Seit Monaten zittern die Bewohner des Maro-Mehrgenerationenhauses in Karlsfeld um ihre Existenz. Ihrer Wohnungsbaugenossenschaft droht die Zerschlagung.
Als die Hausgemeinschaft des Maro-Mehrgenerationenhauses in Karlsfeld Ende Juli ein Informationsschreiben ihrer Wohnungsbaugenossenschaft bekam, saß der Schock tief: Um die Maro vor der Liquidation zu bewahren, müssen die Mitglieder nun selbst ihr Kapital aufstocken. Und das in kürzester Zeit. Bis Ende August müssen sie Absichtserklärungen für Unterstützungszusagen in Höhe von insgesamt vier bis fünf Millionen Euro vorweisen. „Die genaue Höhe des erforderlichen Betrages sei von mehreren Faktoren abhängig und kann erst bei Finalisierung des Planes konkretisiert werden. Der notwendige Betrag liegt im Bereich von vier bis fünf Millionen Euro“, teilt die Münchner Insolvenzkanzlei Pluta mit. Diese Gelder müssen auf ein Treuhandkonto eingezahlt sein, bevor der Insolvenzplan bei Gericht eingereicht wird. Mittlerweile können die Maro-Mitglieder zwar immerhin eine Summe von rund 3,5 Millionen Euro vorweisen. Um die Maro zu retten, reicht das aber noch nicht.
Hoffnungsschimmer durch Bankenallianz und politische Unterstützung
Wie der Insolvenzverwalter Ivo-Meinert Willrodt erklärt, müssten die Absichtserklärungen für die Unterstützungszahlungen im August erfolgen, da die Gelder ab September eingezahlt werden – für viele Maro-Mitglieder ein Schlag in der Magengrube. „Wie sollen wir das schaffen, in so kurzer Zeit? Noch dazu kurz in den Sommerferien, wo viele wichtige Ansprechpartner in Urlaub gehen? Wir versuchen jetzt, aus eigener Kraft und sehr schnell 5 Millionen Euro auf den Tisch zu legen“, schreibt Rafia Cisse, eine der Sprecherin der Maro-Hausgemeinschaft in Karlsfeld, in einem Spendenaufruf, den sie Anfang Juli startete. Bislang kamen 400 Euro zusammen.
„Wir haben alles getan, was wir konnten“, sagt die zweite Haussprecherin Angelina Cataneo. Es gebe keine Partei, keinen Politiker, den die Hausgemeinschaft nicht um Hilfe gebeten habe. Und zuletzt sah es auch so aus, als gebe es Hoffnung. Die Münchner Insolvenzkanzlei Pluta sprach von einer Bankenallianz, die „auf einem guten Weg sei“. Und selbst jetzt, nachdem die Zeit für das Einsammeln der Absichtserklärungen abläuft, gibt sich der Insolvenzberater optimistisch.
Das war ganz viel Blabla, aber das war‘s dann auch.
Auch aus der Politik kamen, wie berichtet, positive Signale, Worte der Solidarität. Unisono lobten die Politiker das Konzept der Maro mit Demenz-Wohngemeinschaften und Mehrgenerationenhäusern. Insgesamt 300 solcher Wohnungen gibt es im Großraum München.
Wie mehrmals berichtet, ist die Wohnungsbaugenossenschaft im Frühjahr in finanzielle Schieflage geraten. Eine Bank hat für ein Bauprojekt in Landsham im Landkreis Ebersberg die Anschlussfinanzierung zurückgezogen. Mit fatalen Folgen für die insgesamt 2100 Maro-Genossen. Denn bei einer Zerschlagung der Maro verlieren die Mitglieder nicht bloß ihre Einlagen, sondern im schlimmsten Fall auch ihre Wohnungen, von denen viele gefördert sind.
Kritik an der Staatsregierung: Fehlende Unterstützung für Maro und ihre Bewohner
Die Landtags-Grünen stellten im Juli einen Dringlichkeitsantrag, indem sie die Staatsregierung aufforderten, umgehend alle staatlichen Hilfsmöglichkeiten zu prüfen und offenzulegen, ob generationenübergreifendes, genossenschaftliches Wohnen innerhalb der Maro weiter möglich ist, sei es über Mittel von der LfA-Förderbank oder von anderen staatlichen Institutionen. „Und was macht die Staatsregierung? Aktuell offensichtlich nichts. Sie hat die wertvolle Zeit über den Sommer verstreichen lassen“, schreiben die Landtags-Grünen am Donnerstag in einer Pressemitteilung. Der Freistaat müsse sich engagieren, um einen Verkauf der Wohnungen zu verhindern und die Bewohnerinnen und Bewohner vor dem Verlust ihres Zuhause zu schützen. „Eine Bürgschaft des Freistaats Bayern zur Absicherung eines neuen Kredits könnte die Rettung sein. Aber dazu müsste die Staatsregierung endlich eine Entscheidung treffen. Das Problem ist seit Monaten bekannt. Ist die gesamte Staatsregierung im Urlaub?“, kritisiert Claudia Köhler, haushaltspolitische Sprecherin und Vorstandsmitglied der Landtags-Grünen.
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Auf Nachfrage der Dachauer Nachrichten äußert sich die Pressestelle des bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr nicht zu den konkreten Vorwürfen, sondern wiederholt gebetsmühlenartig: „Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben kann im Rahmen der Wohnraumförderung nur die Schaffung von Wohnraum in Form baulicher Maßnahmen gefördert werden. Finanzielle Unterstützungsmaßnahmen der Staatsregierung, die etwa Kreditmarktmittel ersetzen und zur Überbrückung finanzieller Schwierigkeiten dienen, können daher nicht angeboten werden.“
Einige Bewohner des Mehrgenerationenhauses in Karlsfeld fühlen sich von der Politik alleingelassen. „Ich finde es traurig, für die ganze Welt ist Geld da, nur nicht für die eigenen Leute“, sagt Jutta Ben Khemais. Sie sei enttäuscht von der Regierung. „Das ist alles sehr schade.“ Es gehe nicht darum, Geld geschenkt, sondern geliehen zu bekommen, so Jutta Ben Khemais. „Das war ganz viel Blabla, aber das war‘s dann auch“, findet Haussprecherin Cataneo. Sie sei mit den Reaktionen der Regierung „gar nicht“ zufrieden, sagt sie. Und klingt dabei nicht enttäuscht, sondern abgestumpft. Sie habe das jetzt so hingenommen, meint sie. Während manche Bewohner aus Karlsfeld resignieren, wirken andere zuversichtlich. „Ich habe immer noch Hoffnung“, sagt Jutta Ban Khemais. „Sonst dreht man durch.“