Reichsbürgertreffen in Igling? Die Kripo Fürstenfeldbruck ermittelt

  • Susanne Greiner
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Mitte September soll ein Treffen von Reichsbürgern in Igling stattgefunden haben - in der ehemaligen Gaststätte „Weißes Lamm“. Inzwischen ermittelt die Kripo.

Igling - Sie habe erst vor Kurzem von diesem Treffen erfahren, sagt die Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel. Passanten hätten Mitte September vor dem ehemaligen Gasthaus „Weißes lamm“ in Igling Autos mit Aufklebern gesehen, die auf Reichsbürger, Identitäre und Corona-Leugner hingewiesen hätten. Daraufhin stellte Triebel eine Anfrage an die Bayerische Staatsregierung: Im Rahmen der „Heimatkunde-Tour 2024“ habe am Wochenende vom 14. auf den 15. September in dem ehemaligen Gasthaus in Igling eine Veranstaltung stattgefunden. Vorausgegangen sei eine „Heimatkunde“-Veranstaltung im Juni in München. Der Veranstalter der Versammlung in Igling laut Triebel: die SC 360°Media UG, ein Unternehmen mit Sitz in Inning.

Reichsbürgerversammlung in Igling? Kaiserflagge als Autoaufkleber

Innenminister Joachim Herrmann antwortete Triebel, man habe keine Erkenntnisse über so eine Versammlung. Von der Veranstaltung in München hingegen wisse man, dass sie über einen offenen Telegram-Kanal „angekündigt und beworben“ worden sei. Ob sie stattfand, wisse man hingegen nicht. Die SC 360° Media „wird dem Phänomenbereich der Reichsbürger und Selbstverwalter mit Bayernbezug zugeordnet“, so Herrmanns Antwort weiter. Das Projekt habe einen Videopodcast auf YouTube unter dem Titel „geht‘s los?“. In den Videos gingen die Betreiber auf „aus ihrer Sicht aktuelle politische Ereignisse ein. Untermalt wird diese vordergründige Kommentierung der aktuellen Nachrichtenlage mit Aussagen, die Bezüge zur Ideologie der Reichsbürger und Selbstverwalter aufweisen.“

Auf der Webseite des Inninger Unternehmens werden im „Geht‘s los?-Lädchen - unser virtueller Laden im Internetz“ Artikel mit Reichsbürgerkennzeichnungen angeboten: Kapuzenpullis mit der Aufschrift „Zurück in die Zukunft mit - 1871“, zwischen Schrift und Jahreszahl die Flagge des 1871 gegründeten Deutschen Kaiserreichs mit den Farben Schwarz-Weiß-Rot. Im Shop des Unternehmens sind auch Autoaufkleber mit dem Podcast-Slogan „geht‘s los?“ erhältlich. Dort zu finden ist neben den Links zu dem bereits erwähnten Podcast auch ein Blog, der Themen wie eine gefährdete Meinungsfreiheit oder auch die angebliche „Lügenpresse“ behandelt. Zu lesen ist dort auch der Satz anlässlich des Tags der Deutschen Einheit: „Bekannterweise wurde mit der Wiedervereinigung nur ein Teil Deutschlands zusammengeführt. Ostpreußen und Schlesien, gehörten nicht dazu.“ Im Impressum des Unternehmens sind die Namen Stefan und Claudia Ley angegeben.

Reichsbürger in Igling? Versammlung war bei Gemeinde nicht angemeldet

Er habe auch erst im Nachhinein von diesem Treffen erfahren, so Iglings Bürgermeister Günter Först. Das Gebäude der ehemaligen Gaststätte gehöre Graf von Maldeghem, der es an den Schützenverein Unterigling vermietet habe. Mehr könne er zu dem Vorfall nicht sagen. Allerdings ermittle bereits die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck.

Der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord Andreas Graf bestätigt, dass die Kripo Fürstenfeldbruck, Abteilung Staatsschutzdelikte, die Ermittlungen zu einem Treffen in der besagten ehemaligen Gaststätte in der Unteriglinger Straße am 14./15. September übernommen habe. Es gebe „vage Hinweise auf ein konspiratives Reichsbürgertreffen“ aufgrund „entsprechender Hinweise“ an den dort abgestellten Pkw. Die Veranstaltung sei bei der Gemeinde nicht angemeldet gewesen. Weitere Informationen gebe es nicht. „Die Kriminalpolizei steht gerade erst am Anfang ihrer Ermittlungen.“

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