Zugpferd Tegernseer Tal: Touristen sorgen für über 13 Prozent der Wirtschaftskraft im Landkreis

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Beliebt bei den Gästen: Mehr als die Hälfte des touristischen Umsatzes im Landkreis wird im Tegernseer Tal erwirtschaftet. Dazu tragen auch Großveranstaltungen wie die Seefeste bei. Nach Bad Wiessee kamen dazu heuer rund 10 000 Besucher. © Stefan Schweihofer

Der Tourismus bleibt eine tragende Säule der Wirtschaft im Landkreis Miesbach. Trotz rückläufiger Gästezahlen steigen die Umsätze. Herausfordernd bleiben steigende Kosten.

Landkreis – Der Tourismus ist weiterhin eine der tragenden Wirtschaftssäulen für die Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS). Dieses Fazit zieht die Regionalentwicklung Oberland (REO) aus den Ergebnissen der Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“, welche die REO und die Tegernseer Tal Tourismus (TTT) GmbH über Tourismus Oberbayern München bei der dwif GmbH in Auftrag gegeben haben.

Es ist die dritte Auflage nach 2014 und 2019, sie ermöglicht also einen Blick auf die Entwicklung in zehn Jahren. 2024 lag der touristische Gesamtumsatz in der ATS bei 564,8 Millionen Euro. Ein Plus von 10,1 Prozent gegenüber 2019 und fast 30 Prozent mehr als 2014.

Umsatz wächst mit der Inflation

Setzt man diese Steigerung ins Verhältnis zur Inflation, bleibt das Wachstum seit 2019 hinter dem um fast 20 Prozent gestiegenen Verbraucherpreisindex zurück. Im längeren Betrachtungszeitraum seit 2014 konnte der touristische Gesamtumsatz mit der Inflation aber Schritt halten: Der Verbraucherpreisindex stieg seit 2014 um rund 27 Prozent – drei Prozentpunkte weniger als der Umsatz. Enthalten in diesem Gesamtwert sind die Ausgaben von Übernachtungsgästen sowie Tagesgästen im Gastgewerbe, Einzelhandel und für Dienstleistungen. Damit trägt der Tourismus laut REO rund 13 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landkreises bei.

Weniger Gäste als im Spitzenjahr 2019

Triebfeder der Umsatzsteigerung seien höhere Pro-Kopf-Ausgaben. Ein Übernachtungsgast in Betrieben gab 2024 durchschnittlich 150,50 Euro pro Tag aus – knapp 19 Euro mehr als 2019. Das entspricht einer Steigerung von 14,5 Prozent – etwas weniger als der zeitgleich gestiegene Verbraucherpreisindex. Auch bei Tagesgästen stiegen die Ausgaben von 21,40 auf 24,60 Euro (15 Prozent).

Der Rückgang der jährlichen Übernachtungsgäste (von 2,87 auf 2,77 Millionen) ebenso wie die Zahl der Tagesgäste (von 8,2 auf 7,7 Millionen) kann dadurch nicht ganz kompensiert werden – rückläufige Gästezahlen und eine Umsatzsteigerung unterhalb der Inflationsentwicklung lassen auf einen leichten Rückgang im Tourismus schließen. Christian Greilinger von der REO ordnet jedoch ein, das Vergleichsjahr 2019 sei eines der absoluten Spitzenjahre gewesen. „Wir bewegen uns auf sehr hohem Niveau – der Tourismus bleibt eine wichtige, tragende Kraft.“

Als „bedeutenden Umsatztreiber“ hebt die REO das Tegernseer Tal hervor. Mit 324,5 Millionen Euro verzeichneten die fünf Talgemeinden einen Zuwachs von 9,6 Prozent seit 2019. Zudem geben die Gäste im Tal mehr aus als im übrigen Landkreis: Übernachtungsgäste im Schnitt 159,30 Euro, Tagesgäste 26,60 Euro pro Tag. Entsprechend hoch ist der Anteil des Übernachtungstourismus am Gesamtumsatz mit 62,9 Prozent – verglichen mit 58,6 Prozent in der ATS. Die Premiumstrategie des Tegernsees bediene den Trend zum hochwertigen, sanften Tourismus „perfekt im Sinne unserer Gäste, Gastgeber und Einheimischen“, wird TTT-Geschäftsführer Christian Kausch zitiert.

Lohnkosten belasten Betriebe

Den größten Anteil am Umsatz erzielt mit 345,3 Millionen Euro (61,1 Prozent) das Gastgewerbe, gefolgt von Dienstleistungen (21,6) und Einzelhandel (17,3). 281,3 Millionen Euro fließen daraus an Primäreinkommen in den Landkreis Miesbach – was laut Statistik dem durchschnittlichen Einkommen von rund 5610 Personen, davon etwa 3310 im Tegernseer Tal, entspricht.

2019 lag dieser rechnerische Wert noch bei 6640 Personen. Zwar ist der Einkommensbetrag absolut um 26,2 Millionen Euro gestiegen, auch das durchschnittliche Einkommen hat sich jedoch von 38 409 auf 50 118 Euro erhöht. Für Betriebe bedeutet das: Lohnkosten steigen stärker als die Umsätze. Die dadurch sinkenden Gewinnmargen belasten touristische Betriebe, neue Lösungsansätze seien laut der Studienmacher deshalb erforderlich.

Steuereinnahmen für Kommunen

Weiterhin profitieren aber auch die Kommunen vom Tourismus. 53,1 Millionen Euro Steuern flossen 2024 in die Gemeinden – 22,7 Millionen Euro mehr als 2019. Besonders die Gemeinden im Tegernseer Tal profitieren mit 30,4 Millionen Euro maßgeblich.

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Die Studie bestätige, dass der Tourismus eine tragende Säule bleibe. Harald Gmeiner Vorstand der REO: „Die aktuellen Zahlen zeigen: Qualität gewinnt gegenüber Quantität an Bedeutung. Weniger Gäste, aber höhere Ausgaben sichern Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Gleichzeitig stehen die Betriebe vor der Herausforderung, steigende Kosten mit wirtschaftlichem Erfolg in Einklang zu bringen.“ nap

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