„Ich wollte eigentlich immer nur Musik machen“, sagt Felix Kohlscheen. Der 27-jährige Landsberger ist einer der diesjährigen Kulturförderpreisträger des Landkreises. Mit seiner Musik belebt er die hiesige Kulturszene, mit seinen Texten macht er auf Probleme aufmerksam.
Landsberg – „Ich hab mit sechs Jahren angefangen, Gitarre zu lernen“, erzählt Felix – allerdings nicht bei einem Profi. „Ich war aber nie wirklich ein Freund von Lehrern, ich hab glaub ich ein Autoritätsproblem. Drum wollte ich selbst Gitarre lernen.“ Felix‘ älterer Bruder spielt auch Gitarre, von ihm konnte sich der Sechsjährige einiges abschauen – und von YouTube-Videos. „Und dann hab ich mich hingesetzt und stundenlang geübt – solange, bis es geklappt hat.“ Seine erste Gitarre hat Felix mit neun bekommen, davor hat er auf der für ihn damals viel zu großen Gitarre seiner Mama gespielt.
Kulturförderpreis Landkreis Landsberg für Felix Kohlscheen: vom Musical angefixt
„Wenn man etwas Neues lernt, kommt immer die Phase, in der man nicht mehr weiterkommt und man dann frustriert ist. Die hatte ich auch“, erinnert sich Felix. Mit zehn Jahren war die Lust aufs Gitarrespielen vorübergehend verflogen. „Ich hab dann ein Jahr Pause gemacht. Entweder jemand hilft dir dann über diese Hürde hinweg oder du bleibst stehen und dann war‘s das.“ Glücklicherweise hat Felix seine Motivation schnell wieder gefunden. Als Jugendlicher bemerkte er, dass Gitarrespielen Vorteile haben kann. „Jungs, die Gitarre spielen konnten, kamen bei den Mädels sehr gut an. Das war natürlich praktisch“, sagt Felix und lacht – die Freude am Gitarrespielen war wieder da.
Mit elf Jahren hat Felix seine ersten Texte geschrieben. Auslöser waren die vielen Musical-Besuche mit seinen Eltern. „Ich war richtig verliebt in die erste Aufführung, die ich gesehen habe. Das war das Musical ‚Wicked‘. Ich wollte dann unbedingt selbst Liebeslieder schreiben“ – was er auch tat. Felix‘ Mama konnte sich ebenfalls freuen: Zum Muttertag gab es immer ein selbst geschriebenes Lied vom Sohn. Heute ist Felix‘ Lieblingsmusical der „Tanz der Vampire“. „Es ist nicht nur ein klassisches Musical, sondern mit Rockmusik verbunden. Ich mag‘s, wenn sich Genres vermischen, weil nur dann entstehen neue Sachen.“
Das hat sich Felix auch für seine eigenen Lieder zu Herzen genommen. „Ich kann mich nicht wirklich festlegen, was das Genre angeht. Ich schreib gerne Texte und die müssen zur Geltung kommen.“ Felix‘ Genre ist nicht Rock, sondern Rap.
Auch Emilia Andresen, Anna Frei und Lotta Emilia erhalten in diesem Jahr den Kulturförderpreis des Landkreises Landsberg.
Kulturförderpreisträger Landkreis Landsberg Felix Kohlscheen ist Sido-Fan
„Ich bin in der Hip-Hop-Generation groß geworden“, erzählt der 27-Jährige. Seine Helden waren Sido, Samy Deluxe oder Max Herre. Und deren Musikrichtung hat auch Felix eingeschlagen. „Im Deutsch-Unterricht war ich immer richtig gut, weil mich Texte interessiert haben“, erklärt er. Da liegt der Rap natürlich nahe. Denn es bedeutet ja nichts anders als „Rhythm and Poetry“. „Sprache steht bei mir voll im Fokus. Ich schreibe sehr verstrickte Texte.“
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Die konnte er dann mit zwölf zum besten geben. Damals stand Felix erstmals, unter Anleitung seines großen Bruders, auf der Bühne und spielte Konzerte – auch mit anderen Musikern. „So hab ich am meisten gelernt.“ Mit der ersten Band, ‚Keep it high‘, hat es Felix sogar ins Finale eines Band-Wettbewerbs geschafft – damals war er 15. Zwar war die Band eher in Richtung ‚Alternative Rock‘ ausgerichtet, aber auch damals gab es schon erste Rap-Passagen. Danach versuchte sich Felix als Solo-Künstler und stieg voll in diese Musikrichtung ein. „Irgendwann kam mir die Idee, dass ich das alles ja auch mal aufnehmen könnte. Dafür habe ich mich lange zuhause eingesperrt.“ Selfmade also, für die Aufnahme ging es nicht ins Tonstudio. „So war es viel intimer, das Ganze alleine aufzunehmen.“
Das Album veröffentlichte Felix dieses Jahr – ein Album mit sehr negativen Texten. „Ich rede nicht gerne über negative Emotionen, ich schreibe lieber Texte darüber“, erklärt Felix. Und dabei beschäftigt er sich mit wichtigen Themen, wie Drogenmissbrauch oder Belästigung. Deswegen heißt das Album auch „Gedankenspiele“.
Felix Kohlscheens jetzige Band „Funkwelle“: Gesucht und gefunden
Der Musiker-Traum des sechsjährigen Felix ist mittlerweile zu seinem Beruf geworden. Denn wenn er nicht an seinen Songs arbeitet, gibt er Gitarren-, Bass- und Klavierunterricht. „Schon witzig, früher wollte ich keinen Lehrer haben, jetzt bin ich selber einer.“ Neben diesen Instrumenten spielt der gebürtige Landsberger auch noch Akkordeon, steirische Harmonika, Schlagzeug, Kontrabass und Mundharmonika. „Alles, was auf dem Album zu hören ist, hab ich auch selber gespielt.“
Seit diesem Jahr ist Felix der Leader der Band „Funkwelle“. Die Band ist schon beim CSD, beim Sammersee- und dem „Nie wieder Faschismus“-Festival aufgetreten. „Wir haben uns über die Jam-Session im Lech Atelier gefunden“, erinnert sich Felix, der Mitorganisator der Sessions ist und sich oft in Landsbergs neuer Kulturhochburg engagiert. „Irgendwann haben wir dann zusammengespielt und der Flow war da.“ Mit der Band plant er jetzt, sein Album nochmal neu aufzunehmen. Davor tritt „Funkwelle“ aber unter anderem bei der Kulturförderpreisverleihung am 15. November im Stadttheater auf.
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