Afrikanische Schweinepest: Probelauf für den Ernstfall

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Falls die Amerikanische Schweinepest ausbricht: Drei Veterinärämter und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit probten den Ernstfall und montierten im Landkreis Landsberg einen Schutzzaun – unter den Augen interessierter Landwirte. © Osman

Ein kühler Novembermorgen zwischen Igling und Erpfting. Auf dem Fahrradweg entlang der Kreisstraße LL 2 rollt langsam ein Traktor, beladen mit weißen Zaunpfählen. Dahinter geht eine Gruppe Menschen, manche tragen reflektierende Warnjacken. Alle paar Meter wird einer der dünnen weißen Kunststoffpfähle in den Boden gerammt, drei Litzen ziehen sich von einem zu nächsten. Wofür?

Landkreis Landsberg – Bei der ungewöhnlichen Aktion im Nordwesten Landsbergs handelte es sich um eine Übung der Veterinär­ämter Landsberg, Fürstenfeldbruck und Starnberg. Vertreter der Behörden probten gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) den Aufbau eines Elektro-Schutzzaunes für den Fall eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP).

Dabei handelt es sich um eine schwere Virusinfektion, an der nach Angaben des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums ausschließlich Haus- und Wildschweine erkranken. „Diese verenden in nahezu allen Fällen innerhalb weniger Tage“, schreibt das Ministerium in einer Information an alle Landwirte. „Für Menschen ist das Virus ungefährlich. Auch der Verzehr von Schweinefleisch ist gesundheitlich unbedenklich.“

Die ASP breite sich seit einigen Jahren in Europa, insbesondere in Osteuropa, aus und sei im Herbst 2020 erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. In Brandenburg wurden infizierte Wildschweine gefunden. Seither habe sich die ASP innerhalb Deutschlands ausgebreitet und sei in mehreren Bundesländern bei Wild- und Hausschweinen aufgetreten.

Dr. Michael Veith, Chef des Veterinäramts in Landsberg, weiß von Fällen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen, „20 Kilometer vor der bayerischen Grenze“. Der erste Schutzzaun im Norden Bayern stehe bereits. Die Übung im Landkreis Landsberg diente dazu, den Ernstfall zu proben, denn man könne davon ausgehen, dass auch in der hiesigen Region früher oder später das Virus auftauchen werde.

Der Zaunbau sei dann eine Erstmaßnahme, um das Kerngebiet um den Fund herum abzugrenzen und zu verhindern, dass infizierte Tiere die Krankheit weitertragen, so Veith. Andernorts haben sich die Elektro­zäune seinen Worten nach bereits bewährt. „Schweine sind sehr stromfühlig.“

Alle paar Meter baumelt an der obersten Litze ein gelbes Warnschild, damit Spaziergänger, Radfahrer, Jogger sich nicht versehentlich einen Stromschlag holen. „Wir wollen niemanden drangsalieren“, betont Veith. Im Ernstfall wäre der Zaun eine notwendige Schutzmaßnahme zur Bekämpfung der Tierseuche. Informationen für die Bevölkerung würde man dann über einen QR-Code, ein Bürgertelefon und eine Website ausspielen.

An diesem kühlen Tag im November hatte man den Zaun jedoch bereits am Abend wieder abgebaut. Schließlich war es ja nur eine Übung.

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