Britische Soldaten in der Ukraine? Darum hat Ex-Verteidigungsminister Wallace große Zweifel

Der ehemalige britische Verteidigungsminister Ben Wallace hat Zweifel an der Fähigkeit westlicher Staaten, eine militärische Präsenz in der Ukraine aufzubauen. Laut dem „Telegraph“ kritisiert Wallace, dass weder Großbritannien noch Frankreich zusätzliche Mittel für Verteidigung bereitstellen. Nur Deutschland habe seine Ausgaben erhöht.

Wallace bezeichnet die sogenannte „Koalition der Willigen“ daher als „Koalition der Unwilligen zu zahlen“. Er erklärt, dass ohne mehr Investitionen in Sicherheit und Verteidigung Russland nicht auf den Westen hören werde.

Belastung für andere Einsätze

Wallace warnt davor, dass ein Einsatz in der Ukraine andere Verpflichtungen gefährden könnte. Großbritannien unterhält derzeit eine ständige Truppenrotation in Estland, um russische Aggressionen zu verhindern.

Laut Wallace könnte ein Einsatz in der Ukraine diese Mission gefährden. „Wir könnten es für eine kurze Zeit machen, aber es würde auf Kosten von etwas anderem gehen“, erklärt er. Er zweifelt zudem daran, ob Großbritannien die nötige Infrastruktur und Ausrüstung habe, um größere Truppenbewegungen zu unterstützen. Laut einem Bericht von „Politico“ ist die britische Armee derzeit ohnehin stark ausgelastet.

Zweifel an internationaler Unterstützung

Auch die internationale Unterstützung für eine militärische Präsenz in der Ukraine sieht Wallace kritisch. Deutschland habe zwar in Aussicht gestellt, dass auch Bundeswehrsoldaten einen möglichen Waffenstillstand absichern könnten. 

Kanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte jedoch, dass ein solcher Schritt erst nach einer Abstimmung im Bundestag möglich sei. Wallace befürchtet laut „Telegraph“, dass Deutschland sich letztlich aus der Vereinbarung zurückziehen könnte, wenn es keine parlamentarische Mehrheit gibt.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat deutsche Soldaten in der Ukraine ins Spiel gebracht.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat deutsche Soldaten in der Ukraine ins Spiel gebracht. picture alliance / dts-Agentur

Skepsis gegenüber den USA

Wallace äußert sich auch zur Haltung der USA unter Präsident Donald Trump. Er glaubt nicht, dass Trump eine multilaterale Mission in der Ukraine unterstützen würde. „Es ist klar, dass Trump glaubt, die Ukraine gehöre zur Einflusssphäre Russlands“, so Ben Wallace. Er vermutet, dass Putin keine Kompromisse eingehen werde, da er sich durch Trumps Haltung gestärkt fühle.

Forderung nach mehr Investitionen

Der ehemalige Verteidigungsminister fordert eine klare Priorisierung von Verteidigungsausgaben in Europa. Er kritisiert, dass viele europäische Länder seit Jahrzehnten soziale Projekte über Sicherheitsinvestitionen stellen.

„Wir geben mehr Geld für das Gesundheitssystem, Sozialleistungen und Fahrradwege aus und erwarten, dass Amerika die Rechnung übernimmt“, sagt er laut „Telegraph“. Ohne eine grundlegende Änderung dieser Politik sieht Wallace wenig Chancen für eine erfolgreiche militärische Unterstützung der Ukraine.