Bürgerversammlung in Wangen: Einstimmig gegen Gewerbegebiet

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Volles Haus in der Wangener Mehrzweckhalle: Knapp 80 Einwohner kamen am Dienstagabend zur Ortsteilbürgerversammlung mit Bürgermeister Patrick Janik (l.). Am Mikrofon der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, Manfred Abele. © Andrea Jaksch

Die Ortsteilbürgerversammlung in Wangen hat am Dienstag ein deutliches Ergebnis gebracht. Einstimmig sprachen sich die knapp 80 anwesenden Bürger dafür aus, die Planungen für das neue Gewerbegebiet Schorn einzustellen. Es war nicht das einzige Thema, das die Menschen bewegt.

Wangen – Die Planungen für das Gewerbegebiet Schorn standen im Mittelpunkt der Ortsteilbürgerversammlung am Dienstag in Wangen. Knapp 80 Einwohner kamen in die Mehrzweckhalle, in der Stadtbaumeister Stephan Weinl den aktuellen Stand präsentierte. Überzeugen konnten er und Bürgermeister Patrick Janik die Anwesenden damit aber nicht – zu groß sind nach wie vor die Bedenken, vor allem was die Zunahme des Straßenverkehrs betrifft.

„Wir in Wangen möchten nicht dafür sorgen müssen, die finanziellen Probleme der Stadt Starnberg zu beheben“, sagte der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, Manfred Abele, und fügte mit Blick auf die erwarteten Gewerbesteuereinnahmen hinzu: „Das Geld wird auch nicht bei uns in Wangen ausgegeben.“ Wie groß die Ablehnung ist, wurde wenig später deutlich: Einstimmig unterstützte die Versammlung zwei Anträge der Grünen-Stadträtin und Vorsitzenden der Bürgerinitiative Schorn, Dr. Ursula Lauer, die unter anderem einen sofortigen Stopp der Planungen für das Gewerbegebiet fordern. So solle Schaden von der Bevölkerung abgewendet werden, sagte Lauer. Außerdem seien dort mehr als 40 Vogelarten gefunden worden.

In erster Stufe maximal 3000 Arbeitsplätze

Bekanntlich plant die Stadt das Gewerbegebiet nicht mehr auf der ganzen, ursprünglich geplanten Fläche von rund 47 Hektar, sondern in Abschnitten – wobei Weinl und Janik am Dienstag offen ließen, ob auf Stufe eins noch zwei weitere Ausbaustufen auch tatsächlich folgen. Das dürften davon abhängen, ob das Verkehrskonzept funktioniert und wie groß die Nachfrage ist. Der erste Bauabschnitt umfasst elf Hektar Gewerbefläche plus ein Hektar Sondergebiet (zum Beispiel Einkaufsmöglichkeiten für die Beschäftigten), sämtliche Ausgleichsmaßnahmen auf 7,8 Hektar und den Halbanschluss an die Autobahn A 95 aus und in Richtung München. Es gehe um „maximal 3000 Arbeitsplätze“, sagte Weinl. Der Antrag, die Fläche aus dem Landschaftsschutz zu nehmen, liege dem Landkreis bereits vor.

Für die Auswirkungen auf den Straßenverkehr gebe es ein Verkehrsgutachten. Das gehe in der ersten Baustufe von 3000 zusätzlichen Fahrten pro Tag als Ziel- und Quellverkehr aus – davon etwa 1500 auf der Autobahn, skizzierte Weinl. 760 Fahrten würden über die bestehende Rampe Richtung München ins Gewerbegebiet nutzen. Wer von Süden aus zu dem Gewerbegebiet will, muss jedoch durch den Ortsteil fahren. Das dürften die verbleibenden 740 Fahrten sein.

Der Gutachter rechne mit einer Zunahme des Verkehrs in Wangen von 60 Prozent in der Morgenspitze und 35 Prozent am Abend, sagte Weinl: „Das ist natürlich mehr Verkehr als jetzt, aber Sie müssen kein Chaos befürchten.“ Es gebe auch Möglichkeiten, den Verkehr zu drosseln und Schorn über eine neue Buslinie anzubinden. Erst wenn klar sei, dass dieser erste Bauabschnitt funktioniere, könne über eine Erweiterung nachgedacht werden, betonte Patrick Janik. Auch erst dann könne – wenn überhaupt – über einen Vollanschluss an die Autobahn mit dem Bund verhandelt werden.

