Sie hat einen ungewöhnlichen Karriereweg eingeschlagen. Und damit scheinbar ihr Glück gefunden. Jedenfalls bekommt man dieses Gefühl, wenn man sich mit Lotta Emilia über ihren Beruf als Poetry Slammerin unterhält. Der hat ihr jüngst auch den Kulturförderpreis des Landkreises eingebracht.
Von Stephanie Novy und Nathalie Schelle
Landkreis Landsberg - Mehrere hundert Male stand die 30-Jährige auf der Bühne. „Von Sylt bis Salzburg“, wie sie selber sagt. Ob bei so vielen Auftritten auch welche besonders in Erinnerung bleiben? „Die Deutsche Box Poetry Slam Meisterschaft, die in der Muffathalle ausgetragen wurde, ist auf jeden Fall ganz vorne mit dabei“, meint Lotta. Dabei standen sich die Teilnehmenden in einem Boxring gegenüber – definitiv nicht alltäglich beim Poetry Slam. Etwas Besonderes war aber sicher auch die deutschsprachige Meisterschaft in Nürnberg 2021. Hier holte sich Lotta den Vize-Titel. Das ist der höchste Titel, den eine Frau seit 1999 bei dem Wettbewerb erreicht hat. Der Meistertitel ging bisher auch nur einmal an eine Frau, wie Lotta erzählt.
Kulturförderpreis Landsberg für Poetry Slammerin Lotta Emilia: Erfolg mit persönlichen Texte
Im Finale mussten sich damals zwölf Künstlerinnen und Künstler messen. Lotta konnte das Publikum mit ihrem Text „Ha ha“ überzeugen. Darin ging es um „den schmalen Grat“, der zwischen „sexistischen Witzen und Dingen, die tatsächlich passieren“ liegt. Unangebrachte Sprüche würden „oft abgestempelt“, meint die 30-Jährige. „Dann heißt es, man soll sich nicht so anstellen.“ In ihrem Text geht Lotta darauf ein, „warum es mir schwerfällt, darüber zu lachen“. Für sie habe der Text eine „Notwendigkeit“. „Da schwingt auch viel Wut mit.“ Trotzdem sei es ihr wichtig, nicht auf der Bühne zu stehen und anzuklagen. „Ich möchte schon einem künstlerischen Anspruch gerecht werden.“ Dieser wurde dann auch vom Publikum gewürdigt und brachte Lotta zusammen mit zwei weiteren Teilnehmenden in das Finalstechen der Meisterschaft. Hier trug sie den Text „12 Quadratmeter“ vor. Ein Appell an den Minimalismus, da zu viele Dinge in der Wohnung „Lebenszeit rauben“. Jedoch ist der 30-Jährigen durchaus bewusst, dass das oft leichter gesagt als getan ist.
Die beiden Texte, die Lotta bei der Meisterschaft vorgetragen hat, sind zweifelsohne sehr persönliche Texte. Die Poetry Slammerin erklärt, dass sie immer über Dinge schreibe, die sie beschäftigen – von Minimalismus und der immer kürzer werdenden Konzentrationsfähigkeit vieler Menschen über zwischenmenschliche Beziehungen bis hin zu Tod und Leben. Doch kostet es nicht Überwindung, vor einem Publikum so persönlich, so nahbar zu werden? Lotta scheint einen guten Umgang damit für sich gefunden zu haben. „Ich begreife die Bühne als Ort, wo Kunst stattfindet.“ Dort sei sie eine „Bühnenfigur“ und außerdem könne man ihre Texte, so persönlich sie auch sind, nicht eins zu eins auf sie übertragen.
Dass es die 30-Jährige überhaupt zum Poetry Slam gezogen hat, liegt an ihrem Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften. „Zu theoretisch“ sei es gewesen. „Ich habe einen Ausgleich gesucht.“ Und den fand sie in der Kunst. Ihre ersten drei Auftritte waren gleich Erfolgserlebnisse. Da schlummerte also Talent – auch wenn ihre Eltern zunächst nicht allzu begeistert waren, als Lotta sich dazu entschied, ihr Geld mit Poetry Slam zu verdienen. Doch sie sei ein „Herz über Kopf“-Typ. „Ich finde es wichtiger zu fühlen als zu denken.“
Kulturförderpreis Landsberg für Lotta Emilia: Was sind gute Reime?
Ihr Gefühl scheint sie in diesem Fall auf den richtigen Weg gebracht zu haben. „Ich fühle mich auf und hinter der Bühne gut aufgehoben.“ Lotta schreibt nicht nur Texte und tritt damit auf, sie moderiert Veranstaltungen und gibt Workshops – vor allem im Landkreis Landsberg. Und das, obwohl Lotta Emilia gar nicht aus Bayern kommt. Erst 2020 ist sie aus Hamburg hierher gezogen und wurde in der Poetry Slam-Szene, vor allem im Landkreis Landsberg, sofort aufgenommen. Also trat sie hier öfter auf und 2022 habe dann der Kreisjugendring Landsberg angeklopft: Er sei auf der Suche nach einer Poetry Slam-Workshop-Leitung gewesen – der perfekte Job für Lotta Emilia. „Wir haben dann zusammen U20-Workshops und -Slams veranstaltet. So sind wir dann miteinander warm geworden und seitdem arbeiten wir eng zusammen.“ Auf der Gala zum 75. Jubiläums des Kreisjugendrings (der KREISBOTE berichtete) wurde Lotta sogar als ‚Hauspoetin‘ vorgestellt. Diesen Festakt hat Lotta Emilia auch moderiert – und die Jubiläumsrede geschrieben.
Für den Kulturförderpreis wurde Lotta von der Dießener Künstlerin Annunciata Foresti vorgeschlagen. Bei der Verleihung am 15. November im Landsberger Stadttheater will die Slammerin zwei Texte aus ihrem großen Repertoire zum Besten geben.
Wenn Lotta neue Texte schreibt, ist sie perfektionistisch, erklärt sie. Und was macht einen perfekten Text aus? Essenziell sei, dass man eine interessante Herangehensweise an Themen habe, erzählt sie. Das Thema an sich sei dabei nicht so wichtig. Man könne auch über banale Dinge sprechen. Entscheidender sei, wie der Text vorgetragen wird. Für sie persönlich seien außerdem gute Reime wichtig – kein Muss beim Poetry Slam. Zu guter Letzt komme es darauf an, „seine eigene Stimme zu finden“. „Poetry Slam ist unglaublich vielfältig“, bezieht sich Lotta auf die unterschiedlichen Stile der Künstlerinnen und Künstler. Am Ende gehe es um Authentizität. Und vor allem darum, dass man sich damit wohlfühle.
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