Kulturförderpreis Landkreis Landsberg: Graveurin Anna Frei aus Fuchstal

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Ein Fisch als Motiv einer Gravur für ein edles Messer: Anna Frei bei der Arbeit in der Werkstatt, die sie unterm Dach des Hauses ihrer Oma in in Asch eingerichtet hat. © Jais

Anna Frei aus Fuchstal hat gerade erst eine Tochter bekommen. Das hindert sie nicht daran, schon wieder am Mikroskop zu sitzen - um Schmuck, Teller, Schilder oder auch Jagdgewehre und Messer kunstvoll zu gravieren. Die 30-Jährige ist eine der vier Kulturförderpreisträger des Landkreises Landsberg 2024.

Fuchstal – Auf dem dunkelbraunen Tisch steht vor dem Mikroskop das iPad. Im Bildschirm ist ein Fisch zu sehen. Er ist das Motiv für eine Gravur, die Anna Frei in aufwendiger Detailarbeit an einem wertvollen Messer anbringt – so wie es der Kunde möchte. Die 30-jährige Graveurin, seit 2024 im Fuchstal zu Hause, ist Graveurin wird ihr Mitte November mit dem Kulturförderpreis des Landkreises Landsberg ausgezeichnet – im Bereich Bildende Kunst.

Kulturförderpreisträgerin des Landkreis Landsberg: Graveurin Anna Frei

Die Werkstatt von Anna Frei befindet sich seit 2024 im ausgebauten Dachgeschoss des Hauses ihrer Oma in Asch. Der Arbeitstisch mit dem Mikroskop, das an einem wuchtigen, grauen Gelenk mit kräftigen Federn befestigt ist, steht am großen Fenster vor dem Balkon. Vom Atelier im zweiten Stock schweift der Blick über einige Dächer von Asch hinweg nach Leeder und weiter bis Denklingen.

Vom geräumigen, lichtdurchfluteten Atelier, wo auch ein Schreibtisch, ein weiterer Arbeitsplatz und eine kleine Sitzecke Platz haben, gehen noch zwei Türen ab zu einem Bad und einem Zimmer. Die Wohnung ist ein Stockwerk darunter. Dort sind Anna Frei und ihr Verlobter, ein Baumpfleger aus Landsberg, zu dritt zu Hause, nachdem im Sommer die Tochter zur Welt gekommen ist. Wegen des Nachwuchses, aber auch wegen noch manch anstehender Sanierung im Haus tritt Anna Frei derzeit beruflich kürzer. Dies führt dazu, dass Kunden warten müssen. Oder dass sie Aufträge vereinzelt nicht annehmen kann.

„Ich war noch nie angestellt“, resümiert Anna Frei über ihre Arbeit im Kunsthandwerk. Graveure gäbe es nicht so viele und sie seien nur selten fest bei einer Firma beschäftigt, weiß die 30-Jährige.

Kulturförderpreisträgerin Anna Frei aus Fuchstal: Ab nach Kärnten

Aufgewachsen ist sie zusammen mit ihrem sieben Jahre älteren Bruder in Ramsach bei Penzing, wo die Eltern früher einen Hof hatten. In Landsberg besuchte sie die Schlossbergschule. Danach ging Anna Frei, damals schon kunstinteressiert, an die Berufsfachschule Glas und Schmuck in Neugablonz. 2013 zog es Anna Frei dann nach Ferlach in Kärnten. Dort absolvierte sie an der Höheren Technischen Lehranstalt eine zweite Ausbildung zur Stahlgraveurin, die sie mit 19 Jahren abschloss. Anschließend blieb sie noch zwei Jahre in Ferlach, ehe sie wieder in die Heimat zurückkehrte und 2018 ihre eigene Werkstatt in Landsberg eröffnete.

Der Vater und auch ihr Bruder sind Jäger. „Mein Vater hat mich dann da `reingeführt“, erzählt Frei, sodass sie auf Messen wie in Augsburg oder in Salzburg gezielt die Werbetrommel für ihr Kunsthandwerk rühren konnte. Auch Frei selbst hat den Jagdschein. Dadurch sei sie „näher am Kunden“, gibt die Graveurin zu verstehen. Nicht zuletzt isst sie Wildbret aber auch gerne.

Hier lesen Sie den Artikel zur diesjährigen Kulturförderpreisträgerin Emilia Andresen aus Dießen.

Anna Frei aus Fuchstal: Zur Messe in Abu Dhabi

Wesentlich für den beruflichen Werdegang sei auch ein Praktikum bei der renommierten Firma Merkel in Suhl (Jagd- und Sportwaffen) gewesen, erzählt Frei weiter. Und mittlerweile habe sie sich durch Präsenz auf Messen, durch Mundpropaganda und durch die Internetseite einen Namen gemacht. Im vergangenen Jahr besuchte sie mit ihrem Bruder sogar eine Fachmesse in Abu Dhabi am Persischen Golf.

Die Wünsche von Anna Freis Kundschaft sind unterschiedlich ausgeprägt. Mal möchte jemand seinen Namen, Buchstaben, meist die Initialien, oder ein Datum auf einem Schmuckstück verewigt haben, um es zu personalisieren. Andere wollen das Jagdgewehr oder ein Messer mit einem Motiv veredeln lassen. Gravuren sind aber auch auf Türschildern, Gläsern, Holz und Leder möglich. Oder auch mal auf einem wertvollen Füller.

Anna Frei setzt mehrere Techniken ein. Dazu gehören beispielsweise das Meißeln, das Stechen oder das Tauschieren, eine Einlegetechnik mit farbigen Metallen, um Mosaike zu gestalten. Weitere Formen sind Relief-, also Tiefengravuren, oder auch Bulino, die Federstichgravur für besonders detaillierte Darstellungen. Die Werkzeugkiste in Freis Atelier ist groß und voll. Die Werkzeuge, zu denen Frei aber am häufigsten greift, sind Stichel, Punzen und Meißel.

Dass sie zusammen mit drei weiteren Künstlerinnen und Künstlern für den Kulturförderpreis des Landkreises Landsberg vorgeschlagen wurde, empfindet die Kunsthandwerkerin als echte Wertschätzung. Beruf und Familie sind für sie in den Wochen und Monaten nach der Geburt ihrer Tochter mitunter schon ein „Spagat“, wie sie selbst bekennt. Aber Frei möchte die richtige Balance finden. Und sich zwischendurch noch ein wenig Zeit nehmen für Yoga und Fahrradfahren. Für sie ist das ein guter Ausgleich zum Sitzen und konzentrierten Arbeiten am Mikroskop.

Alle diesjährigen Kulturförderpreisträger finden Sie hier.

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