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Der Bürgermeister ließ an der Notwendigkeit eines neuen Gewerbegebiets aus seiner Sicht keinen Zweifel. Die Stadt Starnberg benötige weitere Einnahmen aus der Gewerbesteuer, um die Aufgaben der Zukunft zu finanzieren. Darüber hinaus wolle er aber auch einheimischen Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen, die es in der Stadt nicht gebe. Den Vorwurf, intakte Natur zu zerstören, ließ er nicht gelten. „Natürlich ist die Versiegelung ein Thema“, sagte er. Es handele sich aber um intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen in unmittelbarer Nähe zur Autobahn. „Natur ist nicht gleich Natur“, so Janik.

Darstellung des neuen Gewerbegebiets Schorn
Diese Darstellung zeigt die aktuellen Überlegungen zur stufenweisen Entwicklung des neuen Gewerbegebiets Schorn: In einem ersten Abschnitt sollen die Gebäude (rechts) entstehen sowie die Infrastruktur und die Verkehrsanbindung über den Halbanschluss an die Autobahn A 95 mit anschließendem Kreisverkehr (linke Seite). Die grau gekennzeichneten Gebiete sind Optionsflächen für eine künftige Entwicklung. © Stadt

Die Anregungen und Bedenken aus der ersten öffentlichen Auslegung würden derzeit im Rathaus bearbeitet, sagte Stephan Weinl. Dann werde das Thema wieder öffentlich behandelt. Auf die Frage von Manfred Abele nach einem Zeitplan antwortete Patrick Janik: „Ich traue mich nicht, eine Prognose abzugeben.“ Er hoffe jedoch auf einen Baubeginn in zwei Jahren. Auf die Anregung aus Reihen der Dorfgemeinschaft, auf der Fläche statt eines Gewerbegebiets einen riesigen Solarpark zu bauen, der ebenfalls Gewerbesteuer abwerfe, verwies der Bürgermeister auf die geplante Freiflächenfotovoltaikanlage am Autobahndreieck Starnberg. Dennoch nahm die Versammlung auch zum Bau eines Solarparks einstimmig einen Bürgerantrag an, mit dem sich der Stadtrat demnächst beschäftigen muss.

Wangen fühlt sich ignoriert

Das geplante Gewerbegebiet Schorn war bei Weitem nicht das einzige Thema, das die Bürger am Dienstag interessierte. Und schnell wurde deutlich: „Wir fühlen uns manchmal ignoriert“, sagte Manfred Abele, der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, und nannte Beispiele. So habe es vier Jahre gedauert, bis die Toilette in der Mehrzweckhalle saniert worden sei. Bei anderen Punkten gehe gar nichts voran, kritisierte Abele und nannte Themen, die noch von der Ortsteilbürgerversammlung im Januar 2023 herrührten: „Bei der Dorferneuerung ist außer viel Papier nicht viel übrig geblieben. Die Wildmoosstraße sieht aus wie ein Schweizer Käse. Und wir haben auch nicht viel davon gemerkt, dass der Verkehr auf der Olympiastraße stärker kontrolliert worden wäre.“ Auch bei der fehlenden Straßenbeleuchtung passiere nichts.

Das ständige Nachfragen in der Verwaltung sei eine zähe Sache, sagte Abele. „Wir sind auch Starnberger Bürger und möchten ungern ignoriert werden.“ Zahlreiche Anträge der Dorfgemeinschaft zu diesen und weiteren Themen wie dem Versetzen der Bushaltestelle, dem Fahrradverkehr auf der Olympiastraße oder dem Ausbau des Glasfasernetzes in Wangen nahm die Bürgerversammlung jeweils einstimmig an. Sie müssen nun den Stadträten vorgelegt werden.

Immerhin bei der Wildmoosstraße brachte Bürgermeister Patrick Janik eine mögliche Lösung ins Spiel. Nachdem Stadtbaumeister Stephan Weinl die Kosten für eine vollständige Herstellung mit rund 350 000 Euro angegeben hatte, dachte Janik laut über eine Ertüchtigung der Deckschicht nach, die deutlich günstiger sei, allerdings auch nicht so lange halte wie eine Komplettsanierung. „Das ist immerhin besser als eine Flickschusterei“, sagte er. „Das hält vielleicht nicht 30, aber immerhin zehn Jahre.“

Die Dorferneuerung hänge wesentlich vom künftigen Standort des Feuerwehrhauses ab, der allerdings noch nicht feststehe, sagte Stephan Weinl. Ein Kreisel an Stelle der Kreuzung an der Olympiastraße benötige mit 24 Metern Durchmesser viel Platz. Es gebe allerdings auch die Möglichkeit, mit Verkehrsinseln und Fahrradschutzstreifen den motorisierten Verkehr zu bremsen, sagte er. Und was die Sanierung der Mehrzweckhalle betreffe, so werde im Februar ein Planer beauftragt.

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