Nach Maro-Pleite: Perspektive statt Existenzangst – „Das war eine Zitterpartie bis zum Schluss“

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Jubelstimmung bei den Bewohnern des Maro-Mehrgenerationenhauses in Karlsfeld: Das Rettungskapital für ihre insolvente Wohnungsbaugenossenschaft ist zusammengekommen. © hab

Im Mehrgenerationenhaus in Karlsfeld knallen die Sektkorken. Die Maro-Genossen haben es geschafft, das notwendige Rettungskapital für die insolvente Wohnungsbaugenossenschaft zu sammeln.

Karlsfeld – 4,347 Millionen Euro: Als die Bewohner des Mehrgenerationenhauses in Karlsfeld die Zahlen in dem Geldsäckchen auf der Homepage der Maro-Genossenschaft sehen, fühlen sie eine Last von ihren Schultern fallen. Das notwendige Rettungskapital für die insolvente Wohnungsbaugenossenschaft ist tatsächlich auf das Treuhandkonto eingezahlt worden. Die Einzahlung des Geldbetrags ist der erste und wichtigste Schritt im Insolvenzverfahren der Maro. Für Genossen bedeuteten die Zahlen endlich ein Stück Sicherheit, und vor allem: eine Zukunft.

Maro-Genossen konnten erforderliches Rettungskapital aufbringen

Den insgesamt 2100 Maro-Genossen ist es gelungen, Unterstützer und Spender zu mobilisieren, darunter auch Gemeinden, Kommunalpolitiker, die Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel. Sie werden durch die Rettungszahlung nun Mitglieder der sanierten Maro. Auch Genossenschafts㈠wohnbauunternehmen zeigten sich solidarisch. Nachdem der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW) einen Aufruf gestartet hatte, meldeten sich innerhalb weniger Tage 22 Mitgliedsunternehmen, die die Maro insgesamt mit rund 300 000 Euro unterstützten. Die Karlsfelder Maro-Genossen seien berührt und: „Wir sind für jeden Cent zutiefst dankbar“, betont Rafia Cisse, eine der beiden Haussprecherinnen.

Maro-Genossen aus Karlsfeld erleichtert

In Hauswiesen 2 westlich der Bahn herrscht Feierlaune. Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit können die 50 Maro-Bewohner wieder aufatmen. „Das war eine Zitterpartie bis zum Schluss“, sagt Rafia Cisse.

 Ich dachte, das wird nie im Leben was.

Seit einem halben Jahr tragen sie und ihre Mitbewohner in Karlsfeld einen unsichtbaren Sack aus Existenzängsten mit sich herum, der zuletzt so unendlich schwer war, dass manche glaubten, von ihm erdrückt zu werden. „Ich habe viele schlaflose Nächte gehabt und zum Schluss nicht mehr geglaubt, dass wir das schaffen. Ich dachte, das wird nie im Leben was“, sagt Haussprecherin Angelina Cataneo.

Weg frei für Maro 2.0

Doch die Maro-Genossen haben es geschafft. Nachdem die Rechtskanzlei Pluta die Frist für die Einreichung der Zahlungen auf das Treuhandkonto der Maro ein weiteres Mal verlängert hatte, wurde das notwendige Kapital sogar übertroffen, um die Gläubiger zufriedenstellen zu können. Insolvenzverwalter Ivo-Meinert Willrodt reichte den Insolvenzplan bei Gericht ein.

Wenn die Gläubiger mehrheitlich dem Insolvenzplan zustimmen, ist die MARO e.G. gerettet

Auch wenn die Maro noch nicht endgültig gerettet ist, so sieht es doch gut aus. Die Wohnungsbaugenossenschaft ist auf dem Weg zur Maro 2.0. Am vergangenen Donnerstag nahm die Mitgliederversammlung in einer langen und emotionalen Sitzung in Penzberg den von Pluta-Anwalt Willrodt vorgestellten Insolvenzplan einstimmig an. Im Dezember sollen nun auch die Gläubiger zusammenkommen. „Wenn die Gläubiger mehrheitlich dem Insolvenzplan zustimmen, ist die MARO e.G. gerettet“, schreibt Willrodt in einer Pressemitteilung.

Genossen haften mit der Hälfte ihrer Anteile

Durch den Insolvenzplan bleiben die bisherigen Genossen auch in der neuen Maro weiterhin Mitglieder. Ihre Anteile werden dabei von ursprünglich 500 Euro auf 250 Euro herabgesetzt. „Damit können wir sicherstellen, dass kein Mitglied seinen Anteil verliert oder dieser Anteil auf 0 Euro herabgesetzt werden muss“, erklärt ein Sprecher des Insolvenzverwalters auf Nachfrage.

Starker Zusammenhalt und Zuversicht

Haussprecherin Rafia Cisse hofft, dass sich die Lage stabilisiert. „Wir haben mit dem Geldbetrag gerade nur das Fundament für die Maro 2.0 geschaffen“, erklärt sie. Cisse wirkt zuversichtlich. Sie habe das Vertrauen in die Maro und in das Konzept einer Wohnungsbaugenossenschaft während der Krise nie verloren. Im Gegenteil: „Aus dem Erlebnis haben wir an Stärke gewonnen, die ganzen Häuser haben sich vernetzt.“ Sie machten sich gegenseitig Mut, spendeten sich in schlaflosen Nächten Trost, waren füreinander da. Die Beziehungen seien dadurch tiefgründiger geworden. „Wir sind als Familie zusammengerückt.“

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