuchten sie an der Schule „ein Zuhause, das geschützt ist vor Vandalismus“. Doch eine Gesamtlösung mit Zaun um beide Schulen erhielt mit nur vier Ja-Stimmen keine Mehrheit. Geplant wird nun eine Einfriedung der Mittelschule im Süden und Osten.
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