Seit Jahren begehren genervte Uttinger und Schondorfer gegen das hohe Verkehrsaufkommen und die damit verbundene Lärm- und Abgasbelastung vor allem durch die ortsdurchquerende Staatsstraße St2055 auf.
Utting/Schondorf – Die angestrebte Lösung mit Einführung von Tempo 30 wurde jetzt für beide Gemeinden erstmal ausgebremst. Anders als in der Ostufer-Gemeinde Inning, die sich quasi als Vorreiter mit einem Lärmgutachten Tempo 30 in der gesamten Ortsdurchfahrt erkämpft hatte. Wie Uttings Bürgermeister Florian Hoffmann bei der jüngsten Gemeinderatssitzung mitteilte, hat die Untere Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes das erforderliche Einvernehmen dafür versagt, was für ihn nicht nachvollziehbar sei. Trotz eindeutiger Ergebnisse der Verkehrszählung und Erstellung eines Lärmaktionsplanes stellt sich die Behörde stur. In der Stellungnahme für Utting heißt es:
Kein Tempo 30 in Uttig und Schondorf - Beschwerde bei der Regierung von Oberbayern einlegen
„Zusammenfassend ist festzustellen, dass vorliegend keine ausreichenden rechtlichen und tatsächlichen Grundlagen bestehen, um die im Lärmaktionsplan verbindlich festgelegte Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h im gesamten Bereich der St2055 zur Tag- und Nachtzeit zu befürworten. Die vorliegende Lärmberechnung zeigt keine derart unzumutbare Lärmbelästigung auf, um eine solch besondere örtliche Gefahrenlage im Sinne der StVO dazustellen. Die Maßnahmenplanung geht angesichts der Lärmbelastung zu weit, zudem sprechen verkehrliche Belange gegen eine solch umfassende Maßnahme.“ Die Behörde empfiehlt den Anwohnern vielmehr, selbst aktive und passive Maßnahmen wie zum Beispiel den Einbau von Schallschutzfenstern als „verhältnismäßigere Alternative“ zu ergreifen.
Empört nahmen Uttings Gemeinderäte das vorläufige Aus für Tempo 30 zur Kenntnis, wollen dafür aber weiter kämpfen. Nachdem auch der in dieser Sache beratende Rechtsanwalt Dr. Martin Spieler von der Münchner Kanzlei AVR der Meinung ist, das Einvernehmen wurde zu Unrecht versagt, will man zunächst Beschwerde bei der Regierung von Oberbayern einlegen. Helfe das auch nicht, werde man den Rechtsweg beschreiten, so das einstimmige Votum des Gemeinderats.
Unverständnis herrschte auch bei den Besuchern der Sitzung, darunter die Anlieger Dr. Rolf Pfanzeder, Martin Giggenbach und Karl-Heinz Jeworutzki. Sie hatten schon vor Jahren im Namen von 270 Uttingern auf einer Unterschriftenliste einen Bürgerantrag an den Gemeinderat gestellt, in dieser Sache aktiv zu werden. Nach diversen Gesprächen mit dem Staatlichen Straßenbauamt in Weilheim und dem Erfolg der Gemeinde Inning ließ Utting einen Lärmaktionsplan von der darauf spezialisierten Firma ACCON aus Greifenberg erstellen. Laut deren Zählungen passieren durchschnittlich über 11.500 Fahrzeuge den nördlichen Ortseingang Uttings, während es am südlichen Ortseingang etwa 8.000 sind. Die Messungen haben dabei ergeben, dass 14 der anliegenden Gebäude mit 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel in der Nacht belastet werden, also gesundheitsgefährdend. Weitere 44 Gebäude haben Belastungswerte um Mitte 50 bei Tag und Nacht.
Tempo 30 in Utting und Schondorf würde Lärmbelästigung wesentlich entschärfen
Insgesamt würden tagsüber 326 und nachts 246 Anlieger vom Lärm der Autos empfindlich gestört. Allein mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h innerhalb der Ortsschilder und auch an der Landsberger Straße (Staatsstraße St2346) würde die Lärmbelastung bei den am meisten betroffenen Gebäuden ganz wesentlich entschärft und bei den weiteren erheblich gesenkt werden. Optimal wäre zusätzlich die Sanierung der Durchgangsstraße mit lärmarmen Asphalt, was aber mangels Geld vom Straßenbauamt von vorneherein abgelehnt wurde.
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Anlieger Dr. Rolf Pfanzeder, der direkt an der Dießener Straße wohnt und besonders vom lauten Durchgangsverkehr betroffen ist, zum KREISBOTEN: „Uns wurde von Landrat Thomas Eichinger persönlich gesagt, für Staatsstraßen ist allein das Straßenbauamt in Weilheim zuständig. Und jetzt fällt das Landratsamt in Landsberg das Urteil gegen uns!“ Süffisant fügt er hinzu, dass wohl der in Schondorf lebende Landrat ohne Tempo 30 in beiden Gemeinden schneller ins Amt und wieder nach Hause komme …
Auch Schondorf stemmt sich gegen die Absage von Tempo 30, die in der aktuellen Gemeinderatssitzung ebenso wie in Utting auf völliges Unverständnis stieß. Man übernahm einstimmig den Beschluss der Nachbargemeinde, will erstmal Beschwerde bei der Regierung von Oberbayern einlegen und klagen, wenn man hier auf taube Ohren stößt. Denn werktäglich quälen sich 17.000 Fahrzeuge durch Schondorf, was eine große Belastung für alle Lebensbereiche mit Lärm, Abgasen und Feinstaub darstellt. Die Bürgerinitiative „Freiwillig Tempo 30“ mit Riesenbannern entlang der Staatsstraße hat zwar anfangs funktioniert, ist aber längst wieder dem Druck auf das Gaspedal gewichen.
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