Tölzerin feiert 100. Geburtstag: Familie erfüllt der leidenschaftlichen Bayerin besonderen Wunsch

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Die Tölzerin Anni Braun feierte ihren Geburtstag im „Tölzer Bräustüberl“. Die ersten Gratulanten waren Enkel Simon Lindmayr (re.), dessen Verlobte Steffi Eiler (li.) und Tochter Barbara Spielmann. © Privat

Anni Braun aus Bad Tölz hat mit ihrer Familie bei bester Gesundheit einen seltenen runden Geburtstag gefeiert. Ein kleines Wunder: Bis heute kommt sie ohne Tabletten aus.

Bad Tölz – Gesund das 100. Lebensjahr ohne jedes Medikament zu vollenden – das ist schon ein kleines Wunder. Die gebürtige Tölzerin Anni Braun hat es geschafft. Am vergangenen Freitag beging sie diesen außergewöhnlichen runden Geburtstag im engsten Familienkreis, mit Tochter Barbara Spielmann, Enkel Simon Lindmayr und dessen Verlobter Steffi Eiler. Wie es sich die leidenschaftliche Bayerin gewünscht hatte, wurde mit Bier, Schweinsbraten und Schmalznudeln im Biergarten des „Tölzer Bräustüberls“ am Mühlfeld gefeiert – dem Viertel, in dem sie aufgewachsen ist.

Rückkehr nach Bad Tölz war Anni Brauns ganzes Glück

Zu den Gratulanten zählten auch Stadtrat Karsten Bauer und Bettina Emmrich, die Leiterin des benachbarten Josefistifts. Dort lebt die Jubilarin schon seit einigen Jahren und fühlt sich sehr wohl. Anni Braun freute sich sehr über die Glückwünsche, obwohl sie eigentlich vom hohen Lebensalter nicht so begeistert ist. „I mag doch no koa altes Weib sein“, sagte sie und schmunzelte.

1924 wurde sie als Tochter eines Polizisten im Traditionshaus „Herrn unterm Turm“ geboren und erlebte die Kriegsjahre in Tölz. Ihre Mutter führte lange Jahre erfolgreich das „Möbelhaus Niedernhuber“ am Ried, das vielen älteren Tölzern noch wohlbekannt sein dürfte. Nach einer Ausbildung und Arbeit als Textilfachverkäuferin in München, im heutigen Kaufhaus Beck am Rathauseck, lernte Anni auf dem Oktoberfest in München ihren Philipp kennen, einen Berufssoldaten, den sie 1958 heiratete und mit dem sie Tochter Barbara bekam. Mit der Heirat begann ein mit vielen Umzügen an unterschiedliche Standorte in Deutschland behaftetes Leben. Ihr Mann machte Karriere als Offizier bis hin zum Oberst der Artillerie, was ständige Ortswechsel mit sich brachte. Die Ferien verbrachte Braun jedoch immer in Tölz im Haus ihrer Mutter in der Ludwig-Thoma-Straße. Dorthin zog das Ehepaar nach der Pensionierung in den 1980er-Jahren dann auch ein.

100. Geburtstag: Lebensfreude hält bis heute an

Die Rückkehr in ihr Tölz war Annis ganzes Glück. Täglich ging sie zum Einkaufen zu Fuß in die Marktstraße, versorgte liebevoll Haus und Garten und traf sich bei jedem Wetter morgens mit ihren Freundinnen aus der Nachbarschaft zum Gassigehen mit dem Hund und zum Ratschen. Familie Braun führte stets ein offenes Haus, in dem man sich gerne und viel traf, nicht zuletzt wegen Annis bekanntem Humor und der Geschichten, die sie wie keine andere erzählen konnte. Die passionierte Köchin und Gastgeberin war da ganz in ihrem Element. Ebenso sang sie ausgesprochen gut und viel, mit oder ohne Publikum. Sie verkörperte die bayerische Lebensart, Sprache und Kultur, und sie liebte ihr Tölz. Es gab keine Leonhardifahrt oder Fronleichnamsprozession, an der sie nicht dabei war, ebenso selbstverständlich für die gläubige Katholikin wie die sonntäglichen Kirchgänge.

Noch mit 90 Jahren Buchhaltung selbst erledigt

Die Versorgung von Mann und Tochter, ein intaktes Familienleben und harmonisches Miteinander standen für den Familienmenschen Anni Braun immer an erster Stelle. Das i-Tüpfelchen des Familienglücks und Lebenselixier für sie war die Geburt von Enkel Simon Lindmayr 1993, heute Steuerberater in Bad Tölz.

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Der plötzliche Tod ihres Mannes 2006 traf sie schwer, sie ließ sich dennoch nicht unterkriegen. Mit ihrer Disziplin versorgte sie noch lange gewissenhaft den Haushalt und erledigte sogar mit über 90 Jahren noch Buchhaltung und Banküberweisungen selbst. Erst 2017 zog sie ins Josefistift, wo sie sich nach wie vor sehr wohlfühlt und bestens betreut wird. Die liebevoll-freundliche Versorgung durch das Pflegepersonal und die regelmäßigen Besuche der Familie erhielten ihr die Lebensfreude bis heute. Im Heim ist sie sehr beliebt und bekannt als stimmgewaltige und textsichere Sängerin bei jeder Gelegenheit, die sich bietet. (bs)

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